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Natur

Wissenstempel aus Holz und Stahl

Die Bauarbeiten am Nationalparkzentrum am Ruhestein liegen im Zeit- und Kostenplan. In gut einem Jahr sollen Besucher sich darin über das Reservat und dessen Sinn informieren können.

26.08.2019

Von PETRA WALHEIM

Noch ist das Nationalparkzentrum am Ruhestein eine Baustelle. Doch der Eingangsbereich zeigt sich jetzt schon transparent mit viel Holz, Glas und freiem Blick in den Wald. Foto: Petra Walheim

Ruhestein. Das Hämmern und Sägen ist weithin zu hören. Doch die Wanderer und Ausflügler am Ruhestein scheint das nicht zu stören. Sind die Geräusche doch Zeichen dafür, dass es mit dem Nationalparkzentrum voran geht. In gut einem Jahr soll es eröffnet werden. Es ist umstritten, ebenso wie der ganze Nationalpark Schwarzwald. Die Gegner stören sich an den Kosten von gut 50 Millionen Euro für das Gesamtprojekt. Auch die Frage, woher das Holz für die verschiedenen Riegel, den Skywalk und den Aussichtsturm kommt, hat für Diskussionen gesorgt.

Vor allem an der Alaska-Zeder scheiden sich die Geister. Muss das denn wirklich sein? Ja, es muss. Weil nur dieses Holz der hohen Beanspruchung durch Wind, Wetter, Schnee und Kälte standhalte, sagt Holger Probst, Leiter der Abteilung Hochbau beim Landesbetrieb Vermögen und Bau. Der Landesbetrieb ist Bauherr des Projekts. „Die Alaska-Zeder macht gerade mal 0,5 Prozent des insgesamt verbauten Holzes aus“, betont Probst.

Alaska-Zeder ist sehr robust

Sie werde nur für die Fassade am Aussichtsturm verwendet, weil die dem Wetter extrem ausgesetzt sei. „Eine Sanierung des Turms wäre sehr aufwendig.“ Damit das erst gar nicht nötig wird, werde das extrem widerstandsfähige Holz aus Alaska verwendet. Nach intensiven Untersuchungen seien die Alaska-Zeder-Schindeln wegen ihrer Robustheit und „sehr langen Lebensdauer von 60 bis 80 Jahren als geeignetes Material identifiziert“ worden, teilt auch ein Sprecher des Finanzministeriums mit.

Holz ist mit Abstand das am häufigsten verwendete Baumaterial bei diesem Projekt. Das zeigt sich schon im Eingangsbereich. Der birgt einen Aha-Effekt. Wer die Halle betritt, bewegt sich auf eine gewaltige Holztreppe zu. Hinter ihr gibt eine Glasfront den Blick frei in den Wald. Der ist nicht meterweit entfernt. „An manchen Stellen wurde das Baugerüst um Bäume herum aufgestellt“, sagt Holger Probst.

Die Gebäude bestehen aus Holzkonstruktionen, Wände, Decken, Böden sind aus Holz. Die Fassade des gesamten, als verschachtelte Riegel aufgebauten Gebäudes, besteht komplett aus Holzschindeln. 90 Prozent des Holzes kommen aus „heimischen Beständen“, sagt der Sprecher des Finanzministeriums. Davon seien 84 Prozent Weißtanne. Heimisch heiße, das Holz komme aus dem Schwarzwald, den Vogesen, dem Frankenwald, dem Bayerischen Wald und aus dem nördlichen Alpenvorland.

Das Brettsperrholz, das ein häufiges Baumaterial ist und auch schon für Auseinandersetzungen gesorgt hat, kommt nicht, wie zuerst angenommen, aus Österreich. „Eine Firma aus dem Elsass verarbeitet die Weißtanne aus dem Schwarzwald und aus den Vogesen zum Brettsperrholz“, sagt der Sprecher. Damit seien die Transportwege sehr viel kürzer.

Das Modell zeigt, dass das Infozentrum aus übereinander liegenden Riegeln besteht mit einem Steg, der in den Wald hineinführt, und dem Aussichtsturm. Die Idee dahinter ist, damit ein Kernstück des Nationalparks abzubilden: Die Riegel sollen Totholz darstellen, das übereinander gefallen ist. Das Totholz begegnet den Besuchern wieder in der Dauerausstellung. Die zeigt virtuell über einen Zeitraum von 500 Jahren, wie aus einem winzigen Keimling eine stattliche Tanne wird, wie diese abstirbt und umfällt und wie sich an dem Totholz unfassbar viel Leben entwickelt.

Doch noch sind die Räume im Aufbau. Gut zu sehen sind jetzt schon die Balken aus geleimten Buchenbrettern als tragende Elemente. Immer wieder ist auch Stahl zu sehen. Zwei Riegel, die weit in den Wald hineinragen, mussten aus statischen Gründen aus Stahl gebaut werden. „Die werden aber mit Holz verkleidet“, sagt Holger Probst.

Den Skywalk, den Steg, der ebenfalls in den Wald hineinragt, sieht er mehr als Baumwipfelpfad denn als Aussichtsplattform. „Die Besucher sind nicht über den Baumwipfeln, sondern zwischen den Bäumen unterwegs.“

Damit sie überhaupt zum Infozentrum kommen, wurde ein Verkehrskonzept erarbeitet. Außerdem wird der Parkplatz von 350 auf 500 Parkplätze erweitert. Das alles soll bis Ende 2020 fertig sein.

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Erstellt:
26. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
26. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. August 2019, 06:00 Uhr

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