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Montagsbriefe

Wider Gedankentrutzburgen

Von Montagsdemonstrationen haben die meisten schon gehört. Sie brachten 1989 die DDR ins Wanken. Aber von Montagsbriefen?

14.01.2013

Von ELISABETH ZOLL

Ulm Die einen wittern bereits eine Konspiration, andere sehen vor allem das ernsthafte Anliegen: Noch bis Ostern verschickt ein kleines Redaktionsteam von kirchlich engagierten Laien aus Ulm Post. Montagsbriefe für katholische Bischöfe und andere kirchliche Verantwortliche in ganz Deutschland. Woche für Woche greifen sie auf, was am Sonntag zuvor in der Bibel zu lesen war, deuten es und setzen es in Bezug zu aktuellen Fragen in Gesellschaft und Kirche. Die Briefe sind eine Ulmer Antwort auf das Dialogangebot der deutschen Bischöfe. "Mit der Rückbindung an die Bibel wollen wir das kirchenpolitische Gehacke durchbrechen", sagt Bernhard Fritzenschaft.

Raus aus den Gedankentrutzburgen, in denen sich Konservative und Reformer, Laien und Geweihte gerne verschanzen. "Es ist ein Angebot wider das Schubladendenken", sagt Barbara Comes. Theologen analysieren die aktuellen Evangelien und bereiten sie mit Briefen und Fragen auf, das Redaktionsteam zeichnet verantwortlich und schickt ab. "Das ist unser Weg, mit den Hauptamtlichen nach Antworten zu suchen" - die Bibel als Kompass.

Nicht bei jedem Kirchenmann kommt so viel Einsatz an. Manche Bischöfe meldeten bereits zurück, dass sie nicht mehr behelligt werden möchten. Andere sind verschnupft. Wieder andere jedoch machen Mut, wie der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki, oder Weihbischof Thomas Maria Renz aus Rottenburg-Stuttgart. Mit Freude griff dieser die Anregungen aus Ulm auf und brachte seinerseits Gedanken über die Schrift und ihre Bedeutung für die Menschen heute zu Blatt. Die Begeisterung am ehrlichen Austausch ist der Antwort anzumerken. Alle Zuschriften sind - mit dem Einverständnis der Verfasser - im Internet nachzulesen.

"Wir wollen, dass es rumort", sagt Bernhard Fritzenschaft. Und zwar im besten Sinn. Die konstruktive Unruhe halte die Kirche lebendig. Und vielleicht beginnen unter dem Rumoren ja dann auch Gedankentrutzburgen zu wanken. Worte haben Kraft. Die Montagsdemonstrationen haben es bewiesen. Sie brachten das verknöcherte System der DDR zum Stürzen.

Info http://www.montagsbriefe.de

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Erstellt:
14. Januar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Januar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2013, 12:00 Uhr

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