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Lebens-Wert

Wohnen mit Wasserbüffel & Co.

Jeder Teppich, der aus der jungen Reustener Firma German Rugs GmbH kommt, ist ein Unikat – Faser für Faser mit den Wünschen des Auftraggebers verwoben. Trotz hohem Designanspruch für extreme Belastbarkeit geschaffen. Diese wird nicht zur Schau gestellt: Seidenglanz gibt es auch für den Objektbereich. Individualität im Industriellen.

05.10.2018
  • TEXT: Evi Miller|FOTOS: Andreas Körner (3), Nikolaus Grünwald, Anne Deppe (2), ©virtua73/stock.adobe.com

Aus der Nische in der Nische sei das Segment der abgepassten Teppiche entstanden, sagt Danijel Baric, ehemals Verkaufsleiter von „Flurstück“: Der Marke für abgepasste Teppiche, die die Karlsruher Firma Findeisen 2016 auf den Markt gebracht hatte. Auch um dem aktuellen Wohnungstrend mit viel Glattbelag etwas entgegenzusetzen. Zum Beispiel Wohlbefinden contra akustische Probleme.

Nach einem Jahr kehrte Findeisen zu seinem Kerngeschäft, den strapazierfähig und langlebigen Nadel-vlies-Bodenbelägen, zurück. Allerdings ohne die langjährigen Mitarbeiter Danijel Baric und Cordula Jahn. „Flurstück ist unser Baby. Wir haben es bis vor den Kindergarten getragen und wollten es nicht aufgeben“, erklärt die ehemalige Marketingleiterin Cordula Jahn. Vor allem waren sie so sehr von den Talenten ihres Kindes überzeugt, dass sie diese weiterentwickeln wollten. Den Schritt in die Selbstständigkeit wagten sie trotz beträchtlicher Investitionen und einiger Mühen. „Manche Bekannte haben den Kopf geschüttelt“, so Jahn. Schließlich saßen sie beide schon fest im Sattel und hatte gute Positionen. Sie verließen Findeisen zum 1. August und gründeten German Rugs. „Wir führen Flurstück als Marke für abgepasste Teppiche weiter und bauten sie kontinuierlich aus. Gleichzeitig haben wir viele andere Hersteller in unser Portfolio unter dem Namen German Rugs aufgenommen“, erklärt Danijel Baric.

Allein das Standardportfolio von German Rugs kann sich sehen lassen: 22 Qualitäten von Wolle über Textil und Leder stehen zur Verfügung, hinter jeder Qualität stehen sechs bis 32 Farben und mindestens acht Einfassungsmöglichkeiten. „Mix it all“ heißt es beim Online-Teppichkonfigurator auf der Homepage des Unternehmens: Qualitäten, Farben und Formen, florale Designs und grafische Muster, schlussendlich die Einfassung: Millionen von Möglichkeiten für einen ganz individuellen Teppich. Ein schönes Spielzeug, findet Baric. „Wir haben vom Nutzer aus gedacht: Er will Individualität und kann sich seinen zukünftigen Teppich visualisieren: Wie groß soll er sein? Wie sieht er aus? Was kostet er? Was Größe und Gestaltung angeht, sind wir komplett frei. Alles ist möglich“. Auch ganz persönliche Fotomotive. Oder eine 3-D- Garderobe mit Hirschgeweih. Ein Digitaldruck eines Kinderfotos, polygonale Tiere, Terrazzoböden, Vintage Look...

„Wir sind wie die Trüffelschweine, immer auf der Suche nach neuen Materialien mit besonderen Eigenschaften, den besten Manufakturen und zukunftsweisenden Herstellungsmethoden“, sagt Cordula Jahn. So entdeckten sie zum Beispiel auch den Indischen Wasserbüffel: in Asien und Nordafrika ist sein Fleisch traditioneller Bestandteil der Ernährung. Weil er klein ist, war seine Haut bisher ein Abfallprodukt und für die Möbelindustrie uninteressant. Erst neuerdings wird das Leder auch für die Gestaltung im Innenbereich geschätzt. „Die Eigenschaften sind außergewöhnlich: sowohl was die Langlebigkeit, als auch das Optische betrifft. Der elegante Glanz ist einzigartig“, schwärmt Baric. Die Verwendung des Leders trage zu einer Komplettverwertung des Tieres bei.

Manchmal reicht es auch, den Blickwinkel zu wechseln, um Neues entstehen zu lassen. Zum Beispiel beim Wollfilz-Teppich, dessen verfilzte und gestanzte 0,5 Millimeter Streifen eine 90 Grad- Drehung hinlegen und damit nicht nur gut aussehen, sondern auch extrem widerstandsfähig sind.

Einige der Muster fühlen sich an wie Seide, sind aber aus Polyamid. Der Vorteil liegt auf der Hand, beziehungsweise auf dem Boden: Luxuseigenschaften mit Seidenglanzeffekt werden objekttauglich.

Die Kunden kommen aus den Bereichen Ladenbau, Büro, Hotel, öffentliche Einrichtungen ebenso wie Privathaushalte. Im Goetheinstitut in Moskau führt ein Farbleitsystem mit abgepassten Teppichen von German Rugs die Besucher durch die Gänge und schützt den alten Steinboden. Im Königsbau in Stuttgart setzt die Innenarchitektin Claudia Wald auf die architektonische Mitgestaltung der Teppiche aus dem Hause German Rugs: In dem Büro für Cloud-Lösungen unterstützen runde, mit Terrazzo-Böden bedruckte Teppiche die Zonierung der Arbeitsplätze zu sogenannten Insellösungen. Weltweit testen Freizeitsportler ihre Laufschuhe in den Nike-Stores auf 4x8 Meter breiten Nadelfliesteppichen von German Rugs.

Eine Auszeichnung für das junge Unternehmen ist auch die Mitgliedschaft im internationalen Rat für Formgebung und die Nominierung für den German Design Award. „Wir sind nicht bei null gestartet, sondern haben bereits viel Erfahrung mitgebracht und vor allem auch ein großes Netzwerk, auf das wir zurückgreifen können“, sagt Baric. Den Firmenstandort findet er ideal: „Das Büro in Reusten, ein großes Lager in Hailfingen – Reusten ist für uns der Nabel der Welt“, schmunzelt Baric und „wunderbar um internationale Konzerne zu beliefern“. Er zeigt sich dabei regional verwurzelt. „Alles was wir regional machen können, machen wir hier. Man weiß, mit wem man arbeitet und kennt die Gesichter dahinter. Kurze Wege erleichtern die Abstimmung und Zusammenarbeit.“

„Vor unserer Haustür liegt viel Potenzial“, sagt Jahn, „auch was mögliche Kunden betrifft.“ Verstärkt wollen sie deshalb ihren Fokus auf die Region richten und den Absatzmarkt vor Ort für ihre Teppiche à la carte weiter ausbauen.

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05.10.2018, 08:00 Uhr
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