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Wider die Resignation
Papst Franziskus und begeisterte Gläubige im Venustiano-Carranza-Stadion in Morelia. Foto: dpa
Papst predigt im Kerngebiet der mexikanischen Mafia

Wider die Resignation

Bei keiner Station seiner Mexiko-Reise ist Papst Franziskus bisher so begeistert gefeiert worden: In der Stadt Morelia, einer Hochburg von Drogen und Gewalt, rief er dazu auf, nicht den Mut zu verlieren.

18.02.2016
  • LUDWIG RING-EIFEL, KNA

Morelia. Auch am vierten Tag seiner Mexikoreise hat Papst Franziskus einen Ort besucht, an dem noch keiner seiner Vorgänger war: Morelia, die Hauptstadt des Bundesstaates Michoacán im Südwesten des Landes. Für die internationalen Medien ist der Name Michoacán in den vergangenen Jahrzehnten gleichbedeutend gewesen mit Gewalt und Drogen. Das Sinaloa-Drogenkartell hat hier Wurzeln geschlagen, und auch die berüchtigten "Tempelritter", die ihre Morde als "Strafe Gottes" pseudoreligiös verbrämen, sind in Michoacán aktiv. Der Staat bekämpft sie mit Soldaten. Bewaffnete Bürgerwehren haben sich gebildet.

Aber Michoacán hat auch eine andere Seite. Kaum ein Bundesstaat Mexikos hat so viele sehenswerte Zeugnisse der kolonialen Vergangenheit bewahrt. Der Stadtkern von Morelia gehört zum Weltkulturerbe. Die Region gilt als eine der Hochburgen des Volkskatholizismus, sie ist berühmt für ihre gute Küche, ihr Kunsthandwerk, ihre malerischen Provinzstädte.

Aber genau dort haben die Drogenbarone ihre Hochburgen. Die weitgehende Abwesenheit staatlicher Gewalt auf dem flachen Land haben sie genutzt, um eigene Strukturen aufzubauen, mit Schutzgelderpressung, Schwarzarbeit, Hehlerei und schließlich auch Drogenhandel. Nach und nach haben sie sich dann in der Hauptstadt Morelia breitgemacht, und dort unter den arbeitslosen Jugendlichen einen fruchtbaren Boden gefunden.

Seit die mexikanische Armee in Michoacán vor einigen Jahren einmarschiert ist und ein Netz militärischer Kontrollpunkte eingerichtet hat, und seit Lazaro Cardenas, der große Hafen des Bundesstaates, nicht mehr von Verbrecherbanden kontrolliert wird, sind die Drogenkartelle geschwächt. Dass die Gefahr nicht gebannt ist, lassen die schwerbewaffneten Sicherheitskräfte mit Maschinengewehren und gepanzerten Fahrzeugen erahnen, die den Weg des Papstes in Morelia sichern.

Die Bewohner von Michoacán, die zu Hunderttausenden nach Morelia gekommen sind und die Straßen säumen, lassen sich an diesem Dienstag nicht in ihrem Jubel stören. Bei keiner Station seiner Reise wird der Papst bisher so begeistert gefeiert wie in dieser Stadt.

Der Papst schaut bei seinem Treffen mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen, die aus allen Teilen Mexikos in ein Sportstadion in Morelia gekommen sind, um mit dem Papst Gottesdienst zu feiern, mehr nach vorne als zurück auf die Jahre des Blutvergießens. Er predigt gegen Gewalt, Korruption und Drogenhandel, vor allem aber wettert er gegen die Versuchung der Resignation. Er spricht von einer "Resignation, die uns lähmt und uns nicht nur hindert, zu gehen, sondern auch den Weg zu bereiten" und von einer "Resignation, die uns nicht nur hemmt, zu planen, sondern uns auch hemmt, zu wagen und zu verwandeln."

Am Nachmittag, bei einem Treffen mit zehntausenden Jugendlichen im Fußballstadion von Morelia, wettert er gegen die Versuchungen der Konsumkultur und gegen Gewalt und Drogen. Zugleich macht er den jungen Leuten Mut und nennt sie wieder und wieder den "Reichtum Mexikos".

Während der Massenveranstaltung kommt es zu einem kleinen Zwischenfall, als jemand Franziskus bei einem Bad in der Menge so stark zu sich hinzieht, dass er auf ein behindertes Kind im Rollstuhl stürzt. Der sichtlich erzürnte Papst schimpft daraufhin heftig. Ein Video des Vorfalls macht wenig später weltweit die Runde in den sozialen Netzwerken.

Zum Abschluss seiner Reise besuchte Papst Franziskus in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez noch das berüchtigte Gefängnis "Cereso 3".

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18.02.2016, 08:30 Uhr
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