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Finanzen

Wie viel Geld macht glücklich?

Knapp 36,6 Milliarden Euro Überschuss. Was tun mit diesem Reichtum? Ein Anruf bei Sparfuchs Hans Eichel (SPD), ehemals Finanzminister und Besitzer einer Sparschwein-Sammlung.

24.02.2018

Von THOMAS BLOCK UND GUIDO BOHSEM

Berlin. Wer mit dem Meister der Null telefoniert, muss sich auf ein intensives Fachgespräch gefasst machen. Denn ein Plausch mit dem Ex-Finanzminister, der zumindest einen großen Anteil am Überschuss von 36,594 Milliarden Euro hat, geht nicht kurz.

Ein Anruf also bei Hans Eichel (SPD), dem Mann mit der Sparschwein-Sammlung. Wie kein anderer nach ihm hat er gestrichen und seinen Teil zur schwarzen Null beigetragen. Frage: Wäre er ein glücklicherer Finanzminister? „Och, ich weiß nicht“, sagt Eichel und deutet so auf den seltsamen Bewusstseinszustand des Landes. Denn Deutschland lebt in Zeiten der Superlative: der größte Überschuss im Staatshaushalt und die geringste Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung. Doch das scheint seine Bürger weniger glücklich zu machen. Als die Finanzlöcher immer größer wurden, wirkten sie zufriedener.

Was ist hier los? Haben wir den Reichtums-Blues? Anruf bei Erich Kirchler, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Uni Wien. „Geld trägt zum individuellen und gesellschaftlichen Glücklichsein bei“, sagt er und schiebt direkt hinterher: „Allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt.“

Wo genau dieser Punkt liegt ist nur schwer zu beziffern. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahneman hat ein Jahreseinkommen von 61?000 Euro ermittelt. Danach stagniere der Einfluss des Geldes auf das Wohlbefinden. Doch der Wohlstand hat nicht nur Einfluss auf das Glücksempfinden des Einzelnen, sondern auf das Glück ganzer Gesellschaften. „In Entwicklungsländern führt die Zunahme des Wohlstandes auch zu einer Zunahme des nationalen Glücks“, sagt Kirchler.

Ganz anders verhält es sich im Falle eines Verlustes. „Stellen wir uns vor, wir bekommen einen elektrischen Eierkocher geschenkt“, sagt Kirchler. Nicht besonderes. „Wenn uns der Eierkocher später wieder weggenommen wird, ist das schmerzhaft.“ Wirtschaftlich betrachtet müsste man genauso glücklich sein wie vorher. Doch Verluste, sagt Kirchler, wiegen immer doppelt so schwer wie Gewinne.

Für Finanzpolitiker ergibt sich aus dieser Überlegung eine besondere Herausforderung. Weshalb Eichel auch seine heutigen Kollegen warnt „Mit dauerhaften neuen Leistungen muss man vorsichtig sein.“ Denn, wenn sich die Leute an etwas gewöhnt haben, kommt ihnen jede Kürzung als Verlust vor.

Was sollte man denn nun machen mit den 36,6 Milliarden Euro Überschuss? Wie wäre es, jedem Bundesbürger 433 Euro zu schenken? „Nach einer Woche wäre der Effekt wieder verflogen“, sagt Kirchler. Die größte Unglücks-Quelle sei die Schere zwischen Arm und Reich. „Man müsste das Geld dort, wo Ungleichheit herrscht, so investieren, dass Gleichheit hergestellt wird.“ Damit das Land glücklicher wird, schlägt Sparfuchs Eichel zwei Dinge vor: „Der Bund muss die Bildung zum Schwerpunkt seiner Politik machen und die Niedrigverdiener bei den Sozialabgaben entlasten.“ Auch wenn es Geld koste. Genau das will ja die GroKo. Mal sehen, ob die Deutschen zumindest nicht noch unglücklicher werden.

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Erstellt:
24. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2018, 06:00 Uhr

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