Kolumbien

Wo Hippos Haustiere sind

Die Nilpferde, die der Drogenbaron Pablo Escobar einst ins Land brachte, haben sich vermehrt und kommen den Menschen sehr nah.

02.03.2021

Von DPA

In Puerto Triunfo können Touristen der Nilpferddame Vanessa gefahrlos begegnen. Sie ist das einzige Hippo, das gezähmt ist und auf der „Hacienda Napoles“ einen eigenen Teich hat. Foto: Luis Bernardo Cano/dpa

Puerto Triunfo. Das Flugzeug über dem Eingangstor der „Hacienda Nápoles“, mit dem Pablo Escobar seine erste Ladung Kokain in die USA schickte, ist abmontiert. Es steht nun auf dem Gelände des früheren Luxusanwesens Escobars, der einst Kängurus, Giraffen, Elefanten und andere exotische Tiere in seinen Privatzoo brachte. Der kolumbianische Drogenbaron ist lange tot, das Medellín-Kartell aufgelöst – aber Escobars Nilpferde gedeihen.

So prächtig, dass Kolumbien nun nach einer Lösung für die „Kokain-Hippos“ sucht. „Wir haben ein Ziel: das unkontrollierbare Wachstum der Nilpferde zu stoppen“, sagt der Biologe David Echeverri von der regionalen Umweltstelle Cornare. Die Nilpferde können das Ökosystem schädigen, heimische Tierarten verdrängen, die Wasserqualität verändern. Der jüngste Ansatz: Ein Verhütungsmittel für Großtiere, das die kolumbianische Botschaft in den USA angefordert hat.

Vier afrikanische Nilpferde brachte Pablo Escobar einst auf die „Hacienda Nápoles“, etwa 170 Kilometer von Medellín entfernt. Die exotischen Tiere waren eine Art Escobars, seine Macht und seinen Reichtum zu zeigen. Mit dem Medellín-Kartell beherrschte er den Drogenhandel mit den USA in den 1970er und 1980er Jahren. Der etwa 3000 Hektar große ehemalige Landsitz ist heute ein Freizeitpark, insgesamt rund 80 Nilpferde tummeln sich rund um die Gemeinde Puerto Triunfo.

„Die Tiere sind ein Segen, sie bringen viele Touristen“, sagt Isabel Romero im Dorf Estación Cocorná. Mit ihren Söhnen bietet sie für umgerechnet rund 50 Euro Bootstouren zu den Aufenthaltsorten der Nilpferde an, dorthin etwa, wo der kleinere Río Cocorná in den Río Magdalena fließt. Weil die Tiere immer wieder an diese Stelle kommen, funktionieren die Touren. Über den Río Magdalena, dessen Einzugsgebiet in etwa so groß ist wie das des Rheins, können sich die Hippos im Land verbreiten.

Als Sicherheitskräfte Escobar im Jahr 1993 erschossen, wurden die Nilpferde sich selbst überlassen. Das tropische Klima, ohne natürliche Feinde, bekam ihnen. „Vor etwa zehn Jahren wurde uns klar, dass wir eine riesige Population von Flusspferden haben“, sagt Biologe Echeverri. „Wir begannen, die Population zu studieren, um zu sehen, ob es eine sofortige Lösung gibt.“

7000 Euro pro Kastration

Dieser Zeitpunkt dürfte mittlerweile verstrichen sein. Gerade einmal zehn Nilpferde sind operativ kastriert worden – was aufwändig und mit rund 7000 Euro teuer ist –, vier wurden in kolumbianische Zoos gebracht. Die anderen Tiere vermehrten sich weiter. Eine Lösung war bisher nicht in Sicht.

Während sich etwa 40 Nilpferde von dem See nahe der „Hacienda Nápoles“ an diesem Tag frei hin und her bewegen, ist Nilpferddame Vanessa, verstoßen von der Herde, das einzige Hippo, das gezähmt auf der „Hacienda Nápoles“ einen Teich hat. Touristen streicheln und füttern Vanessa, auch wenn einem angesichts des Mauls mit den großen Zähnen angst und bange werden kann.

Nilpferde sind gefährlicher als Krokodile und Löwen zusammen. Mit ihrem Gewicht können sie sogar Boote zum Kentern bringen. Fischer auf dem Río Magdalena halten Ausschau und wissen meistens, wo sich die Tiere aufhalten; sie lassen sich nicht einschüchtern. Dennoch besteht immer das Risiko eines Angriffs. Jaime Cañaveral konnte sich zu Lande einmal nur retten, indem er auf ein vorbeifahrendes Motorrad sprang, wie er erzählt. „Dieses Tier hat mich irre rennen lassen.“

Die Bewohner der Region haben sich jedoch weitgehend daran gewöhnt, dass sich Nilpferde in den Flüssen tummeln und wie in dem Dorf Doradal durch die Straße laufen. Sie haben einen Weg gefunden, mit ihnen umzugehen. „Wenn man ihnen nichts tut, dann tun sie einem auch nichts“, sagt Ana Rita Duque Quiceño, Nachbarin der „Hacienda Napolés“. „Wir halten Sicherheitsabstand und machen Fotos. So ist noch nie etwas passiert.“ Die Hippos sind selbst zu Haustieren geworden. Zudem profitieren die Menschen vom Nilpferd-Tourismus. Ihr Dorf Doradal ist ein Hippo-Disneyland mit rosaroter Nilpferdstatue und Getränkebude in Nilpferdform geworden. dpa

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Erstellt:
2. März 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. März 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. März 2021, 06:00 Uhr

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