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Kommentar

Wir sind schon da

Letzte Woche legten Redakteure einer deutschen Wochenzeitung Flüchtlingen verschiedene Bilder vor mit der Bitte um einen Kommentar. Zu einem Bild, das ein Männer-Liebespaar zeigte, waren drei von sechs Antworten schwulenfeindlich. Zu einem Bild von Adolf Hitler sagten drei von sieben Befragten, dass das ein ziemlich guter Mann war. Zu Hotpants wurde unter anderem geäußert: Das ist nicht unser Stil.

06.10.2015
  • Peter Ertle

Das gibt zu denken: Ist es vielleicht die linke Multikultifraktion, die Brandanschläge gegen Flüchtlingsheime verübt? Ist es der rechtsradikale Mob, der seit Wochen ein Klima der Willkommenskultur erzeugt? Endlich Verstärkung!

Es wäre falsch, Flüchtlinge wegen solcher Äußerungen pauschal in Misskredit zu bringen. Es ist keine homogene Masse, es sind einzelne Menschen, die ein Gesicht und eine Geschichte und unterschiedliche Qualitäten haben. Würden wir sie kennen, wir würden sie mögen. Oder wir könnten sie nicht ausstehen. Oder sie wären uns egal. Wie andere Leute auch. Mal so, mal so.

Und dann vergessen wir mal nicht, dass sich auch unsere Kanzlerin samt CDU nicht für die Homoehe erwärmen kann, von der Kirche ganz zu schweigen. Erinnern wir uns, dass an unseren Schulen jüngst eine Hotpantsdiskussion entbrannte. Und vergessen wir nicht, dass nach dem Krieg zig Millionen Deutsche, unsere Vorfahren, umdenken, hinzulernen mussten, bis aus Nationalsozialisten Demokraten wurden. Da sind ein paar hunderttausend Flüchtlinge, von denen ein paar zigtausend Hitler aufgrund mangelnder Geschichtskenntnisse für einen ganz passablen Mann halten, gar nichts. Wer von uns weiß denn, wer 1933 in Albanien oder im heutigen Syrien regierte und was von ihm zu halten war? Was müssen die dann über Hiller, Hitler oder wie der Kerl hieß, wissen? Verfluchter Eurozentrismus! Hauptsache, er hat die Juden nicht gemocht, denken viele im arabischen Raum.

Aber auch Antisemitismus gibt es in Deutschland möglicherweise nicht seltener als unter Flüchtlingen – nur eben versteckter. Wer weiß das schon genau. Die Mutmaßung lautet: Wir blicken nach außen. Aber wir sind immer schon da.

Ein erfreuliches Phänomen der Flüchtlingskrise ist der durch alle Parteien gehende Konsens, dass es so etwas wie die Akzeptanz eines Grundwertemindestmaßes geben sollte. Dafür reichen die bestehenden Gesetze. Die europäische Politik und Wirtschaft wendet sie nur nicht immer auch auf sich selbst an, das gilt auch für Deutschland, zum Beispiel bei illegalen Waffenexporten. Oder der Einbürgerung. Da müssten sich fairerweise auch Deutsche dem für die Staatsbürgerschaft erforderlichen Test unterziehen. Viele würden ihn nicht bestehen und müssten sofort ausgebürgert werden.

Ein Flüchtling behauptet fälschlicherweise, er sei Syrer, um in Europa bleiben zu können. Das deutsche Unternehmen VW fälscht seine Abgaswerte, um sich auf dem Weltmarkt halten zu können. Für den Flüchtling haben wir etwas mehr Verständnis. Oder?

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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