Renaissance

Wirkmächtiger Raffael

Eine Dresdner Ausstellung ehrt den italienischen Künstler zum 500. Todestag.

06.06.2020

Von EPD

Ein Repro des Gemäldes „Die Berufung Petri“, entstanden 1515 in Raffaels Werkstatt, wird in der Dresdner Ausstellung montiert. Foto: Matthias Rietschel/epd

Dresden. Die Fischer und ihre Boote sind aus Woll- und Seidenfäden gewebt, Jesus ist in leuchtendes Rot gehüllt. Er spricht mit den Männern. Einer von ihnen ist Petrus. „Der wunderbare Fischzug“ heißt das Werk, das eine Szene aus der Bibel aufgreift. Es gehört zu einer Serie von sechs Wandteppichen nach Vorlagen von Raffael (1483-1520) im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zum 500. Todestag des italienischen Ausnahmekünstlers sind fünf der Teppiche in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister erstmals nach Jahren wieder zu sehen.

Präsentiert wird dort von Samstag an die Ausstellung „Raffael – Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung“. Zu sehen sind bis zum 30. August auch rund 50 Gemälde, Skulpturen, Druckgrafiken und Zeichnungen von Künstlern, die der Italiener inspirierte. Raffael habe die Bildsprache revolutioniert, sagt Galeriechef und Ausstellungskurator Stephan Koja. Er habe sich auf die Personen und deren Interaktion konzentriert und dekorative Elemente in den Hintergrund gerückt. Inspiriert von der Antike habe der „begnadete Zeichner“ menschliche Körper detailliert studiert.

Seit dem frühen Mittelalter waren Tapisserien (Bildteppiche) Mittel der Repräsentation. Raffael schuf ab 1515 im Auftrag von Papst Leo X. zehn großformatige Kartons, nach denen in Brüssel Tapisserien für die Sixtinische Kapelle in Rom gewebt wurden. Vier Jahre später, 1519, wurden sieben dieser Teppiche erstmals in der Kapelle aufgehängt. Auch Raffael hat sie dort betrachtet.

Sieben der zehn Vorlagen sind erhalten und heute im Besitz des Victoria and Albert Museums in London. Sie waren vom späteren König Karl I. von England 1623 in Genua erworben worden. Er ließ in der englischen Tapisserie-Manufaktur Mortlake bei London mehrere Serien fertigen. Die sechs Dresdner Teppiche entstanden ebenfalls dort. Sie zeigen Szenen aus dem Leben der Apostel Petrus und Paulus. Zwischen 1991 und 1999 wurden sie aufwändig gereinigt und restauriert. Die Farben strahlen seitdem in neuem Glanz. Das vollständige Set wird vom 14. November bis 7. März 2021 im US-amerikanischen Columbus Museum of Art (Ohio) präsentiert. In der Dresdner Schau sind zwar nur fünf Teppiche zu sehen, sie werden aber von zwei Leihgaben aus Paris ergänzt.

Nach dem Gastspiel in den USA wandern die Dresdner Wandteppiche erst einmal wieder ins Depot. Dauerhaft zu bewundern ist dann immer noch Raffaels berühmte „Sixtinische Madonna“. epd

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Erstellt:
6. Juni 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Juni 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2020, 06:00 Uhr

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