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Verkehr

Wie ökologisch sind Gigaliner?

Eine für August vom Stuttgarter Ministerium angekündigte Studie zu Lang-Lkw lässt auf sich warten. Verkehrs- und Umweltverbände sind empört.

23.09.2017
  • TOBIAS KNAACK

Ulm. Das Projekt war im Land von Beginn an umstritten. Und ist es bis heute: Gigaliner, Lang-Lkw, XXL-Lastwagen mit bis zu 25,50 Meter Länge, gut sechs Meter mehr als normale Gefährte auf deutschen Straßen. Seit zwei Jahren dürfen sie auch im Südwesten auf ausgewählten Strecken fahren. Die Bedingung dafür: eine vom Verkehrsministerium in Stuttgart ausgehandelte Studie, die unter anderem die Effekte von Lang-Lkw auf den Schadstoffausstoß bewerten sollte. Die 200 000 Euro werden je zur Hälfte vom Land und von Daimler finanziert. Alleine, die Studie, die Ende August hätte vorliegen sollen, lässt auf sich warten.

Geringe Einspareffekte

Umwelt- und Verkehrsverbände sind empört. Ihr Vorwurf: „Zuerst agiert die Stuttgarter Landesregierung beim Thema Lang-Lkw ohne Distanz zur Herstellerlobby, indem sie eine gemeinsame Studie in Auftrag gibt, und nun bleibt die längst überfällige Studie auch noch unter Verschluss“, beklagen Automobilclub ACV, Allianz pro Schiene, BUND und Deutsche Umwelthilfe in einer gemeinsamen Mitteilung.

Im August war eine Kurzfassung der Studie öffentlich geworden. Daraus geht hervor, dass Experten die Einspareffekte von Emissionen durch Lang-Lkw für „klein“ halten: Für das Jahr 2030 prognostizieren sie Einsparungen von 165 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) – bei einem erwarteten Gesamtausstoß von 144 Millionen Tonnen CO2. Die Studie dokumentiert demnach offenbar, weshalb der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann sich lange gegen die Fahrten von Lang-Lkw im Südwesten sträubte.

Eine Bewertung dieser Zahlen wollte sein Haus dennoch nicht vornehmen. Auch warum und bis wann sich die Veröffentlichung der Studie verzögere, wurde nicht beantwortet. Eine Ministeriumssprecherin sagte lediglich, dass das Gutachten „tatsächlich noch nicht fertig“ sei. „Es sind noch einige Fragen zu klären.“ Welche dies seien – auch diese Nachfrage blieb unbeantwortet.

Martin Roggermann, Experte für Verkehrspolitik bei „Allianz pro Schiene“, wirft dem Ministerium vor, die Studie zurückzuhalten und spricht von „wahrscheinlich schlechtem Timing“, so kurz vor der Bundestagswahl. Generell empfindet er die gesamte Debatte um die XXL-Lastwagen als „Salami-Taktik“. Erst erlaube man längere Fahrzeuge und irgendwann, so prognostiziert er, werden die Befürworter – die deutsche Automobilindustrie oder der Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen – nach einer Erhöhung des zulässigen Gewichts rufen. Aktuell ist das in Deutschland auf 44 Tonnen beschränkt. „Technisch sind die Lkw aber auch hierzulande bereits für 60 Tonnen ausgelegt“, erklärt Roggermann.

Zumal der Druck von außen wächst. In Dänemark, den Niederlanden und Spanien sind 60 Tonnen erlaubt, in Schweden 64 und in Finnland sogar 76 Tonnen; zumal in Schweden mit Lkw von 32 Metern Länge und 90 Tonnen experimentiert wird. Roggermann bezweifelt, „dass die Gewichtsbeschränkung im Jahr 2030 noch Bestand haben wird“.

Kritik an der Methode

Eine Feldstudie der Bundesanstalt für Straßenwesen, das dem Bundesverkehrsministerium – starker Befürworter der Lang-Lkw – zugeordnet ist, stellt eine positive Prognose für die XXL-Lastwagen auf: Das Unfallrisiko sei nicht erhöht, es würden „keine relevanten Veränderungen der maximalen Bauwerksbeanspruchungen eintreten“ und „Verlagerungen von Bahn und Binnenschiff auf den Lang-Lkw haben sich (...) nicht gezeigt“.

Genau daran haben die Verbände Zweifel. Sie kritisieren „methodische Mängel und für den Lkw schöngerechnete Zahlen“ bereits in der bekannt gewordenen Kurzfassung. So seien „wesentliche Gütergruppen ausgeblendet“ worden, etwa Metalle und Metallerzeugnisse – ausgerechnet „die größte identifizierte Warengruppe“ bei den Praxiseinsätzen von Gigalinern. Aus diesem Grund fürchtet Martin Roggermann, dass sich mit dem Einsatz von Gigalinern im Transportwesen „das Gefüge verschiebt“ – zugunsten der Straße und zulasten der Schiene und der Wasserwege.

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23.09.2017, 06:00 Uhr
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