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Mit Travel John zu reinem Wasser

Wie ein Ulmer Pilotprojekt im Kampf gegen Arzneimittelrückstände in Gewässern helfen soll

Spurenstoffe wie Röntgenkontrastmittel nehmen zu in deutschen Oberflächengewässern. Um dem entgegenzuwirken, startet das Fraunhofer-Institut eine Pilotstudie in Ulm - mit ungewöhnlichen Mitteln.

21.10.2015
  • IGOR STEINLE

Karlsruhe/Ulm Geht es um Wasserverschmutzung, sind die üblichen Verdächtigen schnell ausgemacht: Dünger auf dem Feld lässt den Nitratwert im Grundwasser ansteigen, Östrogene aus der Antibabypille sorgen dafür, dass männliche Fische Eier legen, anstatt Samen zu entwickeln. Einen anderen Delinquenten hingegen haben nur wenige im Verdacht: Röntgenkontrastmittel.

Dabei landen 80 Prozent der 350 Tonnen Kontrastmittel, die jährlich in Deutschlands Kliniken und Radiologiepraxen verbraucht werden, in den Flüssen, schätzt Jutta Niederste-Hollenberg vom Fraunhofer-Institut in Karlsruhe. Auf der Rangliste der Arzneimittelrückstände in Oberflächengewässern nehmen Kontrastmittel damit einen unangefochtenen ersten Platz ein, weit vor den nachfolgenden Schmerzmitteln und Cholesterinsenkern. Dagegen will das Fraunhofer-Institut nun vorgehen.

In Ulm hat das Institut deswegen ein Pilotprojekt zur Reduktion der Gewässerbelastung durch Arzneimittel, kurz "MindER" (Minderung des Eintrags von Röntgenkontrastmitteln in die Umwelt), gestartet. "Wir wollen vom Ende des Abwasserweges Kläranlage an die Quelle kommen", sagt Ministerialrat Hans Neifer vom Landesumweltministerium, das die Studie finanziell unterstützt. Es soll also verhindert werden, dass das Kontrastmittel überhaupt erst ins Abwasser gelangt.

Geschehen soll das mit Hilfe von "Travel John", einem Urinsammelbeutel aus dem Outdoor-Bereich. Granulat in seinem Inneren bindet den Urin zu einem geruchslosen Gel. Der Beutel kann dann über den Restmüll entsorgt werden. Dieser wird bundesweit in Müllverbrennungsanlagen vernichtet - der derzeit sicherste Entsorgungsweg für Medikamente.

Teilnehmen wird an dem etwa 300 000 Euro teuren Projekt sowohl die Radiologie der Ulmer Uniklinik als auch eine radiologische Gemeinschaftspraxis. Dort sollen die Urinbeutel an die Patienten ausgegeben werden. Kontrastmittel werden innerhalb von 24 Stunden aus dem Körper ausgeschieden, weswegen der Beutel nur einen Tag lang verwendet werden müsste. Zusätzlich finden Befragungen von Patienten und Klinik- bzw. Praxispersonal statt. Dies auch am Bundeswehrkrankenhaus und in einer radiologischen Praxis in Stuttgart. Ursula Maier, stellvertretende Referatsleiterin für Gewässerreinhaltung beim Umweltministerium, sagt: "Wir wollen herausfinden, ob Patienten bereit sind, diesen Beutel in den ersten 24 Stunden zu benutzen." Das Besondere am Kontrastmittel ist, dass es als stabile Substanz entwickelt wurde. "Es soll ja nicht im Körper wirken", sagt Maier. "Aber weil es so stabil ist, bleibt es auch lange im Trinkwasser." Selbst moderne Kläranlagen können Kontrastmittel nicht vollständig entfernen.

Für die Gesundheit stellen die Kontrastmittel zwar noch keine Belastung dar. "Wir wissen aber nicht, wo die Schwelle liegt, ab der sie sich auf einmal schädlich auswirken", sagt Maier. Zudem geht von den diversen Arzneimittelrückständen in Oberflächengewässern noch eine weitere Gefahr aus. Man wisse nicht, wie die verschiedenen Stoffe in den Gewässern zusammenwirken", so das Fraunhofer-Institut.

Wie ein Ulmer Pilotprojekt im Kampf gegen Arzneimittelrückstände in Gewässern helfen soll
Computertomographie: Bei Untersuchungen des Bauches müssen ein bis zwei Liter Kontrastmittel getrunken werden. Foto: © lpotthoff - fotolia.com

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21.10.2015, 12:00 Uhr
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