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Notrufe vor dem Crash

Wollte Fahrdienstleiter Lokführer warnen? - Dritte Blackbox entdeckt

Vor dem schweren Zugunglück in Bayern soll laut „Spiegel“ein Fahrdienstleiter im Stellwerk noch versucht haben, die aufeinander zurasenden Züge zu stoppen. Die Notrufe kamen zu spät.

13.02.2016

Von DPA/AFP

Spezialisten suchen in den Trümmern nach Spuren, die Aufschluss über die Unglücksursache geben könnten. Foto: dpa

Bad Aibling. Er soll noch versucht haben, die Katastrophe zu verhindern: Der diensthabende Fahrdienstleiter im Stellwerk von Bad Aibling hat nach Angaben des „Spiegel“ versucht, die aufeinander zurasenden Züge per Notruf zu stoppen. Er habe kurz hintereinander per Funk zwei Notrufe abgesetzt und dafür ein spezielles Bahn-Mobilfunknetz mit einer Notruffunktion genutzt. Eine Polizeisprecherin erklärte zu der „Spiegel“-Meldung auf Anfrage, dazu lägen ihr keine Informationen vor. Die Deutsche Bahn wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu dem Bericht äußern.

Dem Magazin zufolge erreichte der erste Notruf die Lokführer kurz vor dem fatalen Zusammenstoß der Regionalzüge. Der zweite Notrufversuch sei offensichtlich erst nach der Kollision erfolgt.

Die beiden Regionalzüge waren am Dienstag auf einer eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal zusammengeprallt. Elf Menschen kamen dabei ums Leben, dutzende Passagiere wurden zum Teil schwerst verletzt.

Einem Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes zufolge wird der Zugfunkverkehr zwischen dem Stellwerk und den Triebwagenführern ausgewertet, er sei Bestandteil der Ermittlungen. Die Zugfunkgespräche würden unter anderem mit dem Fahrtverlauf abgeglichen. Zudem würden die im Stellwerk registrierten und dokumentierten „Bedienhandlungen“ mit den Aufzeichnungen der Datenspeicherkassette abgeglichen und dortige Abläufe untersucht.

Über die Ursache des katastrophalen Unfalls wird viel spekuliert. Eine Theorie hat sich laut „Spiegel“ in den ersten Tagen verdichtet: Der zufolge soll der Fahrdienstleiter beiden Zügen kurz hintereinander gestattet haben, die eingleisige Strecke zu befahren. Dazu meinte die Polizei: „Die Ermittlungsarbeit müssen wir seriös und sachlich voranbringen. Zum Stand der Ermittlungen hieß es: „Wir brauchen mehr Puzzleteile, um das gesamte Bild sehen zu können.“ Es sei noch nicht klar, ob es sich um menschliches oder technisches Versagen handle. „Da können auch mehrere Sachen zusammenspielen.“

Die Ermittler setzen unter anderem auf die Fahrtenschreiber der Unglückszüge. Experten haben zwei der drei Blackboxes aus den Wracks ausgelesen. „Es konnten keine Hinweise auf Missachtung von Signalen festgestellt werden“, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums über die Datenspeicherkassette des Zuges, der von Rosenheim gekommen war.

Einer der beiden Fahrtenschreiber des Gegenzuges sei ebenfalls bereits ausgewertet worden. „Daraus können keine Erkenntnisse auf die Handlungen des Triebfahrzeugführers gewonnen werden“, hieß es.

Die Auswertung der dritten Blackbox werde derzeit versucht - sie sei aber beschädigt. Sie wurde erst gestern aus den Trümmern geborgen. Dass es in einem Zug zwei Fahrtenschreiber gegeben habe, liege daran, dass in dem Fall ein zweiteiliger Zug unterwegs gewesen sei. Schließlich sollen noch Zeugen vernommen werden, die dazu in der Lage sind.

Die Zahl der Todesopfer des Unglücks könnte unterdessen weiter steigen: „Es ist leider so, dass einige in einem kritischen Zustand sind“, sagte eine Polizeisprecherin. So stehe zu befürchten, dass weitere Menschen in den Kliniken den Kampf um ihr Leben verlören. Bereits am Donnerstagabend war ein 47-Jähriger seinen Verletzungen erlegen. Damit sind nun elf Opfer zu beklagen. Dutzende wurden schwer verletzt. Es war das schwerste Zug-Unglück nach der Eschede-Katastrophe 1998 mit 101 Todesopfern.

Die Aufräumarbeiten kommen derweil voran: „Die zwei Triebwagen sind jetzt voneinander getrennt, die rollfähigen Zugteile werden langsam abtransportiert“, erläuterte die Polizeisprecherin. Wenn alles wie geplant laufe, sollten gestern sämtliche Großteile abtransportiert werden. Am Samstag sollten dann noch kleinere Trümmer geborgen werden. Dann würden die Ermittler auch Gleise und das Stellwerk untersuchen. Wann die Strecke wieder geöffnet wird, ist noch unklar. Nach den Bergungsarbeiten müssen noch Gleise und Oberleitungen instand gesetzt werden.

Ein Ermittler mit elektronischen Bauteilen aus den Zugwracks. Foto: dpa

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Erstellt:
13. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
13. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2016, 08:30 Uhr

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