Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
"Wir brauchen Integration"
Porsche bietet 15 Flüchtlingen ein so genanntes Integrationsjahr. Neben praktischen Kenntnissen werden dabei auch kulturelle Werte vermittelt. Foto: Porsche
Porsche bereitet junge Flüchtlinge auf eine Ausbildung vor

"Wir brauchen Integration"

Sie kommen aus Syrien, Eritrea und Pakistan - und lernen bei Porsche die deutsche Kultur und Bürokratie kennen. Der Autobauer hat ein Programm entwickelt, das Flüchtlinge möglichst praktisch integrieren soll.

17.03.2016
  • BIANCA FRIESS

Stuttgart. Zaryab Imran liebt es, zu nähen. Sie mag auch Mathe, kochen kann sie dagegen gar nicht, hat sie in bunten Buchstaben auf ein großes Blatt Papier geschrieben. Anfang vergangener Woche hat das 17-jährige Mädchen aus Pakistan eine Collage über sich selbst gestaltet. Damit begann für sie und 14 weitere Flüchtlinge ein halbjähriges Integrationsprogramm bei der Porsche AG in Stuttgart.

Das Ziel ist es, dass die jungen Männer und Frauen sich für eine Ausbildung oder sogar einen direkten Berufseinstieg qualifizieren - möglicherweise bei Porsche selbst, vielleicht auch bei einem anderen Unternehmen, berichtet Andreas Haffner, Vorstand für Personal- und Sozialwesen bei Porsche.

Der Schwerpunkt liegt deshalb neben handwerklichen Fertigkeiten und Deutsch-Unterricht auf praktischer Integration. Auf dem Lehrplan stehen also deutsche Feiertage und Kultur, Politik und Bürokratie. Dazu kommt soziale Kompetenzen, zum Beispiel Teamarbeit und Konfliktverhalten. Wichtig ist auch, die Gleichstellung in unserer Gesellschaft zu vermitteln, sagt Haffner.

"Es war unser Anspruch, ein umfassendes Programm zu entwickeln, dass Flüchtlingen möglichst reelle und nachhaltige Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt bietet", berichtet der Personalvorstand. Dafür nahm sich das Unternehmen fast ein halbes Jahr Zeit: Schon im September letzten Jahres einigte der Vostand sich auf ein Integrationsprogramm für Flüchtlinge, am ersten März startete die Initiative.

Teilnehmerin Imran ist froh über die Perspektive, die Porsche ihr bietet. Sie möchte unbedingt in Deutschland bleiben. Am liebsten würde sie eine Ausbildung zur Fahrzeuginnenausstatterin machen- "dabei kann ich Sitze nähen", erzählt das Mädchen in recht flüssigem Deutsch.

Wenigstens Grundkenntnisse der Sprache waren auch Voraussetzung, um es in das Programm zu schaffen. Ausgewählt wurden die Teilnehmer vor allem in enger Zusammenarbeit mit Schulen in Stuttgart, aber auch die Bundesagentur für Arbeit und das Kultusministerium sprachen Empfehlungen aus. Dabei ist die Vorbildung ganz unterschiedlich: Einige der Flüchtlinge haben in ihren Heimatländern schon studiert oder gearbeitet, andere gingen noch zur Schule.

Nicht jeder Teilnehmer kann danach eine Ausbildung bei Porsche machen. Wichtig sei es zuerst, Basiskompetenzen aufzubauen, sagt Haffner: "Dann werden wir sehen, ob der Wille zur Berufsausbildung vorhanden ist." Man müsse die Jugendlichen auf den Boden zurückholen, sagt Uwe Hück, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates: "Man wird das, was man kann - und nicht jeder kann Ingenieur werden."

Das will Teilnehmer Shwan Ramo auch gar nicht werden. Der 18-jährige Syrer kam vor anderthalb Jahren nach Deutschland. Er möchte am liebsten eine Ausbildung zum Elektroniker machen. Bevor er sich endgültig entscheidet, will er aber auch andere Berufe bei Porsche kennenlernen - das ist über Hospitationen im Rahmen des Integrationsprogrammes möglich.

Jungen Flüchtlingen so eine Perspektive zu geben, sieht Hück als einzig richtige Möglichkeit, mit der Situation umzugehen. "Um Sicherheit und Wohlstand zu sichern, brauchen wir Integration, da Integration Stabilität bedeutet", sagt er.

Hück erzählt, dass er immer wieder Drohbriefe bekommt, weil er sich für Flüchtlinge einsetzt. "Davor darf man keine Angst haben, wir lassen uns nicht unterkriegen", sagt er. Schließlich läge es vor allem auch im Interesse der Wirtschaft, das Potential der Flüchtlinge zu nutzen: "Wir brauchen dringend Fachkräfte".

Der Betriebsratsvorsitzende wäre auch zu einer Vereinbarung mit Handwerkern bereit. Kleinere Betriebe hätten nicht die Möglichkeiten, ein solches Ausbildungsjahr zu finanzieren - das sei die Aufgabe von großen Unternehmen. Ein Flüchtling könnte bei Porsche also das Programm durchlaufen und dann etwa eine Ausbildung bei einem Maler-Betrieb anschließen.

Auch dafür werden bei Porsche wichtige Kenntnisse vermittelt: Momentan läuft im Ausbildungszentrum ein Kurs über Arbeitssicherheit. Die Teilnehmer sind interessiert bei der Sache, immer wieder stellt jemand eine Frage. Hier ist der Wille zum Lernen und Arbeiten da, sagt Hück. "Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", ruft ein junger Mann aus der Gruppe.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.03.2016, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular