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Wolf beunruhigt Schäfer auf der Alb
Nach mehr als 160 Jahren ist auf der Alb wieder ein Wolf aufgetaucht - und überfahren worden. Trotzdem machen sich die Schäfer Sorgen. Foto: giorgiape - Fotolia
Die Arbeit mit Herdenschutzhunden wird erprobt

Wolf beunruhigt Schäfer auf der Alb

Baden-württembergische Schäfer sind alarmiert. Innerhalb von fünf Monaten sind zwei Wölfe aufgetaucht. Der Landesschafzuchtverband sieht das Land für die Ankunft des Raubtiers "noch nicht gut gerüstet".

02.12.2015
  • PETRA WALHEIM

Merklingen/Stuttgart. Der Wolf, der tot an der Autobahn8 bei Merklingen (Alb-Donau-Kreis) gefunden worden ist, muss sehr scheu und vorsichtig gewesen sein. Er konnte weit ins Land vordringen, ohne entdeckt zu werden. Es habe "keine Risse, keine Fährten, keinerlei Hinweise" auf das Tier gegeben, sagt Micha Herdtfelder, Wildtierexperte bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Zwar seien der FVA seit Anfang 2015 von der Alb immer wieder Sichtungen gemeldet worden, doch die hätten nie verifiziert werden können. Oft würden Hunde für Wölfe gehalten, sagt Herdtfelder.

Woher der etwa zwei Jahre alte Rüde gekommen ist, will das Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin herausfinden. Der Kadaver des Raubtiers wird dort untersucht. Stamme der Wolf aus einem Rudel der mitteleuropäischen Flachlandpopulation, stünden die Chancen gut, seine Herkunft zu bestimmen. "Die Rudel in Ostdeutschland sind gut erfasst", sagt Herdtfelder. Stamme er aus einer Alpen-Population, sei fraglich, ob das Rudel bestimmt werden könne. Der Wolf, der Ende Juni auf der A 5 bei Lahr (Ortenaukreis) überfahren worden ist, stammte aus den Schweizer Alpen. "Das war ein Tier aus dem Calanda-Gebiet bei Chur", sagt Herdtfelder. Kommt der Wolf von der Alb auch aus dieser Gegend, ist es der dritte von dort, der überfahren worden ist: der erste starb bei Zürich.

Schafzüchtern auf der Alb bereitet das Auftauchen der Wölfe Sorgen. "Die Schäfer sind beunruhigt und verunsichert", sagt Anette Wohlfarth, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes (LSV). Mit dem Auftauchen des zweiten Wolfs werde die Lage ernst, sagt sie. Jetzt sei das Problem greifbar.

Die Aussage von Landwirtschaftsminister Alexander Bonde, das Land sei für die Rückkehr der Wölfe gut vorbereitet, kann sie nicht bestätigen. "Das Land bemüht sich und tut viel, aber gut gerüstet sind wir noch nicht." Bonde stützt seine Aussage vor allem auf den von einer Arbeitsgruppe im Auftrag des Landes verfassten Handlungsleitfaden "Wolf". Darin steht, was beim Auftauchen des Wolfs und bei Riss-Schäden zu tun ist. Anette Wohlfarth reicht das nicht aus.

Noch sei keine praktikable Möglichkeit gefunden, die Schafe auf der Alb, dem Gebiet mit der höchsten Schafdichte im Land, vor dem Wolf zu schützen, sagt sie. Es gebe zwar den Ausgleichsfonds, aus dem Schafhalter entschädigt werden, wenn ein Wolf eines ihrer Tiere gerissen hat. Doch wichtiger sei, es gar nicht soweit kommen zu lassen.

Was dafür zu tun ist, soll in einem Modellprojekt des LSV und des Naturschutzbundes (Nabu) herausgefunden werden. Das läuft in vier Schafzuchtbetrieben. Dabei soll erprobt werden, "wie Herden wirkungsvoll mit Zäunen und Hunden geschützt werden können", sagt Nabu-Landesvorsitzender Andre Baumann. Zum Einsatz kommen Herdenschutzhunde, die sich im Gegensatz zu Hütehunden als Teil der Herde verstehen. Das macht deren Wirken zeit- und arbeitsintensiv - und wirft neue Probleme auf. Eines sei, die Herdenschutzhunde in die Herde zu integrieren und sie dazu zu bringen, mit den Hütehunden klar zu kommen, sagt Anette Wohlfarth. Denn die Schutzhunde verbellen jeden, der der Herde zu nahe kommt. "In dicht besiedelten Gebieten gibt das Probleme."

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02.12.2015, 08:00 Uhr
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