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Wird bei den Banken nun alles gut?
John Cryan, Vorstandschef der Deutschen Bank: Sein Institut hat den Stresstest nur knapp bestanden. Foto: dpa
Deutsche Institute schaffen den Stresstest nur knapp – Kritik am Szenario

Wird bei den Banken nun alles gut?

Wieder mussten Europas Banken den Aufsehern beweisen, dass sie für Krisen gerüstet sind. Insgesamt zeigten sich die Geldhäuser als recht stabil.

01.08.2016
  • DPA

Frankfurt. Gut 12 000 Daten per Bank, pro Geldhaus eine PDF-Datei mit 20 Seiten. Wieder einmal haben Europas Bankenaufseher massenhaft Zahlen erhoben, um die Geldhäuser des Kontinents auf ihre Krisenfestigkeit zu prüfen. Sind sie gerüstet für einen Einbruch der Wirtschaft? Reichen die Kapitalpuffer der Geldhäuser aus, wenn die Immobilienpreise einbrechen? Mit solchen Szenarien wurden Europas Banken auf Herz und Nieren geprüft. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Stresstest:

Wie viele Institute durchleuchteten die Aufseher? Die europäische Bankenaufsicht Eba hat 51 Institute unter die Lupe genommen, darunter 9 deutsche. Parallel dazu untersuchte die Europäische Zentralbank (EZB) in einer abgespeckten Variante 56 weitere Kreditinstitute aus der Eurozone. Veröffentlicht wurde aber nur der Eba-Teil.

Was wollten die Aufseher denn vor allem wissen? Geprüft wurde, ob die Geldhäuser genügend Kapitalpuffer haben, um einen Absturz der Wirtschaft und einbrechende Immobilienpreise zu verkraften. Die Szenarien, die auf Basis der Geschäftszahlen zum Jahresende 2015 durchgespielt wurden, sahen massive wirtschaftliche Schocks in Europa vor: Für dieses und nächstes Jahr eine um 1,2 Prozent bzw. 1,3 Prozent schrumpfende Wirtschaft, für 2018 nur 0,7 Prozent Wachstum. Neu war, dass Rechtsrisiken einbezogen werden, etwa Strafen, die Banken zahlen müssen. Allerdings wurden diese nicht eigens veröffentlicht, sondern gemeinsam mit anderen als „operationelle Risiken“ veröffentlicht.

Wie ist das Ergebnis ausgefallen? Insgesamt recht ordentlich. Dank massiver Kapitalaufstockungen sei der Banken-Sektor in Europa als Ganzes recht stabil, erklärte die Eba. Die neun deutschen Institute im Test erwiesen sich als ausreichend ausgestattet, wenn auch in einigen Fällen nur knapp. Besonders stark unter Druck gerieten die Commerzbank und die Deutsche Bank, sie hielten sich aber noch über den zuvor von Analysten als kritisch bezeichneten Marken. Die schwächste Kapitalquote wies im Test wie erwartet die italienische Bank Monte dei Paschi auf. Sie legte aber kurz vor Bekanntgabe der Stresstest-Ergebnisse einen Rettungsplan vor. Spannend könnte noch werden, ob die größte italienische Bank Unicredit nach einem bescheidenen Abschneiden zu weiteren Kapitalmaßnahmen greift.

Was sind die Konsequenzen für die Banken? Anders als beim Stresstest 2014 gab es von vornherein keine Durchfaller. Die Aufseher verzichteten auf Vorgaben von Kapitalquoten, die Banken erfüllen mussten. Stattdessen sollen die Ergebnisse in die regelmäßige Bewertung von Geschäftsmodellen und Risiken der Institute einfließen. Dabei legen die Behörden gegen Jahresende individuelle Kapitalzuschläge fest und bestimmen zudem darüber, wie viel Geld die Banken für Dividenden oder Zinsen auf eigenkapitalähnliche Anleihen zahlen dürfen. Ist der Kapitalpuffer zu gering, können die Aufseher etwa Dividendenausschüttungen an die Aktionäre untersagen.

Schafft der Test neues Vertrauen in die Stabilität der Banken? Das bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit überholte die Realität des Öfteren die Testszenarien. Als Diagnose-Instrument sei der letzte Stresstest aber durchaus erfolgreich gewesen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer. Danach sei bloß die Therapie unterlassen worden. Beim Stresstest 2014 fielen neun italienische Banken durch. Aber dann geschah lange nichts, um deren Misere zu beheben.

Welche Kritik gibt es? Es stieß vielen Experten übel auf, dass nur das derzeit unrealistische Szenario steigender Zinsen untersucht wurde, nicht aber die Folgen weiter sinkender Zinsen. Doch gerade darunter leiden Banken, weil sie eigene Einlagen kaum noch rentierlich anlegen können und ihre Marge bei vergebenen Krediten schwindet. Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel vermutet als Grund Interessenkonflikte in der EZB. Denn wären Negativzinsen im Test durchgespielt worden, hätte dies zu einer schallenden Ohrfeige für die Geldpolitik der Notenbank werden können.

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01.08.2016, 06:00 Uhr
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