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Oper: Wunder der Heliane

Wunderbar wieder auferstanden

Von den Nazis verfemt, feiert Korngolds „Wunder der Heliane“ einen Triumph – trotz hanebüchenem Libretto.

03.04.2018
  • Christoph Müller

Berlin. Wie Krenek, Schreker, Weill und Zemlinsky gehört auch Erich Wolfgang Korngold als damals viel gespielter Opernkomponist zu den ins Exil vertriebenen Opfern der Nazi-Kulturpolitik. Seine in jeder Beziehung monströse Oper „Das Wunder der Heliane“ überlebte ihre Hamburger Uraufführung 1927 nur um wenige Jahre. In Berlin ist zwar Barrire Koskys Komische Oper auf solch lohnende Ausgrabungen speziialisiert. Der „Heliane“ freilich kann nur ein so großes Haus wie die Deutsche Oper Berlin gerecht werden.

Die Musik Korngolds schwelgt und rauscht spätexpressionistisch bis zum Geht-nicht-mehr. Bitonal gebrochen, also nicht mehr nur tonal, aber auch noch nicht richtig atonal. Fis-Dur-Ekstasen rauf und runter. Melodiös, aber meist nicht arien-ausgeformt. Das glitzert in vielen Farben. Bei den Highlights kommt dann alles wie im Delirium zusammen, auch die Dissonanz-Akkorde, um den Zuhörer widerstandslos zu überwältigen. Jaja, die Macht der Musik, hier wird sie Ereignis! Marc Albrecht am Pult reizt diese, man muss es wohl so sagen, wolllüstige Partitur nicht nur bei der Lautstärke unermüdlich gute drei Stunden lang aus, sondern ziseliert auch die zahlreichen kammermusikalischen Einschübe sehr delikat.

Unfreiwillig komisch

Leider hat dieser magnetisch magische Opernrausch auch eine Handlung. Und die ist der helle Wahn. Man sollte sie auf keinen Fall Satz für Satz mitlesen, wie es die obligate Übertitelung anbietet. Unfreiwillig komisch, was sich da ein Hans Müller-Einigen im Schatten von solchen schwergewichtigen übersinnlichen Mysteriosos wie Wagners „Parsifal“ oder der Strauss‘schen „Frau ohne Schatten“ ausgedacht hat. Er verkündet nämlich eine verquaste „Sexualtheologie“.

Ein Fremder will das unterdrückte Volk vom Lach- und Liebesverbot seines sexuell frustrierten und total verheuchelten Herrschers befreien, wird aber zum Tode verurteilt, weil er sich kurz vor dem Schafott in die keusche Gattin des Herrschers verguckt, die sich ihm splitternackt darbietet. Lieber ersticht er sich, als dass er die vermeintliche Ehebrecherin als Lügnerin erscheinen ließe.

Die Himmelfahrt wenigstens hat der Regisseur uns erspart. Christof Loy neutralisiert den sakralen Schwulst geschickt, indem er alles hier und heute in einem holzgetäfelten Gerichtssaal ansiedelt und die haarsträubende Story wie beiläufig als eine Art gepflegtes Hol(l)ywood-Melodram abspult; Hollywod war es ja auch, wo der Exilant Korngold beispielgebende Filmmusiken schrieb.

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03.04.2018, 06:00 Uhr
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