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„Wir treten auf der Stelle“
Spitzenwert: 128 Millionen Fahrgäste nutzten im vergangenen Jahr die Züge der S-Bahn Stuttgart. Foto: Ferdinando Iannone
S-Bahn-Gipfel

„Wir treten auf der Stelle“

Regionalräte üben massive Kritik an Pünktlichkeit und Fahrgastinformation. Eine schnelle Lösung, wie die Qualität verbessert werden kann, scheint es nicht zu geben.

19.04.2018
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Dirk Rothenstein, Chef der S-Bahn Stuttgart, sieht es als Erfolg: Die Pünktlichkeitswerte der S-Bahn Stuttgart haben sich 2017 nicht verbessert, aber auch nicht verschlechtert. Rückendeckung bekam er am Mittwochnachmittag von Regionaldirektorin Nicola Schelling. Dass sich die Werte stabilisiert hätten, sehe sie positiv, sagte sie beim S-Bahn-Gipfel in den Räumen des Verbands Region Stuttgart (VRS), dem Besteller der S-Bahn. Wobei auch Schelling weiß: Es muss mehr getan werden. Die Regionalräte, die an Rothensteins Bilanz teils massive Kritik übten, formulierten das deutlich. Sie lobten zwar sein Bemühen der vergangenen Jahre, die Qualität der S-Bahn zu steigern, zeigten sich über den Status quo aber mehr als unzufrieden.

Thomas Leipnitz (SPD) monierte: „Wir treten bei der Pünktlichkeit auf der Stelle.“ Man verharre auf niedrigen Niveau. Bernhard Maier (Freie Wähler) polterte: „Eine zwanzigprozentige Unpünktlichkeit in der Hauptverkehrszeit – das ist nicht akzeptabel.“ Und Eva Mannhardt (Grüne) zeigte sich anders als im vergangenen Jahr nur noch „maximal vorsichtig optimistisch“. Man sie zwar nicht schlechter geworden, aber noch weit von den Zielwerten entfernt. Auch die Fahrgastinformation gab Anlass zur Kritik im Gremium. Diese sei nicht ausreichend, oft fehlerhaft, es gebe zu wenig Anzeigetafeln, außerdem seien die einzelnen Systeme nicht aufeinander abgestimmt, hieß es.

Neuer Fahrgastrekord

Dass die Misere der S-Bahn auch ihrem großen Zuspruch geschuldet ist, darüber herrscht Einigkeit. „Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs“, sagte Rainer Ganske (CDU). So hat die S-Bahn mit 128 Millionen Fahrgästen einen neuen Rekord eingefahren. Im Vergleich zu 2016 bedeutet das ein Plus von sechs Prozent. An Werktagen sind mittlerweile rund 790 S-Bahnen in der Region unterwegs. Und die Zahl soll weiter steigen. Längst stößt das System an eine Grenzen. Ausfälle und Verspätungen sind programmiert.

Weitere Faktoren, die ihren Teil beitragen: Mehr als die Hälfte ihrer Gleise muss sich die S-Bahn mit anderen Zugarten teilen, etwa 15 Prozent des Netzes sind nur eingleisig befahrbar, und die Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Stuttgart-West stellt ein hochbelastetes Nadelöhr dar. Störungen und Unfälle haben schnell Auswirkungen auf alle Linien.

Faktoren, die sich in naher Zukunft nicht ändern lassen, weshalb derzeit kaum jemand glaubt, dass die Qualität der S-Bahn zügig gesteigert werden kann. „Besser wird's nicht“, fasste Bernhard Maier die allgemeine Stimmung zusammen.

Da scheint es auch nicht zu helfen, dass Rothenstein und sein Team verschiedene Maßnahmen ergriffen haben, um die S-Bahn wieder flott zu machen. Millionen wurden demnach in Instandsetzung und Wartung der Infrastruktur gesteckt, und es soll weiter investiert werden. S-Bahn-Helfer und leuchtende Bahnsteige sollen den Ein- und Ausstieg beschleunigen. Finanziert vom VRS wurden zehn neue Züge eingesetzt, die als Puffer ebenfalls für mehr Pünktlichkeit sorgen sollen. Maßnahmen, die bereits zur Stabilisierung des Systems geführt hätten, wie Rothenstein betonte. Aber eben auch nicht mehr.

Die Regionalräte forderten deshalb von der Bahn, sich finanziell stärker einzubringen. Sei es beim Kapazitätsausbau oder auch, wenn irgendwann das sogenannte European Train Control System (ETCS) eingeführt werden sollte. Das Zugbeeinflussungssystem soll es erlauben, dass auf der Stammstrecke wesentlich mehr Züge fahren können. Bislang ist es für S-Bahn-Systeme jedoch nicht lizenziert. Wenn Rothenstein die S-Bahn nicht nur als „Cashcow“ sehe, sei es unternehmerisch klug, in sie zu investieren, sagte Fritz Kuhn (Grüne). Neben anderen forderte Stuttgarts OB eine Zielvereinbarung, in der dargelegt werde, welche Maßnahmen wann und zu welchem Preis ergriffen werden.

CDU-Rat Ganske sieht neben der Bahn auch die Landkreise der Region in der Pflicht. „Wir haben viel getan und den Negativtrend bei der Pünktlichkeit gestoppt.“ Jetzt müssten auch die anderen Beteiligten Geld in die Hand nehmen, um den 30-Minutentakt bei den Zubringerbussen an den 15-Minutentakt der S-Bahn besonders in den Hauptverkehrszeiten anzupassen, sagte er.

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19.04.2018, 06:00 Uhr
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