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"Mein Werk ist eine Herausforderung"

Wolfgang Laib erhält den Praemium Imperiale

Der Praemium Imperiale gilt als der Nobelpreis der Kunst. Morgen bekommt ihn der schwäbische Künstler Wolfgang Laib. Er macht Kunst aus ganz besonderen Materialien: Blütenstaub, Wachs und Reis.

20.10.2015
  • DOROTHEA HÜLSMEIER, DPA

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

WOLFGANG LAIB: Ich habe ein abgeschlossenes Medizinstudium und dann mit Kunst angefangen. Zuerst mit Milchsteinen, dann mit Blütenstaub.

Wie kamen Sie auf diese Stoffe?

LAIB: Das war die direkte Antwort auf das Medizinstudium, mit dem ich sehr unzufrieden war. Diese Unzufriedenheit hat mich wahnsinnig stimuliert. Es gab diese unglaubliche Spannung in meinem Leben. Dass das menschliche Dasein nur der naturwissenschaftliche Körper ist, damit konnte ich mich nicht abfinden.

Sie haben das Menschsein also in der Kunst gefunden?

LAIB: Ich denke, dass ich meinen Beruf nicht gewechselt habe. Ich habe in diesem künstlerischen Werk realisiert, was ich als Arzt wollte, aber in den Krankenhäusern nie machen konnte. Es war wie eine Erleichterung. Deshalb kam das auch so direkt, ohne einen Umweg über eine Kunstakademie.

Ist Kunst eine Art Heilen für Sie?

LAIB: Auch, aber noch viel mehr. Es ist unglaublich komplex. Es geht um das Ganze. Blütenstaub ist die Essenz des pflanzlichen Lebens, und Milch ist nicht nur eine weiße Flüssigkeit.

Was hat man für ein Gefühl, wenn man den Praemium Imperiale, den Nobelpreis der Künste, zuerkannt bekommt?

LAIB: Am schönsten für mich ist, dass es bei diesem Preis um die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Menschheit geht. Das ist ein Riesenanspruch, aber den hatte ich auch schon als junger Künstler, als ich zu Konrad Fischer ging. In vielen Teilen unserer Gesellschaft wird das nicht so gesehen. Kunst ist da nur das letzte Rad am Wagen. Wenn man aber die Geschichte der Menschheit sieht, da haben Kunst und Kultur immer die Menschheit woanders hingebracht.

Im heutigen Kunstmarkt hat Kunst aber doch oft nur den Anspruch, Geld zu machen. Da müsste Ihnen doch schlecht werden, oder?

LAIB: Ich bin in dieser Hinsicht ein total altmodischer Künstler, der allein arbeitet. Andere Künstler haben bis zu 100 Mitarbeiter, ich habe gar keinen. In meinem Atelier bin ich allein.

Sie leben nicht nur in New York und Ihrem alten Heimatort in Schwaben, sondern ebenso in Indien. Fließt die indische Philosophie auch in Ihre Kunst ein?

LAIB: Ja, natürlich. Aber auf sehr komplexe Weise. Ich bin kein Buddhist. Ich bin sehr frei, ich bin ein Künstler, das ist sehr wichtig. Ich finde, historische Religionen können sehr schön sein, aber Kunst hat eine Offenheit und Freiheit auch für die Zukunft.

Sammeln Sie heute auch noch Blütenstaub?

LAIB: Ja, jedes Frühjahr. Es ist physisch sehr anstrengend. Löwenzahn hat sehr wenig Blütenstaub. Wenn ich ein Glas sammle, dann kommen 60 mal 80 Zentimeter raus. Kiefern haben sehr viel Blütenstaub. Da kann ich in einer guten Saison in einem Monat zwei Gläser sammeln. Wenn es eine schlechte Saison ist, dann vielleicht nur ein halbes Glas. Das Größte, was ich jemals gemacht habe, war im MoMA New York. Es war eine Fläche von 7 mal 8 Metern. Da hatte ich den Haselnuss-Blütenstaub von 20 Jahren.

Ich habe den Eindruck, dass Sie in Amerika bekannter sind als in Deutschland.

LAIB: Es war für mich nicht einfach in Deutschland. Mein Werk ist in Deutschland für viele eine richtig große Herausforderung, weil es so anders ist. Viele meinen, sie seien tolerant, wenn es aber auf den Punkt kommt, dann ist Blütenstaub und Milchstein eine große Herausforderung. Ich komme nicht von einer Akademie, und dann noch aus einem Ort in Süddeutschland.

Wolfgang Laib erhält den Praemium Imperiale
Sammelt noch immer Blütenstaub: Wolfgang Laib. Foto: dpa

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20.10.2015, 12:00 Uhr
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