Oberhalb des Kirnbachs schlummert mit dem Olgahain ein romantisches Kleinod / Neue Hinweistafel

Wo die Königin lustwandelte

BEBENHAUSEN (job). Der Olgahain, einst romantischer Lustwandelgarten der württembergischen Königin Olga, wurde im vergangenen Jahr von freiwilligen Helfern des Fördervereins Naturpark Schönbuch wieder freigeschnitten. Seit kurzem lotst eine Infotafel wieder Besucher an diesen Ort der Ruhe.

07.10.2006

Lauschiges Plätzchen unter bemoosten Buchen: Wo heute wilder Schönbuchwald sprießt, war zur Zeit der württembergischen Königin Olga ein luftiger Hain.

Schiefe Steinstufen führen den Hang hinauf. Der Weg führt über sanft geschwungene Terrassen, vorbei an Tümpeln und Farnnestern. Gemächlich passiert der Spaziergänger Geröllfelder, bei denen jeder Stein wie von Hand in Moos gewickelt scheint. Durch das dichte Dach der Buchen brechen Sonnenstrahlen hervor und zaubern tanzende Schattenbilder auf den belaubten Waldboden.

Wer den Olgahain, östlich von Bebenhausen an der Südflanke des Kirnbergs gelegen, betritt, wähnt sich auf den ersten Blick nicht an einem königlichen Ausflugsziel. Eher könnte man sich mitten im Wald ein verlassenes Räuberlager herbeifantasieren – und doch lustwandelte hier einst die Tochter eines russischen Zaren und Königin von Württemberg: Olga Nikolajewna Romanowa, Frau Karls I. von Württemberg. Früher stand hier wohl auch mal ein kleines Teehaus.

Die geologischen Gegebenheiten an dieser Stelle des Kirnbergs kamen den romantischen Naturvorstellungen der Zeit entgegen: An der Kuppe des Berges bricht der Rhätsandstein, aus dem auch das Kloster Bebenhausen gebaut wurde, jäh ab. Unterhalb schließt sich mit vielen Mulden und Buckeln der Knollenmergel, aus verschiedenen Tonschichten bestehend, an. In seinen natürlichen Senken sammelt sich das Wasser, kleine Teiche und Tümpel entstehen.

Nicht weit von Bebenhausen: Der Olgahain.

Und noch einen natürlichen Vorteil nutzten die wahrscheinlich zwischen 1867 und 1870 aus Stuttgart angereisten Landschaftsgärtner: Durch einen günstigen Kaltluftabfluss ist es an dieser Stelle wärmer als unten in Bebenhausen. Besonders im Herbst und im Frühjahr, wenn sich das Herrscherpaar häufiger in Bebenhausen aufhielt.

„Ich bin sicher, dass es damals auch einen Ausblick gab“, sagt Götz von Bülow von der Abteilung Forst beim Landratsamt Tübingen. Weit sieht man derzeit nicht: „Der Wald wächst sehr schnell zu, da müssen wir immer wieder behutsam eingreifen.“ Auch er schätzt diesen versteckten Platz in seinem Revier: „Hier hat man immer seine absolute Ruhe.“

Dass der Olgahain derzeit wieder erkennbar und gut zu begehen ist, hat man den freiwilligen Helfern des Fördervereins Naturpark Schönbuch zu verdanken. Mit etwa 25 Leuten machten sie im vergangenen Jahr die Wege frei, jäteten das Unkraut und räumten die steinernen Bänke frei – Arbeiten, die im Budget der Forstverwaltung nicht drin sind. In größerem Stil wurde zuletzt 1977 am Olgahain gearbeitetet: Damals legte das Forstamt Bebenhausen den Hain frei, Anlass war die Eröffnung eines geologischen Lehrpfads.

Damit der zufällig vorbeikommende Wanderer den Eingang in den Hain nicht verpasst, brachte der Vorsitzende des Fördervereins, Michael Lutz, kürzlich eine neue Infotafel am Zugang an. Auf ihr erfährt man auch mehr über die Geschichte des stillen Ortes.

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Erstellt:
7. Oktober 2006, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Oktober 2006, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2006, 12:00 Uhr

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