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Die Beginner veröffentlichen ihr neues Album „Advanced Chemistry“

„Wir fühlen, was wir sagen“

Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad sind die Beginner und haben in 25 Jahren nur drei HipHop-Alben veröffentlicht. Jetzt kommt „Advanced Chemistry“ heraus.

29.08.2016
  • UDO EBERL

Ulm. Vor dem neuen Album der Beginner hat es bereits Jahre zuvor das Comeback auf der Bühne gegeben. Wie wichtig war dieser Live-Funke?

DJ MAD: Die Liveshows waren schon immer ein großer Spaß. Mittlerweile gehören wir ja zu den wenigen, die noch auf die klassische HipHop-Kunst Wert legen und mit Plattenspielern, zwei Rappern und einer Background-Sängerin auf der Bühne stehen. Das hat bei Run DMC auch gereicht, und es war das Krasseste.

Irgendwie war Eizi Eiz, allgemeinbesser als Jan Delay bekannt, ja so etwas wie der Bremser für die Beginner, weil sein Terminkalender zu voll war.

EIZI EIZ: Ja klar, aber ich wollte nach „Mercedes Dance“ unbedingt noch einmal eine Platte machen, die so klingt, wie ich mir das mit einer Band vorstelle. Nachdem „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ fertig war, habe ich mich darauf gefreut, nach dem ganzen Affenzirkus mit zwölf Musikern wieder Rap zu machen. Hinter jedem einzelnen Instrument steckt immer auch ein Ego. Das ist beim Rap das Schöne: Da gibt's nicht erst ein Demo, das dann später noch perfekt aufgenommen wird. Du hast einen Beat, deine Raps, gehst auf die Bühne und hast einen derben DJ im Rücken. Danach habe ich mich gesehnt.

Und schon ging sie los, die große Fahrt?

EIZI EIZ: Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir noch nicht an dem Punkt waren, an dem wir uns selbst gesehen haben. DENYO: Wir haben mittlerweile einen gewissen Anspruch ans Sounddesign. Beats baut man heute ganz anders als vor 15 Jahren, auch wenn sie vielleicht noch genauso klingen. Deshalb haben wir unser Team erweitert und zwei Jahre lang an dem Album gearbeitet. Wir mussten vorher auch üben, üben, üben. Dann kam aber erst Jans Rock-Platte, dann meine Singer-Songwriter-Scheibe. Im Sommer 2015 waren wir endlich an dem Punkt, dass wir wussten, eine neue Beginner-Platte ist nicht nur eine romantische Vorstellung, sondern auch wirklich machbar. DJ MAD: Die technischen Errungenschaften der vergangenen Jahre bieten zudem soundtechnisch neue Möglichkeiten, mit denen man herrlich kreativ spielen kann. Da kommt in mir das kleine Spielkind hoch. Es gibt nichts Schöneres, als sich etwas auszudenken, das dann live funktioniert. Deshalb freue ich mich wie ein Schnitzel darauf, das neue Album live zu spielen.

Der Einstieg ins Album ist mit „Es war einmal“ eine klassische Beginner-Reprise, aber auf „Advanced Chemistry“ arbeitet Ihr auch sehr innovativ mit Samples und Effekten.

DENYO: Da waren drei Beginner und zwei Produzenten am Start, die genau wissen, was sie tun und wie sie ihre gut gefüllten Sample-Archive einsetzen müssen. Wir haben an einem Strang gezogen, um zeitlose und gleichzeitig zeitgemäße Musik zu machen. Wir haben Bläser eben nicht aufgenommen, sondern Bläsersamples bearbeitet. Und unten herum dürfen die Bässe mächtig wummsen. DJ MAD: Der Sport ist immer, unseren HipHop der früheren Jahre auf ein neues Level zu heben. Es soll sich am Ende ja fresh anhören und nicht wie schon mal gehört. Und doch soll man sich zu Hause fühlen. Da muss dieses warme und individuelle Gefühl sein, das man da spüren kann.

Die 1991 in Hamburg-Eimsbüttel gegründeten Beginner sind nach all den Jahren mit erfolgreichen Solo-Projekten hörbar die Summe der einzelnen Teile – auch mit Soul- und Funk-Elementen. Gab es deshalb so eine Art HipHop-Aufpasser, der dafür sorgte, dass jetzt nicht zu viel Popmasse ins neue Album reinrutscht?

EIZI EIZ: Bei uns zählt der Schwarm-Geschmack. Alleingänge gibt es nicht. Wenn wir alle es geil finden, können wir mit stolz geschwellter Brust rausgehen und uns sicher sein, dass das auch noch zwei oder drei andere Leute gut finden. DENYO: So entsteht die musikalische und textliche Form, die uns als Band auszeichnet.

Ging es auch um eine bewusste Abgrenzung von den Solo-Exkursen?

EIZI EIZ: Das ist viel zu kompliziert gedacht. Das ist alles immer noch genauso wie 1991 oder 1995. Das ist Rap. Wir wollen geile Styles kicken. DJ MAD: Wir haben das immer vorgehabt. Jetzt war die Zeit reif. DENYO: Aber wir mussten uns die Naivität der ersten Alben auch wieder erkämpfen. Davon lebt HipHop ja auch. Wir mussten schon ziemlich aufpassen, dass wir nicht zu kopflastig unterwegs waren und alles zerredet haben.

Als die Beginner begannen, war Rap gerade fünf Jahre alt und steckte noch in den Kinderschuhen. Inzwischen ist auch deutscher HipHop Mainstream. Geht man da mit einer Platz-da-Ansage in die nächste Runde?

DENYO: Ich meine, dass es diese Platte so gar nicht geben würde, wenn inzwischen andere Artists nicht so tolle Scheiben oder auch ganz schreckliche Sachen gemacht hätten. Zwischen 2004 und 2010 war es bisweilen ganz schön trist, was so abgeliefert wurde. Inzwischen gibt es wieder sehr viel Inspiration, und man kann aus dem Vollen schöpfen. Ohne all das wären wir vielleicht in der HipHop-Depression gelandet. DJ MAD: HipHop wird ja turnusmäßig alle fünf Jahre totgesagt. Deshalb ist es schon toll, wenn Neue nachkommen. Konstruktive Konkurrenz war und ist eine gute Sache. Wir wollen besser sein, aber mit unserer Sache. Und wenn da ein Marteria auftaucht, die Orsons oder Megaloh, dann siehst du, dass die einen ordentlichen Satz von unserem Regelwerk im Kopf haben. Das freut uns dann, denn die beweisen uns auch, wie es jetzt klingen und weitergehen kann. Und im Studio und live müssen wir uns schon ganz schön strecken, um mithalten zu können. Das ist unsere Motivation.

Mit der ersten Single „Ahnma“ stellten Sie Hamburg wieder in den HipHop-Fokus. Fühlen Sie sich als hanseatische Rapper?

EIZI EIZ: Wir fühlen alles, was wir sagen, sonst würden wir es nicht sagen. DENYO: Es ist ein geiles Gefühl, Hamburg wieder auf die Karte zu packen.

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29.08.2016, 06:00 Uhr
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