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Drastische Kürzungen in der Kultur

Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen!

Drastisch weniger Geld fürs LTT aus Reutlingen? Im Reutlinger Rat wurde das von Mitgliedern der CDU-Fraktion vorgeschlagen. Nun solidarisierten sich die Intendanten aus der Region mit dem LTT.

04.02.2011

Von Peter ertle

Tübingen/Reutlingen. In historisch einmaliger Geschlossenheit ging gestern der sonst intern tagende regionale runde Tisch von Theater- und Orchesterintendanten der Region an die Öffentlichkeit, um in der jüngst von der Reutlinger CDU-Fraktion angestoßenen Kürzungsdebatte Schulterschluss mit dem Landestheater zu demonstrieren. Zur Erinnerung: Der Reutlinger Zuschuss fürs LTT solle um über 80 Prozent von jetzt etwa 150 000 Euro auf 22 000 Euro gesenkt werden- also auf jene Summe, die die Stadt Tübingen zur Finanzierung der Württembergischen Philharmonie beitrage.

Der Vorschlag, so LTT-Intendantin Simone Sterr, sei „nicht nur nicht umsetzbar für das Theater“, er berühre auch historisch gewachsene Strukturen, lange getroffene Verabredungen der Städte zur Schaffung eines attraktiven Kulturprogramms in der Region, sei mithin „ein Angriff auf die gesamte Theaterlandschaft“.

Cornelius Grube von der Württembergischen Philharmonie regte an, die Städte Reutlingen und Tübingen sollten sich endlich zusammensetzen, um über sinnvolle Finanzierung zu reden. „Dass wir von Tübingen 22 000 Euro und das LTT von Reutlingen 150 000 Euro bekommt, ist auf Dauer sicher nicht nachvollziehbar. Mann darf das aber nicht korrigieren, indem man beim LTT Geld küzt.“ Es sei immer falsch, Geld aus dem Kulturbereich abzuziehen „und wir hätten davon auch gar nichts, wir wollen das nicht“.

Simone Sterr warnte in dem Zusammenhang davor, sich auf eine reine Zahlenaufrechnerei zwischen den Summen für LTT und Philharmonie einzulassen. „Man muss auf mehr Details gucken, zum Beispiel: Was gibt Tübingen fürs LTT, was Reutlingen für die Philharmonie?“

Enrico Urbanek von der Reutlinger Tonne skizzierte noch mal kurz das hochgelobte Reutlinger Kulturkonzept als Drei Insel-Modell, bestehend aus Konzertsaal, Soziokulturellem Zentrum und Theaterzentrum – welches letztere dringend benötigt werde und hoffentlich komme.

Die Theaterregion in Reutlingen setze sich aus vielen Theatern zusammen, die dereinst eben dieses Theaterzentrum bespielen sollten, 160 Aufführungen pro Jahr seien heute schon garantiert durch die Profi-Theater der Region, die Schultheater und die freien Theater – eine ganz wesentliche Rolle sei da auch dem LTT zugedacht, ohne die die Konzeption gar nicht denkbar sei.

Im CDU-Antrag stehe zwar: „Die Tonne ist zu einem Stadttheater aufgestiegen“ – das ehre ihn zwar, aber mit 14 Leuten einschließlich Putzfrau sei das doch eher ein Quatsch: „Wir bauen kein Stadttheater, sondern ein Theaterzentrum.“ Bernhard Hurm und Stefan Hallmayer vom Melchinger Lindenhof nannten das LTT das „Flaggschiff der Region“, nicht zuletzt auch bei der Reutlinger Theateroffensive. Christian Schäfer und Axel Krauße vom Zimmertheater warfen keck ein, bei ihren eigenen beträchtlichen Zuschauerzaheln aus Reutlingen müssten sie eigentlich auch anfangen, von der Stadt Reutlingen Zuschüsse zu verlangen. Und sie warnten: Würde Reutlingen die Zuschüsse fürs LTT dermaßen runterfahren, könne das Tübingen allein unmöglich schultern.

Zahlen gab es auch: 13,5 Prozent der Zuschauer aus dem Freiverkauf kämen aus Reutlingen, nähme man den Abo-Bereich und Schulklassen dazu, käme man auf knapp 20 Prozent, so LTT-Verwaltungsdirektor Thomas Heskia. Bei der Württembergischen Philharmonie sind es umgekehrt zehn Prozent Tübinger im Abo-Verkauf, im Freiverkauf knapp 20 Prozent.

Man wolle ja stärker präsent sein in Reutlingen, so Simone Sterr abschließend, nur sei derzeit das eigene Haus für Theateraufführungen das geeignetste. Und wenn in Reutlingen die Listhalle weg und das Theaterzentrum noch nicht da sei – dann gute Nacht. „Deswegen gehört das alles zusammen. Man muss sich klar machen, wie verwoben die Kulturlandschaft in der Region ist.“

Alle auf einen Blick: Von links: LTT-Verwaltungsdirektor Thomas Heskia, Stefan Hallmayer, stellvertretender Intendant des Melchinger Lindenhofs, dahinter Öffentlichkeits-Assistentin der Intendanz Polly Stürmer, Tonne-Intendant Enrico Urbanek, LTT-Intendantin Simone Sterr, Cornelius Grube, Intendant der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, Lindenhof-Intendant Bernhard Hurm und die beiden Zimmertheater-Intendanten Axel Krauße und Christian Schäfer. Bild: Metz

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Erstellt:
4. Februar 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Februar 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Februar 2011, 12:00 Uhr

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