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Wo Ratzinger sein Käffchen schlürfte, ist jetzt die Tübinger Papstgaststätte

Der Satire-Club „Stammtisch Unser Huhn“ hat am Samstag die Parkgaststätte beim Tübinger Bahnhof in „Papstgaststätte“ umgetauft. In dem Lokal soll in den sechziger Jahren ein damaliger Theologieprofessor namens Josef Ratzinger gelegentlich Kaffee getrunken und ein Stückchen Kuchen zu sich genommen haben. Unser Fotograf war bei der Zeremonie dabei.

07.03.2009
  • Jennifer Schmidt

Das kalte Licht der Mittagssonne zeichnet die blassen Konturen der gläsernen Bushaltestellen auf den Asphalt. Wie auf unsichtbaren Schienen ziehen die roten Stadtbusse am Samstag ihre Bahnen über den Tübinger Europaplatz. Von Zeit zu Zeit verebbt das Dröhnen der sich entfernenden Motoren. Dann trägt der Wind diffuse Wortfetzen über den Platz. Irgendwo spricht jemand in ein Mikrophon. Eine Gruppe betont gelangweilter Jugendlicher blickt suchend um sich. Auf der anderen Seite des Platzes, vor der grauen Fassade der Parkgaststätte, werden zwei zu einem Kreuz verbundene Besen gen Himmel gestreckt.

Unter dem hölzernen Provisorium haben sich einige Menschen versammelt. Ihre Blicke sind nach oben gerichtet. Auf dem Dach der Parkgaststätte sitzt ein Mann mit blauweißer Bischofsrobe auf einem weißen Korbstuhl. Neben ihm steht mit schwarzer Mütze Jürgen Jonas vom Parkgaststätten-Stammtisch „Unser Huhn“ und heißt den Würdenträger willkommen. Es sei Erzbischof Alfons Bafile-Gänsewein, der nach Tübingen gesandt worden sei, um seine schützende Hand über die Parkgaststätte zu halten. Schließlich sei Papst Benedikt während seiner Zeit in der Unistadt regelmäßig zum Verzehr eines „bepuddingten Aprikosenkuchens“ in das Traditionslokal eingekehrt. Grund genug, um die Kneipe in „Papstgaststätte“ umzubenennen, findet Jonas.

Tatsächlich enthüllt er kurz darauf den neuen Namen der Gaststätte: Über den Buchstaben „r“ und „k“ klebt nun dicht gedrängt ein „pst“. Der angebliche Erzbischof erhebt eine nasse Klobürste und segnet mit ihr die neue Inschrift. „So schütze unser Bierlokal in diesem Palmer-Jammertal“, ruft Jonas, und die Zuschauer applaudieren.

Unter ihnen befindet sich auch Tübingens Erster Bürgermeister Michael Lucke, der vom Stammtisch „Unser Huhn“ in die Papstgaststätte eingeladen worden war. Die heilige Zeremonie habe ihn überrascht. „Ich wusste nicht, was mich erwartet“, sagt Lucke. Er habe sich lediglich vom Zustand des sanierungsbedürftigen Lokals überzeugen wollen.

Von der Umbenennung der Traditionsgaststätte zeigt sich Lucke jedoch unbeeindruckt. Selbst mit einem Stück des nach Originalrezept gebackenen Lieblingskuchens Ratzingers können die Mitglieder von „Unser Huhn“ Lucke nicht von den Umgestaltungsplänen für den Europaplatz abbringen: „Der Schandfleck Europaplatz muss beseitigt werden“, sagt der Erste Bürgermeister. Man werde in den nächsten Wochen und Monaten weiter an den Planungen arbeiten. Für die Papstgaststätte blieben dabei nur zwei Alternativen: „Man muss sanieren oder abbrechen“, so Lucke.

Die Mitglieder von „Unser Huhn“ wollen weiter für den Erhalt ihres Stammlokals kämpfen. Demnächst soll eine Tafel an der Gaststätte angebracht werden, die auf den prominenten Gast Ratzinger hinweist. Und auch der neue Name soll vielleicht bestehen bleiben: „Wir werden sehen, ob sich’s rumspricht,“ so Jonas.

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07.03.2009, 12:00 Uhr
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