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Zoo-Großprojekt

Die Stuttgarter Wilhelma richtet sich neu aus

Im oberen Bereich des Zoos wird gebaut. Dort entstehen eine Elefantenwelt, Gehege für Huftiere und Tiger und ein asiatisches Dorf. Der Schaubauernhof in seiner heutigen Form muss weichen.

09.06.2019

Von Tilman Baur

Die Elefanten bekommen ein 1,5 Hektar großes Gehege, an der Stelle, wo sich derzeit der Schaubauernhof befindet. Foto: Harald Knitter

Für die Besucher ist es bislang kaum sichtbar, doch in der Wilhelma ist ein Großprojekt im Gange: der Bau der Asienanlage. Ganze zehn Prozent des 30 Hektar großen Geländes wollen die Verantwortlichen des landeseigenen Zoos in den kommenden Jahren neu gestalten. Allein 1,5 Hektar sind für die sogenannte Elefantenwelt vorgesehen. Dazu kommen zwei Gehege für asiatische Huftiere – Mesopotamische Damhirsche, Trampeltiere, und Yaks – sowie ein asiatisches Dorf, in dem ein Bauernhof und ein Streichelzoo untergebracht sind, und ein Tigergehege.

Wilhelma-Nostalgiker müssen aber auch einen Verlust verkraften, denn den Schaubauernhof in seiner heutigen Form wird es bald nicht mehr geben. „Am jetzigen Platz des Schaubauernhofs entsteht künftig die neue Elefantenwelt. Dies ist der einzige Ort in der Wilhelma, an dem eine Anlage in der erforderlichen Größe von 1,5 Hektar umsetzbar ist“, sagt Harald Knitter. Doch es gibt Entwarnung: Das Konzept des Bauernhofs mit Streichelzoo bleibe in der Form des asiatischen Dorfs erhalten.

Artensterben schreitet voran

Mit der Anlage will die Wilhelma aber keine kulturelle Folklore betreiben, sondern Zoobesucher zum Nachdenken über ein ernstes Thema anregen. Denn das Artensterben schreitet weltweit voran. Nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und des damit einhergehenden Bedarfs an Ressourcen. So geht aus dem im Mai veröffentlichten UN-Weltbericht zum Artensterben hervor, dass bis zu einer Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Mehr als 500.000 Landtiere – etwa neun Prozent – haben außerdem nicht genügend Lebensraum zur Verfügung, wenn dieser künftig nicht wiederhergestellt wird.

Grafik: SWP

„Immer mehr Menschen konkurrieren mit den Wildtieren um Lebensraum und Nahrungsangebot. Dieser zunehmende Konflikt soll für die Besucher der Wilhelma erlebbar und begreifbar werden. Die Asienanlagen bieten dafür markante Beispiele“, erklärt Harald Knitter. So entstehe zwischen der Elefantenwelt und dem asiatischen Dorf ein Reisfeld als ein exemplarischer Austragungsort des Konflikts. „Es zeigt, dass Elefanten und Menschen um Nahrung konkurrieren und sich gegenseitig die Ernährungsgrundlage streitig machen oder sogar zerstören“, sagt Knitter.

Konflikt erlebbar machen

Im asiatischen Dorf werden Haustiere wie Ziegen, Schafe und Schweine gehalten. Direkt nebenan leben künftig Tiger, die sich in ihrer Heimatregion auch Haustiere als Nahrung holen. „In der Wilhelma ist der dargestellte Konflikt natürlich kein Kampf auf Leben und Tod. Die Zoopädagoginnen bereiten das Thema verständlich auf, damit die Zusammenhänge mit Augen, Ohren und Nase erlebbar und begreifbar werden“, so der Sprecher.

Auch der Förderverein begrüßt diese Idee. „Ein Zoo ist letztlich Ausdruck der Tatsache, dass Tiere in der Natur gefährdet sind. Konzepte dieser Art befürworten wir also grundsätzlich – wobei man auch aufpassen muss, was ein Zoo leisten kann“, sagt deren Vorsitzender Georg Fundel. Vor allem aber sei die Modernisierung des Stuttgarter Zoos grundsätzlich geboten. „Viele Bauten sind in die Jahre gekommen, teilweise sind sie 30, 40 oder gar 50 Jahre alt.“ Das werde vor allem durch den Kontrast mit Neubauten deutlich wie dem Affenhaus, das vor sechs Jahren fertiggestellt wurde. „Heute präsentiert man Tiere anders als damals. Auch vom neuen Streichelzoo erhoffen wir uns eine modernere Präsentation – und das hat uns die Wilhelma auch zugesagt“, so Fundel.

Große Vorfreude und große Erwartungen auf die Elefantenwelt verbinden die Mitglieder. Aus Sicht des Fördervereins ist es das wichtigste Wilhelma-Projekt überhaupt. Nicht zuletzt, weil der Elefant das Wappentier von Wilhelma und Förderverein ist. „Wir hoffen deshalb, dass die Anlage jetzt vorankommt. Bislang läuft es ja schleppend, eigentlich könnte sie längst fertig sein“, so Fundel.

Manche Mitglieder seien zwar traurig, dass der Schaubauernhof weichen müsse, doch viele begrüßten die Veränderung. „Das ist auch meine Meinung: Der Schaubauernhof ist in die Jahre gekommen“, sagt Georg Fundel.

Arbeiten laufen ohne Verzögerung

Für die Realisierung der Asiatischen Huftier-Anlagen und das asiatische Dorf sind jeweils 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Für das Landschaftsgehege der Tiger und die Elefantenwelt sind die Kosten bislang nicht zu beziffern, weil die Bauplanung noch nicht abgeschlossen ist.

2020 sollen die Huftiere auf ihr neues Gelände können, der neue Bauernhof im Asiatischen Dorf soll 2021 fertig sein. Für die Fertigstellung der Elefantenwelt gibt es noch kein festes Datum.

Laut Harald Knitter, Wilhelma-Sprecher, sind die Arbeiten für die beiden neuen Gehege für asiatische Huftiere planmäßig gestartet und laufen ohne Verzögerungen. Aktuell lege man die Fundamente für die Ställe, bereite die Wegeführung und die Abgrenzungen der beiden Anlagen vor. Die Besucherwege sind von den Baustellen aber nicht betroffen. Fahrten der Baufahrzeuge werden außerhalb der Hauptbesuchszeiten vorgenommen.⇥tb

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Erstellt:
9. Juni 2019, 05:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Juni 2019, 05:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Juni 2019, 05:00 Uhr

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