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Die neue Art der Unhöflichkeit

Wie Handy und Tablet nerven können

Im Alltag muss man heutzutage oft um die Aufmerksamkeit des Gegenübers kämpfen. Denn in dessen Handy oder Tablet lockt die ganze weite Welt da draußen. Etikette-Trainer fordern mehr Rücksicht und Respekt.

25.11.2013

Von SILKE TORNEDE, EPD EPD

Bielefeld In der Gesprächsrunde schnell noch mal die Mails checken, twittern, chatten oder ein Foto posten: Seitdem Handys hochleistungsstarke Computer im Taschenformat sind, können wir jederzeit und überall mit der Welt vernetzt sein. Und vergessen dabei schnell die Menschen direkt vor uns. Benimm-Experten wie Inge Wolff aus Bielefeld sprechen von einer "neuen Form der Unhöflichkeit". Die Beschäftigung mit Smartphones und Tablets in Gesellschaft anderer brüskiere Mitmenschen und sei rücksichtslos.

"Klarer kann ich Missachtung gar nicht darstellen", urteilt Inge Wolff, Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangsformen International. Denn die unterschwellige Botschaft ist eindeutig: "Du, Mensch mir gegenüber, bist mir unwichtig." Für die Knigge-Expertin ist klar: Die anwesende Person verdient immer die volle Aufmerksamkeit, egal ob es sich um enge Freunde oder Unbekannte handelt. "Auch wenn ich drei Brötchen bestelle und gleich weiter aufs Handy-Display schaue, ist das extrem unhöflich der Verkäuferin gegenüber."

Dabei glaubt Wolff keineswegs, dass Smartphone-Nutzer aus böser Absicht handeln, sondern eher aus Gedankenlosigkeit. Damit verletzen sie aber sogar Menschen, die ihnen lieb sind.

Ein Beispiel: Eine Mutter aus Hannover hatte sich mit ihrer berufstätigen Tochter in Frankfurt zum Frühstück verabredet. Beide freuten sich auf das Treffen, schließlich sehen sie sich arbeitsbedingt nur noch selten. "Doch dann sind wir kaum zum Reden gekommen. Meine Tochter war die ganze Zeit am chatten und hat Fotos vom Frühstücksbuffet bei Facebook gepostet", erzählt die 64-Jährige enttäuscht. Eine australische Werbeagentur hat hierfür in einer viralen Kampagne für einen Verlag das Kunstwort "phubbing" kreiert, eine Zusammenfügung aus den englischen Worten "phone" (Telefon) und "snubbing", vor den Kopf stoßen. Das Ganze war erfunden, samt Protesthomepage - stieß aber auf große Resonanz. Offenbar hatten die Australier einen Nerv getroffen. Denn schließlich hat das jeder schon erlebt: "Wenn das Display aufleuchtet, ist jeder andere wichtiger als der Mensch direkt vor uns", beschreibt Psychologe Alfred Gebert aus Münster das Verletzende in der Situation.

Soziale Netzwerke machen unser Leben eher unsozialer, warnt auch der bayerische Kommunikationsexperte Robert Spengler. "Wir verlernen den persönlichen Kontakt von Herz zu Herz und haben weniger Zeit für intensive Gespräche." Auf der anderen Seite haben Smartphones, Tablets und Co. längst unseren Alltag durchdrungen, bieten Vorteile und bereichern unser Leben, gesteht der Coach zu: "Meine Frau fährt heute beim Frühstück ihren Laptop ganz selbstverständlich hoch und informiert sich." Und seine Mutter nutze Facebook, um Kontakt zu den Enkeln zu halten. Teil der neuen Medien zu sein und gleichzeitig einen angemessenen Umgang zu erlernen, das sei die Herausforderung, so Spengler.

"Wir werden im Moment noch von der Technik beherrscht, aber beherrschen sie selbst noch nicht richtig", urteilt Alfred Gebert. Oft teilen wir anderen völlig unwichtige Dinge mit, belasten uns mit Belanglosigkeiten - und klagen anschließend über Zeitmangel, führt der Psychologe auf.

Auch Etikette-Trainerin Inge Wolff wirbt dafür, das eigene Verhalten zu überdenken. In Gegenwart anderer nicht telefonieren oder im Internet surfen, vielleicht sogar das Handy oder Tablet ganz ausschalten - das sollte ein selbstverständliches Zeichen der Wertschätzung anderen Mitmenschen gegenüber sein.

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Erstellt:
25. November 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. November 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. November 2013, 12:00 Uhr

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