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Neuer sozialer Sprengstoff

Wohnungen für Flüchtlinge: Private Initiativen sind nötig – reichen aber nicht aus

Wie kann man Wohnraum für die wachsende Zahl von Flüchtlingen schaffen? Private Initiativen sind dringend nötig, reichen aber nicht aus: Der Reutlinger Mieterbund-Geschäftsführer Thomas Keck warnt vor neuem sozialem Sprengstoff.

02.10.2015
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Wenn sie von ihren neuen Mietern erzählt, ist Susanne Schöpfer voll des Lobes: „Eine tolle Bereicherung – ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, dass es früher ohne sie ging.“ Die Reutlinger Unternehmerin hat zwei Wohnungen an die syrischen Flüchtlinge Khaled Yaghmour und Ghassad Alnakoula vermietet.

Die Brenzgemeinde antwortete zunächst auf eine erste Vermietungs-Annonce. „Mir war gleich klar, dass ich ihm die Wohnung gebe“, so Schöpfer. Und als eine zweite frei war, quartierte sie den zweiten Flüchtling ein. „Sie sind unglaublich zuvorkommend, wir verbringen unglaublich viel Zeit miteinander“, sagt Schöpfer über ihre Mieter. Und die Wohnungen seien stets tipptopp sauber. Die Unternehmerin begleitet die Flüchtlinge zu Behörden, einen weiteren Syrer hat sie jetzt in ihrer Werbetechnik-Firma eingestellt.

Auf solche Privatinitiativen setzen die evangelische Brenzgemeinde und die Reutlinger Arbeiterwohlfahrt (AWO). Diakon Eberhard Schütz will Begegnungsflächen schaffen, damit die Bereitschaft zu helfen wächst. „Man muss aus der Anonymität treten und sich Zeit nehmen, diese Menschen kennenzulernen“, sagt auch Susanne Schöpfer. „Die größte Hoffnung ist zivilgesellschaftliches Engagement“, so Anita Arndt von der Kontaktstelle Asylarbeit beim Diakonieverband.

AWO-Geschäftsführerin Gisela Steinhilber sagt, die Wohlfahrtsverbände trommelten seit 1996 vergeblich für mehr sozialen Wohnungsbau in Reutlingen: „Es hat sich wenig bewegt.“ Inzwischen haben zwar mehrere Ratsfraktionen dazu Anträge gestellt, aber diese liegen seit Monaten auf Eis.

Auch wenn noch viel mehr Privatleute Wohnungen an Flüchtlinge vermieten, bleibt das ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie berichtet, muss allein die Stadt Reutlingen im Jahr 2016 voraussichtlich 870 Flüchtlinge unterbringen. Wenn die Asylverfahren nach zwei Jahren abgeschlossen sind und die Gemeinden für die sogenannte Anschluss-Unterbringung zuständig sind, konkurrieren die Flüchtlinge womöglich mit weiteren einkommensschwachen Familien auf dem Wohnungsmarkt. „Der soziale Sprengstoff ist nicht zu unterschätzen“, sagt deshalb Mieterbunds-Geschäftsführer und SPD-Stadtrat Thomas Keck. Schon jetzt stünden mehr als tausend Leute auf der Warteliste der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG. Keck: „Das eskaliert jetzt.“

Die Volkszählung von 2011 ergab in Reutlingen 1769 leerstehende Wohnungen, in Tübingen waren es 1628. Seither hat die grün-rote Landesregierung im Jahr 2013 die Zweckentfremdung von Wohnraum per Gesetz verboten. Zur Zweckentfremdung gehört nicht nur die Umnutzung von Privatwohnungen zu Ferienunterkünften, sondern auch der Leerstand.

Keck fordert, dass Reutlingen dieses Gesetz ebenso umsetzen solle, wie es zuletzt der Stuttgarter OB Fritz Kuhn für die Landeshauptstadt angekündigt hat. Der Aufschrei der Vermieter war dort so groß wie bei einem Vorstoß des Tübinger OB Boris Palmer. „Die Reutlinger Verwaltung muss im Gemeinderat eine Vorlage bringen“, so Keck. „Die Stadt hat die rechtlichen Möglichkeiten und setzt sie nicht um“, kritisiert Friedrich Hagemeister, der seit März Deutschkurse für Flüchtlinge im Brenzgemeindehaus gibt. Nach Ansicht von Keck ist beim Wohnungsthema die Freiwilligkeit gescheitert, nun müsse die Politik Druck machen.

gSiehe „Mit Engelszungen“

Wohnungen für Flüchtlinge: Private Initiativen sind nötig – reichen aber nicht aus
Susanne Schöpfer hat Wohnungen an die Flüchtlinge Ghassad Alnakoula (links) und Khaled Yaghmour vermietet sowie Abdullah Kamel (rechts) eingestellt.Bild: Haas

Immer mehr Familien könnten die Wohnungen kaum mehr bezahlen; die Zahl der einkommensschwachen Haushalte sei gestiegen, weiß AWO-Chefin Gisela Steinhilber. Sozialwohnungen baue in Reutlingen seit 50 Jahren nur die städtische Wohnungsgesellschaft GWG, sagt Mieterbunds-Geschäftsführer und SPD-Stadtrat Thomas Keck. Die GWG könne es allein aber nicht schaffen. „Wir brauchen auch die privaten Bauträger.“ Keck fordert deshalb finanzielle Anreize wie Steuervorteile für Bauherren durch den Bund.

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02.10.2015, 12:00 Uhr
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