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Rüsten gegen die Flut

Wie sich Dänemark auf einen Anstieg des Meeresspiegels vorbereitet

Die Erderwärmung und der steigende Meeresspiegel treffen Dänemark besonders stark. Das kleine Land hat 7000 Kilometer Küste. Die meisten Orte liegen am Meer. Nun sollen vermehrt Deiche gebaut werden.

21.08.2015

Von ANDRÉ ANWAR

Kopenhagen Die zunehmende Erderwärmung lässt das Eis an den Polkappen zunehmend schmelzen. Wissenschaftler rechnen mit dem weiteren Anstieg des Meeresspiegels. Küstenländer wie Bangladesch könnten in großen Teilen unter der Wasseroberfläche verschwinden.

Doch auch das kleine Dänemark sieht sich bedroht. Wissenschaftler warnen, dass das die größte Herausforderung für die Zukunft des 5,6 Millionen Einwohner zählenden Landes sein könnte.

Alle größeren dänischen Städte liegen am Meer. Dänemark hat eine Küste von insgesamt 7000 Kilometern Länge. "Unser Land kann sehr wohl einen Meeresanstieg von 70 Zentimetern vor dem Jahr 2100 erleben", warnte jüngst Jens Hesselbjerg Christensen von Dänemarks Meteorologischem Institut (DMI). Der Däne ist einer der wichtigen Verfasser hinter den jüngsten Berichten des Internationalen Klimapanels (IPCC).

Selbst wenn es den Regierungschefs der Welt auf der Klimakonferenz in Paris im Dezember gelingen sollte, ein Abkommen zu vereinbaren, mit dem der Anstieg der Durchschnittstemperatur auf 2 Grad begrenzt werden könnte, werde der Meeresspiegel steigen. Das könne man nicht mehr ändern.

"Der Meeresspiegelanstieg ist ein Phänomen, das bleiben wird", sagte Christensen der Zeitung "Politiken". Einerseits nehme warmes Wasser mehr Raum ein als kaltes Wasser. Andererseits sei das Inlandeis auf Grönland dabei, massiv zu schmelzen.

In Bezug auf Dänemark ist der Wissenschaftler aber vor allem über die Entwicklung am Südpol besorgt. Es gehe dabei um den so genannten Schwerkrafteffekt. Denn die Eisschmelze an den Polen hat Einfluss auf die Schwerkraft und damit auch auf den Meeresspiegel der jeweils anderen Seite der Erdkugel.

Die Eisschmelze auf der nordatlantischen Insel Grönland hat laut Hesselbjerg Christensen vor allem eine Wirkung auf Australien, während sich die Eisschmelze am Südpol auf Nordeuropa auswirkt. "Die zukünftige Entwicklung des Meeresspiegels hängt bei uns vor allem mit der Geschwindigkeit zusammen, mit der die riesigen Eisdecken am westlichen Rand der Antarktis kollabieren. Sollte ein wirklich großes Eisstück von der Antarktis ins Wasser fallen, kann das gewaltige Meeresspiegelanstiege an Dänemarks Küsten verursachen."

Ein Forschungsbericht namens "Klimawandel: Eine Risikobewertung" der Cambridge Universität kommt zum gleichen Ergebnis. Wie schnell die Eisschmelze vorangeht, sei unberechenbar, heißt es dort.

Die Kombination von Meeresspiegelanstieg, Regenfällen und Stürmen mache Vorhersagen für Dänemark besonders schwierig, heißt es im dänischen Umweltministerium. Das Ministerium berechne derzeit unterschiedliche Überschwemmungsszenarien und mögliche Gegenmaßnahmen.

In Kopenhagen erinnert man sich noch mit Schrecken an den Sturm Bodil, der im Dezember des Jahres 2013 den Wasserspiegel zeitweise um bis zu 1,68 Meter ansteigen ließ. Zwei Zentimeter mehr hätten zu ungeahnten Problemen geführt, weil dann das U-Bahnsystem betroffen gewesen wäre. Nun ist die Stadt und mit ihr viele andere Gemeinden im Land damit beschäftigt, einen Plan zu erstellen, wo Deiche und Schleusen gebaut werden müssen.

"Derzeit sieht es so aus, als ob die wirtschaftlichste Lösung für Kopenhagen im Bau von zwei Deichen mit Schleusen am Nord- sowie Südhafen besteht", sagte Lykke Leonardsen, die Verantwortliche für die Vorbereitung der Stadt auf den Klimawandel. Das werde ein Mammutprojekt. Es gehe nun erstmal darum, dass sich Experten, Politiker und Bürger einig darüber werden, was getan werden müsse.

Sturm Bodil ließ im Dezember 2013 den Wasserspiegel gewaltig ansteigen. Auch hier an der Westküste der Halbinsel Jütland. Foto: afp

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Erstellt:
21. August 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. August 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. August 2015, 12:00 Uhr

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