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„Wir sind die im Hintergrund“
Seit 1991 ist Joachim Knape Rhetorik-Professor an der Universität Tübingen. Foto: PR
Wissenschaft

„Wir sind die im Hintergrund“

Der Tübinger Professor Joachim Knape über die Perspektiven von Rhetorik-Studenten und den überzeugenden Auftritt im Alltag.

14.09.2017
  • MADELEINE WEGNER

Tübingen. Joachim Knape leitet derzeit das Tübinger Seminar für Rhetorik, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Bis heute ist das Institut das einzige dieser Art in ganz Deutschland.

Wie kommt es, dass Tübingen das einzige Institut für Rhetorik hat? Wird der Rhetorik in Deutschland keine so große Bedeutung beigemessen?

Joachim Knape : Noch vor 20 Jahren hatte Tübingen in ganz Europa die Alleinstellung. Langsam ändert sich da etwas, in Skandinavien, England und Spanien entwickeln Universitäten Departments, in Deutschland gibt es zumindest rudimentäre Studiengänge. Als die Bundesländer neu aufgestellt wurden, wollten wir beim Neuaufbau der Universitäten auch unser Fach ins Spiel bringen. Aber wir haben es nicht geschafft. Wir sind gegen die Lobby der Kommunikations- und Medienwissenschaften, die unsere direkten Konkurrenten sind, nicht angekommen. In Tübingen haben wir kein Problem. Die Kooperation mit den Medienwissenschaftlern ist bestens. Ich sehe das bei uns nicht als Konkurrenz, sondern als wunderbare Ergänzung.

Warum gab es an anderen Universitäten damals solche Vorbehalte gegen das Fach?

Es wurde damals gesagt, Rhetorik sei eine veraltete Disziplin, nach dem Motto: Die haben sie in Tübingen aus nostalgischen Gründen noch mal aufgerichtet. Dabei machen wir ganz moderne Forschung auf sehr interessanten Gebieten.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Dietmar Till forscht beispielsweise zum Thema Propaganda. Im Moment erleben wir wieder, dass man genau darüber reden muss: Wo fängt seriöse politische Kommunikation an und wo hört sie auf? Der tiefste gesellschaftliche Sinn der Rhetorik besteht darin, Argumente zu finden, Entscheidungen vorzubereiten und die zu plausibilisieren. Dabei geht es nicht nur um das harte Argument, sondern auch um die Verpackung.

Eine ansprechende Verpackung? Das klingt aber auch ein bisschen nach Schönrederei.

Der Begriff Rhetorik wird gern in eine schummrige Ecke geschoben. Doch wir wollen überzeugen, nicht betrügen. Das wird gern verwechselt. Menschen überzeugen ständig im Alltag. Diese Form des normalen und seriösen Versuchs, unsere Meinung zu bilden und sie zu verbreiten, müssen wir abtrennen von Propaganda-Versuchen, mit denen man Leute über den Tisch ziehen will.

Das heißt, im Alltag braucht jeder rhetorische Fähigkeiten. Sollten diese bereits in der Schule vermittelt werden?

Es ist schon für junge Leute wichtig, Manipulation zu erkennen. Ich plädiere dafür, Rhetorik-Module als feste Bestandteile der Lehrpläne einzuführen. In anderen Bundesländern gibt es da schon Ansätze.

Kann man die Kunst der Rede überhaupt lernen? Gehört da nicht viel Talent dazu?

Reden halten ist ja nicht unser Job. Unsere Absolventen schreiben Reden und beraten beispielsweise Bürgermeister oder Minister in Sachen Kommunikation. Wir bilden im Grunde die Helfer aus. Wir sind die im Hintergrund, diejenigen, die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung für die Kommunikation die Weichen stellen. Unsere Absolventen haben natürlich auch Vorteile dadurch, dass sie so exklusiv mit ihrem Abschluss in Rhetorik dastehen. Das ist bei Bewerbungen immer ein Pluspunkt.

Sind es die guten Berufschancen, die das Fach so beliebt unter Studierenden machen?

Ja, auch. Außerdem ist die Rhetorik ein Faszinationsbegriff und eine echte Orchidee. Die Studierenden wissen, dass sie hier etwas Exklusives machen. Wir haben eine Kohorte pro Jahr von 100 Studierenden. Die Zahl der Studienanfänger ist gedeckelt, weil die Bewerberzahlen teilweise drei Mal so hoch sind. Und die Studierenden kommen aus dem ganzen Bundesgebiet nach Tübingen.

Haben Sie zum Abschluss noch einen Tipp für den überzeugenderen Auftritt im Alltag?

Ich glaube, am besten kommt man durch, wenn man signalisiert: Ich will kooperieren, ich nehme dich ernst. Wenn man zu erkennen gibt, dass das ein authentisches Aufeinanderzugehen ist, wird eine Erwartungshaltung aufgebaut und eine Win-Win-Situation signalisiert: Wenn du kooperierst, dann haben wir beide etwas davon.

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14.09.2017, 06:00 Uhr
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