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Kommunen überprüfen Vorschriften - In deutschen Zirkussen leben noch 40 Elefanten, zwei Giraffen, zwei Nashörner und zwei Nilpferde

Wildtier-Verbot in der Manege nicht in Sicht

Elefanten und Tiger in der Manege? Überall hängen gerade Weihnachtszirkus-Plakate. Und überall wird wieder über Wildtiere im Zirkus diskutiert.

07.12.2015

Von DPA

Neue Heimat nach dem Zirkus: Elefantenkuh "Benji", die im Sommer einen Spaziergänger getötet hat, lebt inzwischen im Safaripark Holte-Stukenbrock. Foto: dpa

Stuttgart. Heilbronn erlaubt keine Zirkusauftritte mehr mit Wildtieren. Tiger und Elefanten hätten im Zirkus nichts zu suchen, der Gemeinderat reagierte mit seinem Beschluss auf einen Wertewandel der Gesellschaft. Zwei Drittel der Deutschen finden es laut Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF nicht gut, wenn Elefanten, Giraffen und Tiger im Zirkus gehalten werden. Verbote wie in Heilbronn wurden andernorts aber auch schon von Gerichten gekippt - mit Verweis auf die Berufsfreiheit.

Beim Weihnachtszirkus in Stuttgart treten Elefanten auf, für einen Zirkus in Waiblingen wird mit Löwen geworben. Und auch der Heilbronner Weihnachtszirkus hat noch bis 2019 Raubtiernummern, aber nur, weil die Verträge schon gemacht sind. Auch Tiere im Altbestand von Zirkussen sind von dem Verbot dort ausgenommen. Es sei ein Kompromiss, sagt Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD).

Tierschützer und Zirkusse streiten schon lange darum, ob Wildtiere aus den reisenden Unternehmen verbannt werden müssen.

Im Sommer gab es in Buchen im Odenwald einen schlimmen Vorfall: Ein Zirkuselefant war ausgerissen und hatte einen Spaziergänger getötet. Wie die Bundestierärztekammer forderte auch der Bundesrat zuletzt 2011 ein Verbot von Großaffen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden in der Manege. Passiert ist seither nichts.

"Es ist nicht notwendig, alles zu verbieten", sagt Tierschutzbeauftragte Cornelie Jäger in Stuttgart. Heißt: Pferde ließen sich vernünftig halten, Giraffen aber nicht. "Das kann nicht gehen." Genauso unrealistisch sei es, zu behaupten, man könne als Zirkus Flusspferde angemessen halten. Den Zuschauern gefalle das auch nicht mehr. Viele seien "regelrecht beschämt", so Jäger. Zirkusse mit Wildtieren seien ein "überholtes Zeitphänomen".

Gegen Tipps, die Jäger den Kommunen gegen Zirkusse mit Wildtieren an die Hand gab, hatte es 2013 Proteste der Zirkusbetreiber gegeben. Einen regelrechten "Boykott-Aufruf" an die Kommunen sieht etwa der Berufsverband der Tierlehrer hinter dem Jäger-Papier. Nur wenige Branchen würden so streng kontrolliert, behauptet Frank Keller vom Zirkus Krone. "Wir haben auch schwarze Schafe, aber dafür muss man die guten nicht bestrafen." Nach Verbandsangaben gibt es in deutschen Zirkussen noch zwei Giraffen, zwei Nashörner, zwei Nilpferde und rund 40 Elefanten.

Das Wildtierverbot für Zirkusse in Heilbronn sei "wissenschaftlich nicht begründbar", heißt es beim Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Circus". Wissenschaftler hielten eine tiergerechte Haltung im Zirkus für möglich. Tierschützer widersprechen und kritisieren die mangelnde Bewegungsfreiheit der Tiere.

Städte- und Gemeindetag wollen im Frühjahr entscheiden, ob sie sich den Jäger-Tipps anschließen. "Die Tendenz geht dahin", sagt Gerhard Mauch vom Städtetag. Geklärt werden müssten jedoch Fragen wie etwa zum Kontrollaufwand. Eine nicht verbindliche Empfehlung sei das Wahrscheinlichste.

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Erstellt:
7. Dezember 2015, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
7. Dezember 2015, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Dezember 2015, 08:30 Uhr

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