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Worauf man sich nicht verlassen kann

Landrat Reumann sagte „eine rückhaltlose Aufklärung“ im Falle des von seiner Mutter misshandelten und im Reutlinger Kreisklinikum gestorbenen zehn Wochen alten Säuglings zu. Hat das Kreisjugendamt der jungen Mutter womöglich voreilig eine günstige Prognose ausgestellt? Ist ihm mit der Entscheidung, das Baby wegen möglicher Kindeswohlgefährdung nicht wegzunehmen, ein fachlicher Fehler unterlaufen? War gar Fahrlässigkeit im Spiel? Gestern nahm Reumann bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz das Kreisjugendamt aus der Schusslinie. Nach allem, was wir jetzt wissen, ist das auch in Ordnung so.

21.07.2009

Den Journalisten saßen Gesprächspartner gegenüber, denen anzusehen war, dass ihnen das schlimme Ereignis schwer zu schaffen macht: Barbara Kiefl, die Leiterin des Kreisjugendamtes, Sozialdezernent Andreas Bauer, der Landrat, Justiziar Claudius Müller und Pressesprecher Herbert Binsch. Deren Befindlichkeit fasste Reumann in einem Satz zusammen: „Ich denke, es ist so ziemlich das Schlimmste, was den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Kreisjugendamtes passieren kann, wenn ein Kind, das dort betreut wird, zu Schaden kommt, wenn ein Kind, das von uns betreut wird, sogar zu Tode kommt.“

Nach dem Stand der Dinge ist davon auszugehen, dass sich das Jugendamt rechtlich nichts vorzuwerfen hat. Die Prognose für die Mutter wurde wohl nach einer gründlichen Abwägung getroffen und dies durch Gutachten bestätigt. Doch bei aller Sorgfalt gilt auch dies: Eine Prognose ist immer nur eine Prognose. Sie kann eintreffen oder eben auch nicht. Eine Garantie lässt sich davon niemals ableiten, solange man es mit Menschen zu tun hat.

Wenigstens kann das Kreisjugendamt für sich in Anspruch nehmen, dass es bisher mit seinen Einschätzungen richtig lag: 248-mal gingen im vergangenen Jahr Meldungen möglicher Kindeswohlgefährdungen im Reutlinger Landratsamt ein – eine Steigerung von 107 Meldungen gegenüber 2007 – dies aber nur, weil mehr Fälle aufklärt wurden. 79 davon stufte das Kreisjugendamt als „akut“ ein, 119 als „dringlich“. Ein Drittel der 248 Meldungen mit 395 betroffenen Kindern bedurfte verschiedener Hilfen: Familientherapie, Erziehungsbeistand, Vollzeitpflege betreutes Jugendwohnen und anderes. 17 Kinder wurden sofort in Obhut genommen.

Der Landkreis machte 2008 rund 1,2 Millionen Euro mehr Geld für die Jugendhilfe locker als im Jahr davor. Zwei Stellen wurden 2009 neu geschaffen, das Berichtswesen ausgeweitet und gemeinsam mit der Stadt Reutlingen die aufsuchende Familienhilfe auf den Weg gebracht. Doch mit Geld und Masse allein lässt sich nicht alles regeln. Am Ende geht es immer um eine verantwortliche Entscheidung, um eine Prognose, auf die man sich gerne verlassen möchte, sich aber, wie das schreckliche Beispiel lehrt, nicht wirklich verlassen kann.

Bernd Ulrich Steinhilber

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21.07.2009, 12:00 Uhr
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