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Waldhäuser West neben Ost? · Kritik von Landwirt Ulrich Bechtle

Wirtschaftsverband für neue Siedlungsflächen

Mehr Flächen fürs Gewerbe und für neue Wohngebiete, etwa im Saiben, fordert der Verein Tübinger Wirtschaft schon länger. Jetzt bringt der Vorstand ein neues Areal ins Spiel: die Äcker zwischen Nordring und dem Dorf Waldhausen – quasi ein „Waldhäuser West“ (WHW).

20.10.2015
  • Volker Rekittke

Tübingen. Seit Jahren setze sich der Verein Tübinger Wirtschaft mit seinen 80 Mitgliedsunternehmen für die baldige Umsetzung des Saiben als Baugebiet ein, so Vorstandsmitglied Gerhard Braun. Und zwar sowohl fürs Gewerbe, das eher Richtung Bahnflächen entstehen könnte, wie auch fürs Wohnen, in Richtung Derendinger Bebauung. Denn die Tübinger Wirtschaft wachse dynamisch, neue Mitarbeiter bräuchten auch Wohnungen – oder freistehende Häuser mit Grün drumherum. Viele würden täglich von außerhalb einpendeln. Die „Gewerbeflächenstrategie 2020“ von OB Boris Palmer, 2012 vom Gemeinderat durchgewunken, sei immer noch nicht umgesetzt. Zugleich regt Brauns Vorstandskollege Arthur Eberle eine „Wohnbebauungsstrategie“ an.

Konkrete Ideen gibt es bereits, so Braun: „Warum nicht über eine Erweiterung auf WHO nachdenken?“ Wo genau? „Nördlich des Nordrings, Richtung Waldhausen.“ Dort existiere bereits eine gute Infrastruktur, so Vorstandsfrau Ingrid Schneider-Hofmann: „Der östliche Nordring ist vierspurig ausgebaut“. Zudem gebe es gute Busverbindungen, Kindergärten, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten.

Einmal Gewerbe, immer Gewerbe?

„Unser Credo war immer: Die Innenentwicklung reicht nicht“, sagt Braun. Die vorgesehene Vergrößerung des Technologieparks auf der Oberen Viehweide begrüßt er genauso wie die geplante 4,5-Hektar-Erweiterung westlich des Handwerkerparks entlang der B 28. Das sei gut für (Bio-)Technologiefirmen wie Curevac oder auch für Handwerker. Doch was ist mit dem produzierenden Gewerbe, fragt Eberle: „Wenn heute ein größerer Tübinger Betrieb erweitern will, gibt es fast nichts mehr.“

Lange habe in Tübingen der Grundsatz „Einmal Gewerbe, immer Gewerbe“ gegolten, sagt Eberle. Doch im Mühlenviertel (Wurster & Diez) oder in der Alten Weberei (Egeria) „ging Gewerbefläche fürs Wohnen verloren“. Dabei ist die Tübinger Wirtschaft keinesfalls gegen neue Wohngebiete, im Gegenteil. Doch: „Wenn man so sparsam mit Flächen umgeht wie in Tübingen, sorgt das für Knappheit und damit für hohe Preise.“ Die Tübinger Mieten seien „weit höher als anderswo“, ergänzt Wolfgang Kürner, der vierte im Vereinsvorstand. Das bekämen auch seine Mitarbeiter zu spüren.

Eine Konkurrenz zwischen Wirtschaft, Bevölkerung und Flüchtlingen um Flächen oder Gebäude sieht der Verein dabei nicht. Braun: „Das aktuelle Flüchtlingsthema macht den Flächenbedarf einfach nur noch deutlicher.“

Auch fürs Neckartal gibt es längst Pläne. Als künftige Gewerbeflächen im Gespräch sind die heute noch als Bioland-Äcker genutzten Traufwiesen und die Fläche „Vor dem Großholz“ – sowie der Au-Brunnen an der Eisenbahnstraße. Spätestens im Dezember wollen die Stadtwerke hierzu ein Gutachten präsentieren. Dann entscheidet der Rat, ob der Reservebrunnen stillgelegt wird. Braun begrüßt es, „dass diese Fläche überhaupt untersucht wird“, sagt aber auch: „Wasser ist ein unschätzbares Gut, wir müssen das Gutachten abwarten.“ Und zum Thema Natursteinpark: „Wen stört denn der Rongen dort oben?“

Wirtschaftsverband für neue Siedlungsflächen
Wirtschaftsvertreter könnten sich vorstellen, dass einmal Wohnungen auf diesen Äckern zwischen Waldhausen und dem Nordring gebaut werden.Luftbild: Grohe

Der Waldhäuser Landwirt und Tübinger CDU-Stadtrat Ulrich Bechtle kritisiert den Vorstoß der Tübinger Wirtschaftsvertreter für ein neues Wohngebiet zwischen Nordring und Waldhausen: „Wir können nicht alles zubauen.“ Einerseits gebe es die Forderung nach regional erzeugten Lebensmitteln. Andererseits werde immer mehr Ackerfläche versiegelt. Die infrage kommenden Äcker gehören größtenteils ihm und den zwei anderen Waldhäuser Landwirten. Bereits im Juli hatte Bechtle – wie die meisten aus der CDU-Fraktion – gegen die Umwidmung des Ackerlandes beim Hornbach im Neckartal gestimmt. Dort könnte der Natursteinpark Rongen hinziehen. „Ackerland zu renaturieren dauert 500 Jahre“, argumentierte Bechtle. Und Agrarbetriebe seien schließlich auch Firmen mit Arbeitsplätzen. Bechtle weiß, dass Wohnraum in Tübingen knapp ist. Wenn überhaupt neu bauen, so der Stadtrat, dann verdichtet und in die Höhe. „Einfamilienhäuser mit fünf Ar Garten drumherum – das geht nicht mehr.“

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20.10.2015, 12:00 Uhr
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