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Wie ein nackter Körper im Raum
Die amerikanische Künstlerin Amie Siegel im Kunstmuseum Stuttgart

Wie ein nackter Körper im Raum

Von "Fetisch" bis "Verachtung": Amie Siegel spinnt in ihrer Schau "Ricochet" im Kunstmuseum Stuttgart ein subtiles Geflecht.

01.02.2016
  • LENA GRUNDHUBER

Stuttgart. Bäuchlings liegt die Frau auf dem Boden. Ganz nackt, bis auf ein Buch, das auf ihrem Po balanciert. Ganz ruhig, bis auf die Füße, die ein versonnenes Ballett aufführen. Im Film "Die Verachtung" von Jean-Luc Godard spielt das Brigitte Bardot, im Kunstmuseum Stuttgart sehen wir die schöne Französin nicht. Amie Siegel hat für ihre Videoarbeit eine andere Schauspielerin auf den Boden des Kunstmuseums gelegt, in dessen nackten Räumen der nackte weibliche Körper nun zum Ausstellungsobjekt wird.

"Ricochet" (Querschläger) heißt die klug verwobene Schau, in der die amerikanische Künstlerin sich ihrem Thema, dem Körper im Raum, von diversen Fädenenden her nähert. Den Beginn machen 34 "Body Scripts". Dafür hat Siegel jene Stellen aus Moravias Roman "Die Verachtung" gesucht, die Emilia (im Film Camille) beschreiben. Alles jenseits dieser Passagen ist blau übermalt, so dass der Schrift-Körper aus je anderen geometrischen Konstellationen hervortritt.

Weiter hinten treibt Siegel das Spiel in einer mehrteiligen Film-Arbeit weiter. "Ihre" Brigitte im Kunstmuseum ahmt auf Bildschirm die Bardot nach - an der Wand erscheinen die Filmszenen aus der Villa Malaparte auf Capri, einmal als italienische Version mit ihrer cool-jazzigen Filmmusik, einmal als die französische mit dramatischem Streichersound. Allerdings ist das Haus geisterhaft leer, denn den Fetisch Frau hat Siegel entführt in die Kühle des Museumsraums. In der Dia-Folge "Surrogates" zeigt sie antike Statuen, die in Nahaufnahme als zusammengesetzt, geflickt erkennbar sind, als Produkte einer Rezeption, die sich ihre Körper-Idole schuf.

Als "Fetische" bevölkern sie auch das Zimmer von Freud in London, das die Künstlerin während der jährlichen Putzaktion besucht hat. Winzige Statuetten werden von Pinseln liebkost, bis es zum sakralen Akt kommt und Freuds Couch gereinigt wird. Der Fetisch der Psychoanalyse wird gesaugt und verschwindet unter Teppich und Kissen. Einen Moment lang lag er entblößt, wie ein nackter Körper im Raum.

Info bis 8. Mai im Kunstmuseum Stuttgart, Di-So 10-18, Fr 10-21 Uhr

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01.02.2016, 08:30 Uhr
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