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Bühne

„Wir sind die Volksoper“

Josef E. Köpplinger ist seit fünf Jahren Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters. Aber erst jetzt hat er ein richtiges Haus – denn fünf Jahre lang wurde es saniert.

12.10.2017
  • DPA

München. Nach der Vorstellung schnell unter die Dusche, Schminke und Schweiß abwaschen – eigentlich kein Luxus. Für Sänger, Musiker und Tänzer am Münchner Gärtnerplatztheater jedoch in den vergangenen Jahren oft eine Herausforderung, wie der Intendant im Interview schildert. Josef E. Köpplinger ist seit 2012 Intendant des Gärtnerplatztheaters in München. Doch wie sich das mehr als 150 Jahre alte Haus so anfühlt, das hat er noch nicht richtig erfahren. Fünf Jahre lang wurde der klassizistische Bau samt Nebengebäuden saniert und zum Teil neu gebaut.

Als Sie 2012 ans Gärtnerplatz-Theater kamen, hatte die Sanierung gerade begonnen. Wie gefällt Ihnen jetzt Ihr neues Haus?

Josef E. Köpplinger: Sehr gut, großartig. Ich habe das Theater vor dem Umbau als Gastregisseur gesehen und bin dann in der Vorbereitungszeit noch ein paar Mal drin gewesen. Da hat man gesehen, dass die Betriebstechnik noch aus den 1950er Jahren war. Wenn da nichts passiert wäre, wäre eines der schönsten Opernhäuser Europas nicht mehr lange bespielbar gewesen.

Gibt es noch Wünsche, die offengeblieben sind?

Bei meinem Antritt habe ich gesagt, dass dem Haus künstlerisch eine Million Euro netto fehlen, um das Niveau zu halten. Das war eine vernünftige Kalkulation. Ich bin nicht der Typ, der immer sagt, ich brauch mehr Geld. Es wurde immer gesagt, das geht schon. Aber jetzt müssen die zuständigen Damen und Herren mal dafür sorgen, dass wir das Geld wirklich haben, sonst muss ich weniger Vorstellungen spielen.

Die Bauarbeiten sind deutlich teurer geworden als geplant.

Das ist nicht unser Ressort. Wir sind die geduldig Wartenden und hatten keinen Einfluss, außer zu sagen, dass sie nicht irgendwelche Dinge wegstreichen können, die schon genehmigt und geplant waren. Man sollte das ganze Berechnungsverfahren überdenken. Die Schweizer streichen das niedrigste und das höchste Angebot. Dadurch entsteht eine realistischere Summe. Wir sind aufgrund des Ausschreibungsverfahrens angehalten, das günstigste zu nehmen. Aber man weiß auch, das funktioniert nicht. Das ist für mich unlogisch.

Wie lief es mit den Ausweichspielstätten?

Schwierig von der Logistik her. Der extremste Ort war die Reithalle. Sänger, Tänzer, der Chor und das Orchester mussten bei Minusgraden aus der Halle und durchs Freie in die Garderoben. Ein paar Heizstrahler hatten mehr einen psychologischen Effekt. Auch wenn man duschen wollte, ging man durchs Freie zur Dusche. Das war eine Kneippkur inklusive.

Wie anstrengend war das für Sie und ihr Ensemble?

Ich persönlich habe gemerkt, wie das an meinen Kräften gezehrt hat. Ich habe mir das nicht eingestehen wollen. Aber ich konnte damit umgehen, die anderen auch. Ich denke, dass es trotzdem befruchtend war. Wir haben ganz neue Publikumsschichten gewonnen. Ich stand da manchmal und habe den Kopf geschüttelt: Es regnet in Strömen, es ist die Uraufführung einer Oper, und die Bude ist voll. So sehe ich meinen Beruf, das mit einer Hingabe zu tun, auch wenn man todmüde ist und manchmal flucht über die Umstände. Aber man tut es, weil man diesen Beruf atmet.

Werden Sie nun konzeptionell etwas im neuen Haus ändern?

Ich glaube nicht. Das Gärtnerplatztheater ist die Volksoper. Es ist eines von wenigen Häusern, die unter einem Dach sämtliche Genres des Musiktheaters vereinen. Tanz, Singspiel, Musical, Operette, Spieloper, große Oper. Genauso wichtig wie die große Oper ist die leichte Muse, die immer noch das Schwierigste am Theater ist. Die erlebt seit fünf, sechs Jahren einen Boom. Die Menschheit hat wieder den Balsam der Poesie nötig.

Was ist Ihr Ziel?

Wir wollen, dass die Leute spontan reingehen, ohne Scheu. Man muss nicht immer im Anzug oder im Smoking ins Theater gehen. Das ist eine Äußerlichkeit. Es kommt darauf an, mit welcher Haltung man reingeht. Ich versuche auch, Berührungsängste zu nehmen. Theater ist etwas für alle. Die Kunst ist jener entscheidende Unterschied, der uns von der Barbarei trennt. dpa

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12.10.2017, 06:00 Uhr
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