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Veranstaltung

„Wir können die Sicherheit nicht gewährleisten“

Die Stadt Heidelberg verbietet die inoffizielle Walpurgisnachtfeier an der Thingstätte.

12.12.2017

Von WOLFGANG RISCH

Die Heidelberger Thingstätte ist künftig kein Ort mehr für Feiern. Foto: ImageBroker/REX/Shutterstock.com

Heidelberg. Feuerspucker, Tänzer, Trommler: Die Walpurgisnacht an der Heidelberger Thingstätte zieht jährlich tausende Menschen an – dabei ist es ein Event ohne Veranstalter und damit auch ohne Verantwortliche. Soziale Medien haben die keltisch-esoterisch angehauchte Feier bundesweit bekannt gemacht. Diese Bekanntheit ist der Grund, weshalb das Ereignis 2018 in der Nacht zum 1.?Mai nicht stattfinden wird. „Wir können die Gesundheit und die Sicherheit der Menschen nicht gewährleisten“, sagt Bürgermeister Wolfgang Erichson.

Ein vom Rathaus in Auftrag gegebenes Gutachten benennt „unverantwortliche Risiken“, für welche die Stadt letztlich die Verantwortung trägt. Vorfälle gab es schon genug. In diesem Jahr musste die Feuerwehr einen Waldbrand löschen, der 3500 Quadratmeter wertvolles Biotop zerstörte und wohl durch Fackeln oder Leuchtraketen ausgelöst worden war. Erichson: „Zum Glück haben die Besucher davon nichts mitbekommen, eine Massenpanik unter den rund 10?000 Besuchern wie bei der Loveparade in Duisburg wäre wahrscheinlich gewesen.“?

„Wir bedauern außerordentlich, dass wir zu dieser Maßnahme greifen müssen“, sagt der Umweltbürgermeister. Die Zahl der Teilnehmer an der Walpurgisfeier, die es so seit den 1990er Jahren gibt, hat jährlich zugenommen, 2018 wäre mit bis zu 15?000 zu rechnen gewesen. „Es ist neu gegenüber früher, dass die Veranstaltung bundesweit in den sozialen Medien beworben wird“, sagt Erichson. Überlegungen einer städtischer Regie wurden alsbald verworfen. „eine organisierte Veranstaltung wäre nicht mehr die Walpurgisnacht.“ Private Veranstalter haben abgewunken, niemand wollte das Risiko eingehen.

Offene Feuer im Wald, „pyrotechnische Effekte“ und die Absturzgefahr auf bemoosten Waldwegen in der Dunkelheit nennt das Gutachten als unkalkulierbare Risiken, für welche die Stadt als Eigentümerin des Geländes in jedem Fall haften müsste. Die Thingstätte auf dem Heiligenberg wurde als Freilichtbühne von den Nazis in den 30er Jahren erbaut. Auf dem Gelände im Wald gibt es keinen Handy-Empfang, Notrufe können also nicht abgesetzt werden. Deshalb wird vor dem 1. Mai nach einer Absprache zwischen der Stadt, Polizei und Feuerwehr ein Zaun um die Thingstätte gezogen, die Wege auf den Berg werden überwacht. „Wer diesen Zaun übersteigt, begeht keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat“, sagt Erichson.

Dieses Jahr ist ein Besucher angetrunken auf den steilen Wegen abgestürzt und schwer verletzt worden. „Wenn es erst einen Toten gibt“, sagt Erichson, „womit zu rechnen ist, müsste ich am 2.?Mai meinen Rücktritt einreichen.“ Wolfgang Risch

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Erstellt:
12. Dezember 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Dezember 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2017, 06:00 Uhr

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