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Wie Korbjäger das Klima retten können

Wie sich die Zeiten ändern: In der Saison 1992/93, der allerersten Spielzeit des SV 03 Tübingen in der 1. Basketball-Bundesliga, wäre ein gemeinsamer Klimaschutz-Workshop des damaligen US-Imports Steven Key mit OB Eugen Schmid in etwa so wahrscheinlich gewesen wie die Annahme, Bundeskanzler Helmut Kohl würde seinen Job mal einer Frau überlassen.

17.02.2016
  • Hansjörg Lösel

Auch DeJuan Collins, das Tübinger Korbjäger-Wunder der Jahrtausendwende, hat sich mit der roten Rathaus-Chefin Brigitte Russ-Scherer unseren Recherchen nach kein einziges Mal über CO2-Emissionen unterhalten. Doch das Jahrtausend ist ins Teenie-Alter gekommen, die Polarkappen schmelzen, und im längst grünen Kernland Tübingen haben mittlerweile auch Basketballer ihr ökologisches Gewissen entdeckt. Und so strampelte denn Tigers-Kapitän Jesse Sanders am Montag im Tübinger Rathaus auf dem Energie-Erlebnis-Rad, um den Unterschied von LED- und Glühlampe greifbar zu machen.

Ja, da können die Tübinger (und Tübingerinnen natürlich) schon stolz sein: Zwar blockieren seit Jahrzehnten die Regierungen und Konzern-Lobbyisten aus den USA auf den Weltklimakonferenzen regelmäßig ernsthafte Maßnahmen zum Klimaschutz, aber die US-amerikanischen Korbjäger im Tigers-Trikot achten jetzt brav auf ihren Energie-Haushalt. Wenn es einen gnädigen Gott gibt, müsste er eigentlich das Ozonloch über Tübingen sanft verschließen.

Dies wiederum ist unwahrscheinlich, genauso unwahrscheinlich wie die Annahme, dass es in einer Amtsstube auf dem Rathaus mal langweilig wird. Sollte dieser Fall aber doch eintreten, könnte irgendein städtischer Angestellter (oder eine Angestellte) vielleicht auf die Idee kommen, mal die Klima-Bilanz eines möglichen Abstiegs der Tübinger Korbjäger zu errechnen. Da wären nur noch 15 statt bisher 17 Auswärtsfahrten zu absolvieren, der hierbei eingesparte Kohlendioxid-Ausstoß entspricht vermutlich dem Ertrag des gesamten Stadtradel-Wettbewerbs im vergangenen Jahr. Zu den Heimspielen in der PaulHorn-Arena pilgern in der zweiten Liga wahrscheinlich nicht mehr wie bisher gut 3000, sondern vielleicht 2000 Fans pro Partie. Unterm Strich wieder ein deutlicher Rückgang der CO2-Emission. In der Zweitklassigkeit werden die Partien außerdem nicht mehr vom Telekom-Sender live übertragen, die Anreise der Crew entfällt, auch die dabei eingesparten Energiekosten sind nicht zu vernachlässigen. Summa summarum ist in der zweiten Liga also eine deutliche Treibhausgas-Reduktion zu erwarten.

Bleibt abzuwarten, ob eine solche Berechnung dem kritischen Blick eines Mathematikers standhält. Sonst wird demnächst in Tübingen vielleicht die Devise ausgegeben: Absteigen für den Klimaschutz!

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17.02.2016, 01:00 Uhr
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