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Stuttgart

Zähneklappern im Dauerfrost: Am Wochenende Plusgrade möglich

Nach tagelanger Eiseskälte blicken vor allem Frostbeulen sehnsüchtig gen Wochenende: «Es wird auf jeden Fall wärmer», sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Dienstag in Stuttgart.

27.02.2018

Von dpa/lsw

Eine Uferpflanze vor dem Hintergrund des zugefrorenen Pfaffensees. Foto: Marijan Murat/Archiv dpa/lsw

Stuttgart. Aber mit dem Sonnenschein ist dann erstmal Schluss. Schnee in den Bergen und Regen im Flachland sollen sich landesweit ausbreiten. Etwa sieben Grad im Rheintal und drei Grad in den Gebirgen seien am Samstag möglich. Bis dahin heißt es aber nochmal Zähne zusammenbeißen: Der Februar verabschiedet sich am Mittwoch mit bis zu minus 18 Grad Celsius.

In der Nacht zum Dienstag wurden bereits Werte von bis zu minus 17 Grad in Lenzkirch im Schwarzwald gemessen. Der Frost ließ etwa in Bad Urach (Kreis Reutlingen) den Wasserfall erstarren. «In der Nacht zum Mittwoch fallen die Temperaturen noch einmal um ein bis zwei Grad», sagte ein DWD-Meteorologe.

Bei den eisigen Temperaturen fiel in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) in der Nacht zum Dienstag ein Senior in ein Blumenbeet vor seinem Haus und blieb liegen. Der 86-Jährige hatte nur eine Hose, einen Pullover und Hausschuhe an, wie die Polizei mitteilte. Ein Polizist entdeckte am frühen Morgen den hilflosen Mann und bewahrte ihn vor dem Kältetod. Er hatte bei zweistelligen Minusgraden das Haus verlassen - wann genau, war zunächst unklar. Der Beamte lud den 86-Jährigen in sein Auto und brachte ihn zum Polizeirevier. Von dort kam der Senior mit starker Unterkühlung in ein Krankenhaus. Weil der Mann allein lebt, wurde das Sozialamt eingeschaltet.

Während der Dauerfrost kaum Auswirkungen auf den Verkehr im Südwesten hatte, mussten Pannenhelfer dennoch unzählige Male ausrücken. Nach Angaben des ADAC wurde die Straßenwacht allein in Württemberg am Montag 2610 Mal zu Hilfseinsätzen gerufen - der bisher höchste Wert in diesem Jahr. Im Vorjahr war demnach der 23. Januar mit 2600 Einsätzen der Tag mit den meisten Hilfen in Württemberg. An einem milden Wintertag sind es demnach rund 700 Einsätze.

«Hauptursache für die Pannen sind schwache oder defekte Batterien sowie eingefrorene Kühlsysteme», sagte Michael Prelop, Bereichsleiter für Württemberg bei der ADAC Straßenwacht. «Aktuell haben wir alle verfügbaren Fahrer im Einsatz.»

Auf dem Neckar hat sich eine Eisschicht gebildet, wie das Schifffahrtsamt in Stuttgart mitteilte. Für Schiffe sei das bisher aber noch unbedenklich. An Wehren und Schleusen seien vorsorglich Heizanlagen in Betrieb genommen worden, die das Eiswasser von den Dichtungen fernhalten sollen. Auf die Rheinschifffahrt habe die Kälte noch keinen Einfluss, teilte die zuständige Behörde in Mannheim mit.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) riet bereits am Wochenende zu langen Unterhosen. Und prompt folgte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) seinem Ratschlag: Am Morgen habe er sie beim Frühsport getragen. «Das war eine richtige Entscheidung. Ich habe nicht gefroren», sagte der Regierungschef am Dienstag. Immerhin seien es da minus zehn Grad gewesen. Er habe aber sein volles Sportprogramm durchgezogen. Dazu bemerkte Strobl: «Der Innenminister freut sich, dass der Ministerpräsident sich an die Empfehlungen hält.»

Der Deutsche Wetterdienst zog am Dienstag eine erste Winterbilanz. So sei es in Baden-Württemberg teils frühlingshaft warm, dann wieder bitterkalt und vor allem im Schwarzwald ganz oft nass gewesen. Insgesamt war der Südwesten demnach mit durchschnittlich 1,4 Grad Celsius ein eher kaltes Bundesland. Bundesweit am wärmsten war es am 3. Januar im badischen Rheinfelden mit 16,2 Grad Celsius. Der Januar 2018 in Baden-Württemberg war den Meteorologen zufolge der wärmste und niederschlagreichste seit Aufzeichnungsbeginn vor 137 Jahren. Der Februar verabschiedete sich dagegen mit Dauerfrost.

Besonders viel Regen mussten die Menschen in diesem Winter im Südschwarzwald ertragen: Der bundesweit meiste Niederschlag fiel in St. Blasien-Menzenschwand mit rund 920 Litern pro Quadratmeter. Zum Vergleich: So viel Regen falle in Koblenz im Durchschnitt im ganzen Jahr. Am 1. März ist meteorologischer Frühlingsanfang.

Eine Uferpflanze vor dem Hintergrund des zugefrorenen Pfaffensees. Foto: Marijan Murat/Archiv dpa/lsw

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Erstellt:
27. Februar 2018, 16:24 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2018, 16:50 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 16:50 Uhr

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