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Über eine ungewöhnliche Werbeaktion

Wie ein Malermeister um Azubis kämpft

Eine junge Frau arbeitet im Büro. Ein Gerüstbauer läuft am Fenster vorbei, sie lächelt verzückt, winkt ihm schüchtern zu. Dann rennt sie zu einem neuen Platz, setzt sich eine Perücke auf und winkt nochmal.

08.03.2018
  • Kathrin Kammerer

Auf dem Weg zum dritten Verkleidungswechsel – um den hübschen Gerüstbauer erneut anschmachten zu können – stolpert sie und fällt ihm direkt vor die Füße. „Es gibt leichtere Wege, unsere Azubis kennen zu lernen. Bewirb dich für eine Ausbildung bei Anton Geiselhart“, sagt der Sprecher. Der Gerüstbauer-Spot ist Roman Geiselharts jüngster Streich in punkto Azubi-Gewinnung. Davor gab’s einen zum Maler und zum Stuckateur.

Im Sommer 2016 beschloss der Malermeister, seit 1998 Firmenchef bei Geiselhart, neue Wege zu gehen. „Wir wollten was Frisches machen, zeigen, dass auch eine Firma von 1934 nicht angestaubt sein muss“, sagt er. Herausgekommen sind drei professionell gemachte 30-Sekunden-Spots, die mit ähnlichen Geschichten und einem Augenzwinkern für eine Ausbildung als Maler und Lackierer, Stuckateur und Gerüstbauer werben. Gezeigt wurden sie in regionalen Kinos.

„Die Filme sollen Lust machen auf unseren Betrieb, Interesse wecken“, sagt der 50-Jährige. Das ist seiner Meinung nach auch der einzig wirksame Weg, mit dem man junge Leute aus geburtenschwachen Jahrgängen überhaupt noch für eine Ausbildung im Handwerk begeistern kann. Viele seiner Kollegen verstünden den Sinn dieser ungewöhnlichen Werbeaktion nicht, werde in den Spots ja beispielsweise gar nichts über den Beruf an sich erzählt. „Das wollten wir auch nicht“, betont Geiselhart. Von Imagefilmen nach dem „Mein Vater ist Maler und auch ich arbeite jetzt auch in seinem Geschäft“-Schema hält er nämlich nicht viel.

Mehr als halbiert habe sich die Zahl der Azubis im Maler- und Lackierergewerbe deutschlandweit in den letzten 15 Jahren: Von rund 46000 (2000) auf 21000 (2015). Roman Geiselhart ist Obermeister der Reutlinger Maler- und Lackiererinnung. Er hat in diesem dramatischen Rückgang mit seinem 120-Mann-Betrieb noch die besseren Karten gezogen: Denn hier kann er den Auszubildenden immerhin Aufstiegschancen bieten, was in einem Vier-Mann-Betrieb kaum möglich sei. Seine Ausbildungsplätze hat er bislang immer besetzt bekommen, die Zahl der Bewerber habe sich aber drastisch reduziert.

Üppig bezahlt werden seine Kollegen in den ersten Jahren nicht, das weiß auch der Pfullinger Maler. Mit Ehrgeiz könne man in dem Beruf aber einiges erreichen, sagt er weiter. Beispielsweise nach der Ausbildung studieren oder den Meister machen. Außerdem – so zitiert er aus einer Studie – spielen Sicherheit des Jobs, Mitbestimmung und Flexibilität mittlerweile eine größere Rolle für junge Leute als das Gehalt. Und dann sei da auch noch dieses branchenübergreifende Problem: „Wir Handwerker stellen unseren Beruf unter den Scheffel!“ Viele wünschen sich für ihre Kinder „mal etwas Besseres“, beispielsweise ein Studium. An diesem Selbstbild müsse man dringend arbeiten, so Geiselhart. Seine Werbespots hätten jedenfalls Wirkung gezeigt, sagt er. „Wir haben zwar nicht mehr Bewerbungen, aber qualitativ deutlich bessere.“

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08.03.2018, 01:00 Uhr
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