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Wilde Gäste in der Wilhelma
Die Fischreiher am Teich vor der Krokodilhalle gehören zu den Zaungästen der Wilhelma. Foto: Ferdinando Iannone
Zoo

Wilde Gäste in der Wilhelma

Im Park leben auch einheimische Tiere, die von außen zugezogen sind. Weil sie sich in ihrem innerstädtischen Ersatzquartier so wohl fühlen, wurden bereits die Futtermengen erhöht.

13.03.2017
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. Natürlich kommen die Besucher wegen der Krokodile, Pinguine, Affen und Giraffen. Wenn sich aber unter lautem Gezeter die großen Fischreiher mit einer Flügelspannweite von über anderthalb Metern in der Lindenallee um ihre Riesennester streiten oder das Storchenpaar auf dem Turm der historischen Damaszenerhalle weithin sichtbar Liebe macht, stehen die Zootiere plötzlich nicht mehr im Mittelpunkt des Zuschauerinteresses.

11 000 Zootiere beherbergt die Wilhelma, zusätzlich einige hundert mehr haben sich inoffiziell eingemietet. Vor allem am Abend wird es außerhalb der Ställe und Gehege lebendig. „Viele unserer tierischen Mitbewohner sind nachtaktiv“, sagt Zooinspektor Thomas Seitz, der als studierter Forstwirt ein Experte für die heimische Tierwelt ist. Verschiedene Arten von Fledermäusen, Eulen und Käuzen durchfliegen das Gelände, aber auch Fuchs und Hase könnten sich im Zoo begegnen. Am Boden huschen Mäuse, Marder, Siebenschläfer, Igel und Iltisse auf Nahrungssuche vorbei, während sich die Weißstörche und Fischreiher langsam in ihren großen Horsten zur Ruhe begeben.

Baden im Mineralwasser

Viele Zoos haben wilde Mitbewohner. In Stuttgart ist diese Situation besonders ausgeprägt. Wegen der großen benachbarten Grünflächen von Rosensteinpark und Schlossgarten ist die Wilhelma ein Biotop, das sichere und bessere Lebensbedingungen bietet als die freie Natur. Wenn draußen Seen und Flüsse vereisen, füllt die eigene Quelle aus dem Maurischen Garten mit 17 Grad warmem Mineralwasser Wasserbecken und Teiche – was auch die wilden Co-Bewohner zu schätzen wissen. Hinzu kommen die extensiv bewirtschafteten großen Schmetterlingswiesen, die Randstreifen und der Jahrhunderte alte Baumbestand aus Königszeiten mit dichten Verzweigungen und Höhlen. Sie bieten ideale Lebensräume für viele Tierarten, die in landwirtschaftlich optimierten Feld-, Wald- und Wiesenflächen keine Heimat mehr finden.

Dies gilt auch für Hasen, die besonders gerne durch den Laubfuttergarten der Wilhelma hoppeln. Dort wachsen die Sträucher und Bäume, mit deren Zweigen im Sommer die Affen und Giraffen gefüttert werden. Die Anzahl der Langohren ist durch eine Viruserkrankung im letzten Jahr zwar zurückgegangen. Mit aktuell 70 gezählten Wildhasen pro 100 Hektar weisen die Stuttgarter innerstädtischen Grünflächen aber immer noch bundesweit eine der höchsten Dichten der selten gewordenen Feldtiere auf. Weniger beliebt sind die vielen Füchse. Rund 5000 – so wird geschätzt – leben im Stuttgarter Stadtgebiet. Ihre Spuren sind auch im Zoo fast täglich im Sand oder Schnee zu sehen. Schon die bloße Anwesenheit dieser Jäger kann die Zootiere in Panik versetzen. Sie werden deshalb bejagt. In diesem Jahr wurde bereits ein Fuchs erlegt. Selbst große Stelzvögel wie die rosafarbenen friedliebenden Flamingos können auf dem Speiseplan des Raubtiers stehen. Deshalb sichert die Wilhelma die große Flamingo-Wiese mit einem nachts eingeschalteten Elektrozaun.

Stallpflicht gilt auch im Zoo

Wegen der Vogelgrippe dürfen die Flamingos ihren Stall seit Wochen nicht mehr verlassen. Ihre Wiese ist trotzdem dicht bevölkert: Der in den 1970er-Jahren fast ausgestorbene Fischreiher stakt im Sand herum, nicht weit entfernt fischt ein Storch im Teich, dazwischen laufen Nilgänse, Teichhühner und Rabenkrähen durch den Sand. Die Fischreiher sind vom Max-Eyth-See übergesiedelt, hat Seitz beobachtet, und fliegen ab und zu auch mal zum Neckar hinunter. Aber meist ist die Tafel im Zoo reich genug gedeckt. Denn die Wilhelma legt ausreichend Futter aus, damit die eigenen Tiere trotz der wilden Räuber satt werden.

Jetzt zu Frühlingsbeginn beginnen die Reiher unter großem Geschrei, ihre 40 großen Nester hoch oben in den Lindenbäumen auszubessern. Das Storchenpaar, das auf dem Turm der Damaszenerhalle nistet, ist schon mitten in der Paarungszeit. In wenigen Wochen wird es wohl Nachwuchs geben – eine weitere Attraktion in der wilden Wilhelma.

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13.03.2017, 06:00 Uhr
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