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Sprache

Wie Wörter Geschichte erzählen

Begriffe, die vor allem in den 50er und 60er Jahren verwendet wurden, laden zu einer Zeitreise ein.

23.08.2019

Von AC

Der Wortschatz einer Sprache wandelt sich laufend. Das früher so geläufige „Fräulein“ ist so gut wie ausgestorben – zum Glück. Dafür weiß heute vom Kind bis zum Rentner jeder, was Googeln bedeutet. Ein Indiz, dass einem Wort dieser Aufstieg in die deutsche Alltagssprache gelingt, ist, wenn es den Sprung in den Duden schafft.

Genau diese prägenden Wörter hat eine Buch-Reihe aus dem Dudenverlag im Blick. Zwei Büchlein mit jeweils 128 Seiten sind bisher erschienen, die sich mit den 50ern und 60ern beschäftigen. Mitte September werden zwei weitere zu den 70ern und 80ern folgen. Die Auswahl basiert auf Wörtern, sagt Pressesprecherin Nicole Weiffen, „die in dem jeweiligen Jahrzehnt oder der direkt nachfolgenden Auflage in den Duden aufgenommen wurden“ und auf wichtigen Begriffen aus bestimmten Bereichen, damit die zentralen „politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen“ abgebildet sind.

Dieses simple Konzept geht bestens auf. Das Lesen ist wie eine Zeitreise, die zeigt, was die Deutschen in den beiden Jahrzehnten bewegt hat: vom Bikini über Halbstarke, die Montanunion und das Wirtschaftswunder, Twisten und Gastarbeiter bis zur Antibabypille, Playboy und dem Fritz-Walter-Wetter. Mal stammen die neuen Wörter aus der Fremde wie Rock 'n' Roll, mal sind sie Erfindungen gewitzter Muttersprachler wie der Toast Hawaii.

Es ist eine kurzweilige Lektüre dank der humorvollen und informativen Weise, wie der Autor Hans Hütt auf die Wörter eingeht. „Die Frisur hat nichts mit Pilzen zu tun, sieht ihnen nur aus der Ferne ähnlich …“, schreibt er etwa über den „Pilzkopf“. „Wir verdanken sie den Beatles, die Topfschnitt mit lang in die Stirn fallendem Pony zu ihrem Markenzeichen machen.“ Und zum Mini-Rock schreibt er: „Er ist Mary Quants textile Antwort auf Jean-Paul Sartres Buch ,Das Sein und das Nichts‘. Er fügt dem Nichts etwas hinzu, das dem Sein gut bekommt.“

Für die 60er gelingen Hütt diese Beschreibungen noch besser als für die 50er, vielleicht weil der 1953 geborene auch mehr von diesem Jahrzehnt bewusst mitbekommen hat. Beide Bände vermitteln auf wunderbare Weise, wie lebendig Sprache ist und wie stark sie selbst Geschichte, Ereignisse, Fortschritte und Bedrohungen widerspiegeln. Die Bücher bringen nah, dass jedes Jahrzehnt seine Wörter hat und Generationen prägt und dass man vielleicht selbst offener sein sollte für die neuen Wörter, die Jahr für Jahr entstehen. Andreas Clasen

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Erstellt:
23. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 06:00 Uhr

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