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Mobilität

Wie kommt das Rad ins Rollen?

Der Verkehr in Deutschland soll umweltfreundlicher werden. Als Alternative zum Auto könnte der Drahtesel dazu einen Beitrag leisten. Doch zum Umstieg fehlen noch Anreize.

21.04.2018

Von DOROTHEE TOREBKO

Eingepfercht zwischen Autos und Bussen: So sieht der Radler-Alltag nicht nur in Berlin, sondern in den meisten deutschen Städten aus. Foto: Adam Berry/Getty Images

Berlin. Burkhard Stork ist in Rage. Der Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), des größten Interessenverbandes für Radfahrer, hat genug davon, dass sein liebstes Gefährt der Außenseiter unter den Verkehrsmitteln ist. Hinter seiner Wut steckt die Idee: Jetzt muss das Rad die Gunst der Stunde nutzen, denn so umstritten war das Auto noch nie.

Der Bund will die Mobilitätswende: E-Lkw werden von der Maut befreit. Die Schiene wird gestärkt, und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer setzt Autokonzerne unter Druck, indem er Software-Updates für Schummel-Diesel bis Jahresende durchsetzen will. Das Ziel: Die Luft in den Städten soll besser werden. Das Rad könnte ein Baustein in dieser neuen Mobilitätswelt sein. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Wie wichtig ist das Rad bereits? Nirgendwo in Europa gibt es mehr Räder als in Deutschland – und zwar 73 Millionen, das sind 250?000 mehr als vor vier Jahren. Die Zahl der E-Bikes stieg in dem Zeitraum von 410?000 auf 720?000. Zum Vergleich: Autos gibt es hierzulande nur 46 Millionen. „Die Menge ist aber nicht so wichtig“, sagt ADFC-Präsident Stork. Das Problem sei, dass Verkehrsteilnehmer kurze Wege vorzugsweise mit dem Auto und nicht mit dem Rad zurücklegen.

Was wollen Radfahrer? Einer Online-Befragung der Bundesregierung zufolge wünschen sich die Deutschen mehr Platz, eigene Wege und mehr Abstellmöglichkeiten: Weil der Raum fürs Rad im Straßenverkehr zu eng sei, fahren viele Radbesitzer lieber gar nicht. Der ADFC bestätigt das. „Wenn die Leute Angst haben müssen, mit dem Rad zu fahren, läuft einiges falsch“, sagt Sprecherin Stephanie Krone. „Es ist entscheidend, in die Infrastruktur zu investieren.“

Was tut der Bund? Die Regierung investiert aus dem 60-Milliarden-Straßenbauetat 200?000 Millionen in den Ausbau von Radwegen und in Schilder. „Wir sagen den Ländern zu, dass wir die Verwaltung schlanker machen, damit sie leichter an die Gelder kommen“, sagt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann. Besonders wegen der Radschnellwege gab es Streit. Das Geld floss zu langsam, Länder und Kommunen blieben auf der Finanzierung sitzen. Das soll sich ändern. Auch die Straßenverkehrsordnung wird überarbeitet. Möglicherweise dürfen Radler bald bei Rot rechts abbiegen.

Was unternimmt Baden-Württemberg, um den Radverkehr anzukurbeln? „Wir wollen zu den Vorradlern der Republik werden“, sagt Verkehrsminister Winfried Herrmann. Baden-Württemberg ist mit das erste Land, das eine eigene Arbeitsgemeinschaft rund ums Rad gründete. Erfolge konnte sie bereits verzeichnen. Drei Schnellwege sind geplant: Statt mit dem Auto sollen Pendler bald mit dem E-Bike von Heidelberg nach Mannheim kommen. Ein Paradebeispiel ist Karlsruhe. 2002 wurden dort nur 16 Prozent aller Wege mit dem Rad bestritten – mittlerweile sind es 25 Prozent.

Was können Arbeitgeber tun? Einige Unternehmen wie IBM, SAP und die Commerzbank setzen auf Diensträder. Doch das reicht nicht. „Die Firmen müssen auch Dusch- und Umziehmöglichkeiten zur Verfügung stellen, sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Erst dann steigen die Menschen von Auto auf Rad um.

Kann man das Rad absetzen? Die Pendlerpauschale gilt auch für Radfahrer. Pro gefahrenen Kilometer kann der Radler 30 Cent von der Steuer absetzen. Wer seine Dienstreisen oder Auswärtstermine mit dem Rad erledigt, bekommt seit 2014 keine Pauschale mehr. Bis 2013 konnten Radler immerhin noch 5 Cent je Kilometer absetzen. Hier sind die E-Biker im Vorteil. Wenn das Pedelec schneller als 25 km/h fährt, kann der Arbeitnehmer 20 Cent je Kilometer absetzen.

Was tut sich in anderen Ländern? In Paris betreibt die Bürgermeisterin Anne Hildago eine Anti-Auto-Politik, sie verbannt alte Diesel aus der Innenstadt und baut Radwege. Kopenhagen, die fahrradfreundlichste Stadt der Welt, setzt auf Überzeugungsarbeit. „Wir haben den Radfahrern vermittelt: Ihr helft uns, die Stadt sauberer zu machen“, berichtet Ex-Umweltbürgermeister Klaus Bondam. Genau diese Emotionen gelte es auch beim Deutschen zu wecken, sagt Stork.

grafik swp Foto: grafik swp

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Erstellt:
21. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. April 2018, 06:00 Uhr

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