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Fördergeld für Carbon-Maschinen und Spezial-Proteine

Wie die KfW junge Unternehmen unterstützt - Auch die Biotech-Firma Cellca aus Laupheim gehört

Ideen gibt es, nur am Geld mangelt es oft. Im Vergleich zu anderen Ländern gilt Deutschland bei Risikokapital als unterentwickelt. Die Förderbank KfW unterstützt Start-Ups. Drei Beispiele, die Mut machen

04.07.2015

Von ROLF OBERTREIS

Ottobrunn Es könnte einer dieser Hidden Champions sein, die das Potenzial deutscher Ingenieure zeigen. Die Räume von Munich Composites in Ottobrunn unweit von München gleichen eher einer unaufgeräumten Garage als einer innovativen Produktionshalle. Aber was Felix Fröhlich und seine Mitstreiter - alle Absolventen der TU München - hier seit 2011 auf die Beine gestellt haben, ist mehr als bemerkenswert: Sie befassen sich mit dem ultraleichten Werkstoff Carbon und haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Carbonteile schnell, einfach und automatisiert hergestellt werden können - mit Flechtmaschinen.

"Unsere Kompetenz ist ein aufblasbarer Kern, der automatisiert umflochten wird. Damit erreichen wir bei jedem Teil eine gleich hohe Qualität. Das ist wichtig etwa für die Automobilindustrie", sagt Fröhlich.

Bislang werden Carbonteile zu 90 Prozent in Handarbeit gefertigt. Deshalb wird fast ausnahmslos in Asien produziert. Stabilisatoren, Luftfederträger für Busse, Fahrradlenker, Hockey-Schläger und eine Carbon-Rennradfelge sind etwa Produkte, die Fröhlich und Co. entwickelt haben und mit dem sie Arbeitsplätze nach Deutschland zurückholen wollen. Einige Teile gehen 2016 in Serienproduktion.

Zwar arbeitet Munich Composites mit Firmen wie MAN oder BMW zusammen und erhält Entwicklungsaufträge. Aber ohne Fremdmittel geht es nicht. Die kommen auch von der Förderbank KfW. Deren von der Bundesregierung gewünschte Auftrag ist auch die Unterstützung junger innovativer Unternehmen, zu neudeutsch Start-Ups. Dies geschieht über den ERP-Startfonds, über den sich die KfW mit maximal 5 Mio. EUR beteiligt. Voraussetzung: Ein privater Investor muss die gleiche Summe locker gemacht haben.

Bei Munich ist es Sirius Venture Partner aus Wiesbaden, die Geld unter anderem bei Pensionskassen und Versicherungen (die auf Renditen von mindestens 7 Prozent hoffen) einsammelt und nach intensiver Analyse, die auch bei der KfW Voraussetzung ist, sich für mehrere Jahre beteiligt. "Von 200 Firmen, die wir uns anschauen, wählen wir eine aus", sagt Sirius-Manager Johannes Peschko. Seit 2004 hat die KfW über den Startfonds insgesamt eine halbe Mrd. EUR investiert.

Ein Stück weiter ist die Biotech-Firma Cellca aus Laupheim bei Ulm. Das 2005 gegründete Unternehmen mit seinen rund 30 Mitarbeitern, sagt Geschäftsführer Hugo de Witt, habe eine einzigartige Plattform für die biopharmazeutische Herstellung von Proteinen entwickelt. Das Geschäft mit den Eiweißstoffen läuft so gut, dass mittlerweile 50 Pharmafirmen darauf zurückgreifen und Cellca mit der Arbeit kaum nachkommt. Das Unternehmen brauche mehr Geld, um sich weiterzuentwickeln, am besten zum Marktführer in der Branche. Das bekommt es auch. Denn Cellca wurde von der Göttinger Sartorius Stedim Biotech GmbH gekauft.

Damit ist auch das Engagement der KfW bei Cellca mit Erfolg beendet. Seit 2005 war die sie mit dem ERP-Startfonds beteiligt - gemeinsam mit der Stadtsparkasse Biberach und der L-Bank.

Weiteres Geld könnte von Venture Capital Fonds kommen, und damit zumindest indirekt noch einmal von der KfW. Die hat gerade für fünf Jahre ein Programm aufgelegt, mit dem sie 400 Millionen Euro in solche Fonds investieren will. Das sei sehr effektiv, sagt Hengster. Damit hebelt die KfW ein Fondsvolumen von rund 2 Mrd. EUR für den deutschen Markt für Wagniskapital". Sei die KfW engagiert locke dies andere, private Investoren an.

Der Markt für Risikokapital hierzulande gilt als unterentwickelt. Laut Hengster ist der Nachholbedarf für Beteiligungskapital in Deutschland im Vergleich zu den USA, Großbritannien und Frankreich erheblich. Auf Geldgeber sind Firmen wie Munich Composites oder Cellca dringend angewiesen, Krediten helfen ihnen selten.

Geld macht die KfW aber nicht nur für Firmen mit innovativen Technologien locker. Dafür steht Jürnjakob Reisigl. Der Hotelier aus Oberstdorf baut seit 2010 die Hotelkette Explorer im Alpenraum auf, für "sportlich aktive Gäste". Das Außergewöhnliche: Explorer betreibt die ersten Passivhaus-Hotels in Europa, die 100 Prozent klimaneutral sind. Es wird 70 Prozent weniger Energie verbraucht als bei konventionellen Hotels. Einen Kredit von gut 5 Mio. EUR hat die KfW für den Bau in Nesselwang beigesteuert.

Das Laupheimer Unternehmen Cellca beschäftigt 30 Mitarbeiter und ist mit der Herstellung von Eiweißstoffen für die Pharmaindustrie erfolgreich. Foto: Cellca

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Erstellt:
4. Juli 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juli 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juli 2015, 12:00 Uhr

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