Corona im Kreis Tübingen

Wo kann ich mich testen lassen?

Die Labors sind ausgelastet, die Wartezeiten steigen, die Bestimmungen werden verschärft. Wir stellen die aktuellen Testmöglichkeiten vor.

05.11.2020

Von Ulrich Janßen

Fußgänger, Autofahrer, Radfahrer: Das Warten auf den Test vereint zur Zeit die Nutzer der verschiedenen Verkehrsmittel. Gestern ging es auf dem Tübinger Festplatz nach dem turbulenten Auftakt wieder deutlich ruhiger zu.Bild: Ulrich Metz

Wer ins Ausland fliegen will, die Großeltern besuchen oder einfach nur wissen möchte, ob Husten und Halsweh mit einer normalen Erkältung zusammenhängen, braucht einen Corona-Test. Doch an den kommt man gar nicht so leicht heran. Die deutschen Labors sind komplett ausgelastet, die Situation ist, wie die Kassenärztliche Vereinigung in Baden-Württemberg bestätigt, „angespannt“. Wir haben die verschiedenen Möglichkeiten, sich im Landkreis testen zu lassen, im Überblick zusammengestellt.

Hausärzte: Sie sind die erste Adresse, wenn man Erkältungssymptome hat. Im Kreis Tübingen gibt es etliche Praxen, die Abstriche vornehmen. Aber es gibt auch Praxen, die das nicht leisten können oder wollen. Ein Anruf lohnt auf jeden Fall, der Hausarzt oder die Hausärztin können Patienten, auch ohne vorherigen Besuch, an die richtige Stelle weiterleiten.

Vorteil: Den Test zahlt die Kasse. Die Hausärzte kennen ihre Patienten, können Symptome einordnen und gegebenenfalls Entwarnung geben.

Nachteil: Termin ist nötig. Nicht jede/r hat einen Hausarzt. Je nach beauftragtem Labor kann es bis zu 5 Tage dauern, bis das Ergebnis vorliegt.

Schwerpunktpraxen: Sie sollen die normalen Praxen entlasten und sind im Idealfall räumlich und personell auf Corona-Patienten vorbereitet. Laut Kassenärztlicher Vereinigung kann aber jede Arztpraxis sich als Schwerpunktpraxis bewerben. Schwerpunktärzte erhalten pro Patient knapp 20 Euro extra. Im Kreis Tübingen gibt es 25 solcher Praxen, eine Liste findet man auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung (www.kvbawue.de). Eine Überweisung ist nicht nötig, ein vorheriger Anruf beim Hausarzt aber erwünscht.

Vorteil: Die Mediziner kennen sich im Idealfall besser aus mit Covid-19 und können Quarantänebedingungen einhalten. Den Test zahlt die Kasse. Auch sind Termine, wie eine kleine Stichprobe ergab, derzeit noch einigermaßen leicht zu bekommen.

Nachteil: Arzt ist persönlich nicht bekannt. Terminvergabe ist nötig, aufs Testergebnis muss man ein paar Tage warten. Getestet werden nur Patienten mit Symptomen.

Festplatz: Hier befinden sich die Fieberambulanz (für Menschen mit Symptomen) und die Teststelle (für Menschen ohne Symptome, also etwa Reiserückkehrer, Kontaktpersonen, oder Leute, die von ihrer Corona-App ein rotes Signal bekommen haben). Wohin es geht, entscheidet Fachpersonal gleich beim Eingang. Geöffnet ist täglich außer Sonntag, die Teststelle von 10 bis 16 Uhr, die Ambulanz von 14 bis 18 Uhr. Man kann mit dem Auto (in diesem Fall empfehlenswert), zu Fuß oder mit dem Rad kommen (bitte an Wärmeschutz denken, bei Regen gibt es einen Unterstand). Die Auswertung der Abstriche, die von der Tübinger Firma Cegat und einem Heidelberger Labor übernommen wird, dauert aktuell bis zu 5 Tage. Die Ambulanz sorgt bei schweren Fällen gleich für die Einlieferung in die Klinik. Wegen der Überlastung der deutschen Labors kann es sein, dass die Anforderungen für Tests in den kommenden Tagen erhöht werden.

Vorteil: Relativ unbürokratisch, man kann auch symptomfrei kommen. Test ist kostenlos.. Wer’s mag, wird die Drive-in-Atmosphäre lieben.

Nachteil: Mitunter lange Wartezeiten. Voriger Anruf beim Hausarzt ist zumindest erwünscht. Tests auf Wunsch (etwa vor dem Besuch bei den Großeltern) sind nicht möglich. Die Auswertung dauert einige Tage. Wer‘s nicht mag, wird die Drive-in-Atmosphäre hassen.

Cegat: In der Paul-Ehrlich-Straße 23 kann sich jede/r nach Belieben testen lassen, und zwar werktags von 13 bis 17 Uhr, Samstag von 9 bis 13 Uhr. Pro Tag werden derzeit zwischen 150 und 200 Personen getestet. Die Wartezeit beträgt mittags etwa eine halbe Stunde, die man im Freien verbringen muss (warm anziehen, an Schirm denken!). Der Test kostet 65 Euro, bezahlt wird auf Rechnung. Positiv Getestete erhalten einen Anruf und einen Brief und können ihr Ergebnis mit QR-Code auf die App laden. Firmenchef Dirk Biskup verspricht, dass die Firma das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden liefert.

Vorteil: Unbürokratische Abwicklung übers Internet. Ergebnis liegt schnell vor. Bestätigung (etwa für Arbeitgeber oder Fluglinie) erhält man umgehend. Kein Anruf beim Arzt nötig, jede/r kann kommen.

Nachteil: Kosten müssen selbst übernommen werden. Beschwerliches Warten bei Nässe oder Kälte.

Altenheime: Für jeden Bewohner erhalten die Altenheime im Kreis pro Woche zwei Schnelltests, mit denen Besucher/innen getestet werden. Die Mitarbeiter wurden mit der Anwendung vertraut gemacht.

Vorteil: Test auch ohne Symptome möglich, eher geringe Wartezeit, ermöglicht Besuche von Verwandten.

Nachteil: Nur für Altenheim-Besucher, Sensitivität geringer als bei PCR-Tests. Den Abstrich übernehmen geschulte, aber vielbeschäftigte Altenheim-Mitarbeiter.

Schnelltests: Laut Herstellerangaben erkennen Antigen-Schnelltests inzwischen mit über 90-prozentiger Sicherheit, ob eine Person infiziert ist. Das Ergebnis liegt nach 15 Minuten vor. Den nötigen Nasopharyngealabstrich sollte medizinisches Fachpersonal vornehmen, allerdings können Laien auch auf Videos im Netz studieren, wie ein Abstrich funktioniert. Schnelltests sollten nach Ansicht der Kassenärztliche Vereinigung auch in Arztpraxen zunehmend eingesetzt werden, um die Labors zu entlasten. Lisa Federle, die Pandemie-Beauftragte des Landkreises, bietet ihren Patienten deshalb schon jetzt routinemäßig Schnelltests an. Dass die Sicherheit nicht so hoch ist, nimmt sie in Kauf: „Wenn ich ein Kondom benutze, habe ich auch keine 100-prozentige Sicherheit.“ Die Antigentests von Roche oder Abbott kann man in größeren Stückzahlen im Internet bestellen (8 bis 12 Euro pro Stück). Abgegeben werden sie offiziell nur an medizinisches Fachpersonal.

Vorteil: Kein Labor mehr nötig, das Ergebnis kommt umgehend. Günstiger Preis.

Nachteil: Offiziell darf nur medizinisches Fachpersonal den Test bestellen und anwenden. Keine 100-prozentige Sicherheit möglich.

Das Robert Koch Institut hat die Anforderungen für Tests erhöht

Wegen des großen Andrangs auf die Labore hat das Robert Koch Institut vor zwei Tagen die Anforderungen für einen Test geändert. Es sollen danach ab sofort nur noch diejenigen getestet werden, die schwere Covid-19-Symptome haben (Fieber, akute Bronchitis, Atemnot, Lungenentzündung, Geruchs- und Geschmacksverlust). Getestet werden auch Menschen mit leichteren Symptomen und zusätzlich einem Kontakt zu einem Infizierten, sowie Personen mit akuten Symptomen, die gleichzeitig einer Risikogruppe angehören oder in riskanten Kontakt kamen. Alle anderen, darunter auch die Millionen von Menschen, die in Deutschland gerade erkältet sind, haben danach vorerst keinen Anspruch mehr auf einen kostenlosen Test. Noch ist allerdings nicht ganz klar, wie die Vorgaben des Robert Koch Instituts vor Ort umgesetzt werden. Zuständig hierfür ist das Land Baden-Württemberg, das gestern Abend noch keine neuen Vorschriften erlassen hatte.

Immer häufiger kommen derzeit Menschen zum Testen, bei denen die Corona-App angeschlagen hat. Die Difäm-Direktorin Gisela Schneider, die zur Zeit wieder als Ärztin auf dem Festplatz arbeitet, findet die Corona-App deshalb eine „tolle Sache“. Labore, die mit der App verbunden sind, können Testergebnisse auf diese Weise schnell und direkt übermitteln.

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Erstellt:
5. November 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. November 2020, 01:00 Uhr

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