Tübinger Buchhandel kontert mit "Ufo"

Wo die wilden Drohnen wohnen

War doch drollig, wie Günther Jauch am Sonntagabend in der ARD mal eben eine süße Mini-Drohne neben sich landen ließ, die brav ein Paket abstellte und flugs wieder abschwirrte. Das verbreitet keinen Schrecken mehr wie die fliegende US-Späh- und Killermaschine, die über Feindesland Bomben abwirft. Es gibt sie also doch, die friedliche Drohne. Jetzt will die Transportbranche den Luftraum erobern.

09.12.2013

Von Wilhelm Triebold

Drunten auf dem Boden der Tatsachen verstopfen vollgepackte Kastenwägen mit gestressten Lastenträgern Fußgängerzonen und Zufahrtswege, um bestellte Ware an fordernde Kundschaft zu bringen. Drüber schwingt sich Marktführer Amazon auf und will sogenannte Octocopter in den Himmel schicken, zum Wohle des „Prime-Air“-Service. Die Post will prompt mit einem „DHL-Paketcopter“ dagegenhalten.

Warum auch nicht? Tübingen ist prädestiniert für die Drohnen-Zucht. Ein Blick in den hiesigen „Drohnenforschungsatlas“ der Informationsstelle Militarisierung (IMI) genügt, um einige feine Forschungsprojekte zu entdecken, die dem Traum vom unbemannten Zufliegen Vorschub leisten. Der Lehrstuhl für kognitive Systeme im Fachbereich Informatik bastelt da ebenso wie die kognitiven Neurowissenschaftler bei den Neurobiologen, und das Hertie Institut für klinische Hirnforschung ist sowieso dabei.

Es werden Quadrocopter erdacht, die private oder öffentliche Liegenschaften überwachen könnten, und spannend auch der „Tübingen Hooligan Simulator“, dessen Erregungs-Erkennung über Menschenmassen irgendwann auch Flügel bekommen könnte.

Grundlagenforschung oder Zukunftsmusik? Wie Tübingens autonome fliegende Roboter funktionieren, kann man sich übrigens auf der Uni-Homepage wunderbar angucken. Allerliebst, diese kleinen Brummer. „Tatsächlich spielt Tübingen in den explizit auf Sicherheitsanwendung fokussierten Netzwerken der Drohnenforschung (...) eine eher marginale Rolle“, beruhigt die IMI, „im Gegensatz zur Modellierung von Mensch-Maschine-Systemen und dem möglichen ,Weltwissen? von Maschinen, das in der Drohnenforschung jedoch eine wichtige Rolle spielt.“

Wie gut, dass sich wenigstens Amazon-Widersacher Osiander verweigert. „Die schwäbische Antwort auf Drohne und Eule“ verheißt die nicht ganz ernst gemeinte Pressemeldung aus dem Hause Riethmüller. Auf Amazon-Drohne und die – gleichfalls satirische – Waterstones-Eule (O.W.L.S.: „Ornithological Waterstones Landing Services“) reagiert die Tübinger Buchhandlung mit U.F.O., dem Umweltverträglichen Fahrradkurierservice von Osiander.

Man werde „in Anlehnung an die Zivilklausel, die militärische Forschung an Universitäten ächtet, auch in Zukunft keine Fluggeräte einsetzen, die ihre Existenz militärischer Forschung und Anwendung verdanken.“ Und lehne entschieden „die Ausbeutung unserer gefiederten terrestrischen Mitbewohner ab.“ Danke, Osiander!

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Erstellt:
9. Dezember 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Dezember 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Dezember 2013, 12:00 Uhr

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