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Festtage

Wir erfinden eine Oper

Daniel Barenboim dirigiert in Berlin Sergej Prokofjews entdeckenswerte „Verlobung im Kloster“.

17.04.2019

Von CHRISTOPH MÜLLER

Daniel Barenboim dirigiert die Staatskapelle. Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin. Auch Daniel Barenboim zelebriert luxuriöse Opern-Festtage. Der 76-Jährige dirigiert im Alleingang hintereinanderweg das gesamte österliche Programm an der Berliner Staatsoper. Mit Sergej Prokofjews Spätwerk „Die Verlobung im Kloster“ galt die Festtagspremiere einer in jeder Beziehung ergiebigen Rarität.

Russische Musik des 20. Jahrhunderts fällt hierzulande ja normalerweise fast ganz an Schostakowitsch. Doch von Prokofjews sieben Opern sind immerhin drei in Berlin herausgekommen, zwei davon vom gleichen Regisseur und – natürlich – auch vom gleichen Dirigenten, Nach dem Dostojewski- „Spieler“ vor vier Jahren nun also in der Art des „Barbiers von Sevilla“ die lyrische Komödie: eine turbulent zu drei verwickelten Heiratspaarungen führende „Verlobung im Kloster“ aus dem Jahre 1940. Das Libretto hat sich der Komponist nach einem verspielt rokoko-verschnörkelten Commedia-dell‘arte-Scharmützel des Iren R.B.Sheridan mithilfe seiner späteren Gattin Mira Mendelson selber geschrieben. Larifari, absichtlich.

Doch der stets für eine Überraschung gute russische Erfolgsregisseur Dmitri Tcherniakow erzählt zwar im Wortsinne die alberne Handlung korrekt nach, stellt dabei aber das Ganze höchst originell und durchgängig witzig vom Kopf auf die Füße: „Wir erfinden eine Oper“, steht mit Kreide auf einer Schultafel und lässt „anonyme Opernliebhaber“ wie im Labor ein Stück (aus)probieren, indem sie alle sich selbst spielen – acht Personen suchen einen Autor.

Und das machen die acht meist eifersüchtig sich Belauernden großartig. Glänzende Opernsänger, die auf ihren Regisseur wartende Opernsänger spielen. Solo, im Duett oder Terzett oder Quartett, am krönenden Schluss praktisch in die Enge getrieben von einem riesigen Chor im knallbunten Kostüm lauter bekannter Opernrollen. Ein überrumpelndes Rausschmeiß-Finale mit irre glitzernden Show-Werten!

Alles von einer Takt für Takt genau kalkuliert ausbalancierten Musik grundiert, die übergangslos das Lyrische wie das Groteske, das melodisch Schmelzende wie das aggressiv Klassik-Zerhämmernde in allen Orchesterfarben zum betörenden Ereignis werden läßt. Barenboim macht das mit der Staatskapelle Berlin fantastisch. Die dreieinhalb Stunden vergehen wie im Flug.

Christoph Müller

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Erstellt:
17. April 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. April 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 06:00 Uhr

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