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Wind River

Wind River

Durch eine Leiche in einem Indianerreservat im verschneiten Wyoming stößt eine junge FBI-Agentin auf einen gefährlichen Gegenspieler.

Wind River
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USA 2017

Regie: Taylor Sheridan
Mit: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Kelsey Asbille

107 Min. - ab 16 Jahren

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05.02.2018

Von Madeleine Wegner

Barfuß und wie ein gejagtes Tier läuft die junge Frau im fahlen Mondlicht durch die schneebedeckte Landschaft. Sie stürzt. Sie stirbt, ertrunken an ihrem eigenen Blut, weil die eisige Luft ihre Lungenbläschen hat platzen lassen. Der Jäger und Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) kann dies an den Spuren im Schnee ablesen.

Um den Fall aufzuklären, wird die junge und unerfahrene FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) rangeordert. Sie schneit unvorbereitet aus dem sonnigen Los Angeles in das Reservat – und ist froh, in Cory kompetente Unterstützung zu finden. Er wiederum hilft ihr nicht nur, weil er eben ein feiner Kerl ist: Vor drei Jahren hat er selbst seine Tochter auf ganz ähnliche Weise verloren.

Der Schauspieler Taylor Sheridan schrieb bereits die Drehbücher zu den Thrillern „Sicario“ und „Hell or High Water“. Nun hat er auch die Regie übernommen. Die Geschichte soll durch wahre Begebenheiten inspiriert sein. Der Abspann des Films informiert schließlich: Für die Minderheiten in den USA gibt es eine Vermisstendatei, nicht jedoch für amerikanische Ureinwohner.

Das tote Mädchen in „Wind River“ gehörte dem Stamm der Arapaho an. Auch Corys Ex-Frau ist Ureinwohnerin. Der Fährtenleser wird damit zu einer Art weißer Mittelsmann. Das mag dramaturgisch fraglich sein, doch Jeremy Renner überzeugt mit seinem Spiel auf ganzer Linie. Auch die Kamera verfolgt gelungen die verschiedenen Perspektiven: Zunächst scheint da ein unsichtbarer Beobachter zu sein, der wie ein Schatten im Gebüsch lauert. Später, wenn Cory seine Fassung verliert, folgt die Kamera mit zittriger Hand seinem Blick. Der hervorragende Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis tut sein übriges und changiert zwischen fiebrigen, kristallinen und warmen Tönen.

In einer raffinierten Rückblende wird deutlich, warum es auch um die Mädchen – als die eigentlich Gejagten – geht. Die Täter haben ihre eigene dürftige Erklärung: Das mache die Leere dieser Landschaft. Der Schnee und die Stille – wer sollte da nicht irre werden und auf schlechte Ideen kommen.

Hypnotisierende Landschaft, hervorragender Soundtrack und eine Geschichte,die spannend bleibt bis zum Schluss.

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Erstellt:
5. Februar 2018, 19:46 Uhr
Aktualisiert:
5. Februar 2018, 19:46 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Februar 2018, 19:46 Uhr

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Peter Dorn 19.03.201818:07 Uhr

Alles beginnt mit einer Frau, die in einer blauen Vollmondnacht durch eine öde Frostlandschaft rennt und schreit und stürzt. Dann Tageslicht und eine unruhige Schafsherde, die auf drei Wölfe starrt, Schneewölfe. Ein Schuss. Der erste Wolf platzt auf und stürzt. Der Prolog ist bereits die Quintessenz.
WIND RIVER ist ein moderner Western. Genauer gesagt ein Schnee-Western. Schon das allein macht den Film besonders, denn Schnee-Western sind selten.
WIND RIVER ist Indianerland. Irgendwo in Wyoming, wo die Winter so hart sind, dass Lungen vereisen und tote Körper am Boden festfrieren.
Es geht um Wölfe. Wölfe, die Schafe reißen. Um Männer in Rudeln, Männer-Wölfe, die junge Frauen vergewaltigen und töten. Cory Lambert ist der Jäger. Jeremy Renner als Lambert war nie besser. Er spielt nicht nur, er ist der lakonische Jäger, der Spezialist, der die Zeichen lesen kann und handelt.
“I get so mad I wanna fight the whole world. You got any idea what that feels like?”
“I do. But I decided to fight the feeling instead. 'Cause I figured the world would win.”
Und es geht um den Verlust eines geliebten Menschen. Den Schmerz. Die Qual, die sich auf immer in die Hinterbliebenen einnistet. Wenn FBI Agent Banner (die großartige Elizabeth Olsen) zu der Mutter des toten Mädchens will, dann hindert man sie nicht; aber den Anblick der verzweifelten Frau, die sich im Schlafzimmer tief in Unterarm und Hand schneidet, wird sie nie mehr loswerden.
“I'd like to tell you it gets easier. It doesn't. If there's any comfort, it's getting used to the pain, I suppose.”

Es geht letztlich um das große, mythische Thema des Westerns: Sühne und Erlösung. Das Böse wird gejagt, aber nicht geschont werden.
WIND RIVER wird untermalt von den elegischen Klängen von Nick Cave und Warren Ellis. Das fühlt sich an, als sei man tief in Cormac McCarthy Land.
WIND RIVER ist wunderbar langsam und leise inszeniert. Ein Film der Landschaften von Wäldern und Gesichtern. Würde besteht manchmal nur darin, still nebeneinander zu sitzen und in die Bäume zu schauen.
“Luck don’t live out here. Luck lives in the city.”
Am Ende fallen wieder Schüsse. Es ist das brutale Echo der Schüsse vom Anfang. „Just the snow. And the silence. That’s all.“ Taylor Sheridan, der schon den meisterlichen HELL OR HIGH WATER geschrieben hat, hat hier einen der vorläufig schönsten Filme des Jahres abgeliefert.

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