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Stuttgart

Wieler verabschiedet sich mit Erdbeben-Oper aus Stuttgart

Zu seinem Abschied von der Staatsoper Stuttgart wünscht sich Regisseur und Intendant Jossi Wieler mehr Engagement an Theatern für Auftragswerke.

02.07.2018
  • dpa

Stuttgart. Es sei wichtig, ein «für die Gegenwart wichtiges Werk zu erfinden», sagte der 66-Jährige. «Es ist etwas, das wir viel zu selten machen.» Die Opernhäuser sollten sich noch mehr engagieren für solche Herausforderungen. Wieler verabschiedet sich mit der Oper «Erdbeben.Träume» des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa nach sieben Jahren als Intendant. Die Uraufführung des Auftragswerks stand für Sonntagabend auf dem Programm.

Seine letzte Inszenierung lässt Wieler um das Erdbeben kreisen, das vor sieben Jahren die Atomkatastrophe von Fukushima auslöste. Die Region haben er und Bühnenbildnerin Anna Viebrock selbst besucht. Den düsteren Abschied sieht Wieler auch als Auseinandersetzung mit Zivilisationskatastrophen und der Gebrechlichkeit der Welt, mit der Gewalt der Natur und des Menschen.

«Es ist im wahrsten Sinne erschütternd. Es geht unter die Haut», sagte Wieler über Hosokawas Arbeit. Der Japaner arbeitet damit die für ihn selbst schockierende Tragödie künstlerisch auf, wie er in Stuttgart sagte. Die Oper erzählt, ausgehend von Heinrich von Kleists Novelle «Das Erdbeben in Chili» (1806), wie durch ein Erdbeben eine Hinrichtung und ein Selbstmordversuch zunächst verhindert werden. Dann brechen in der Krisenlage ganz andere Gewaltexzesse hervor. Der Lyriker Marcel Beyer aus Tailfingen im Zollernalbkreis, Büchner-Preisträger von 2016, holt den Stoff mit einer modernen Sprache ins Heute.

Die Uraufführung ist auch der Beginn eines Monats des festlichen Abschieds von Wieler, der mit der Staatsoper seit 25 Jahren zusammenarbeitet. Unter dem Titel «Hochsaison» sind zahlreiche Sonderveranstaltungen geplant.

Der Ära Wieler hat die Oper auch den bildreichen Theaterband «Verwandlungen» mit 524 Seiten gewidmet - herausgegeben von Chefdramaturg Sergio Morabito. Er lässt die Mitwirkenden noch einmal die vergangenen Jahre passieren. Von dem geduldigen Zuhörer Wieler ist da die Rede, von einem, der nie Stücke-Zertrümmerer war, sich immer nah an den Texten und der Musik bewegte und doch immer eine eigene Geschichte erzählte. In einem Beitrag würdigt etwa Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Wieler als «rastlosen Schaffer», als Perfektionisten und Teamplayer. «Seine Arbeiten verliehen der Bühne ein unverwechselbares Profil weit über die Landesgrenzen hinaus», schreibt Kretschmann.

Künftig will der Schweizer Wieler als freischaffender Regisseur arbeiten. Beide sagten am Sonntag bei der Buchpräsentation, dass sie weiter zusammen Opern inszenieren wollen - auch, wenn sich ihre Wege nun trennen. Morabito wird zur Spielzeit 2020/21 an der Wiener Staatsoper Chefdramaturg. 1993 hatte der damalige Intendant Klaus Zehelein den Schauspielregisseur Wieler und den Dramaturgen Morabito in Stuttgart zusammengebracht. Seither brachten sie 35 Inszenierungen auf die Bühne. Sieben Mal wurde das Staatstheater in dieser Zeit zum «Opernhaus des Jahres» gekürt.

Zum Abschied äußerte sich Morabito besorgt über die Lage in der Kulturszene. Manch Theater sehe sich zunehmend «von kurzfristigen machtpolitischen und ökonomischen Begehrlichkeiten und Geschäftsmodellen bedrängt», schreibt er in dem Buch. Die vom Land und der Stadt getragene Oper Stuttgart aber sei in einer «stabilen Position».

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02.07.2018, 06:32 Uhr | geändert: 01.07.2018, 19:00 Uhr
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