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Theater

Wetteifern um die Gunst des Publikums

Vom Segen der Schlafsucht: In Berlin triumphiert Sophie Rois mit „Cry Baby“ von René Pollesch.

14.09.2018
  • CHRISTOPH MÜLLER

Berlin. In der Hauptstadt wetteifern jetzt Ulrich Khuons Deutsches Theater und Oliver Reeses Berliner Ensemble Stück für Stück um die Gunst des anspruchsvollen und im Zweifelsfall widerstandfähigen Publikums. Beide Häuser sind schauspielerisch hoch besetzt, das Deutsche Theater nun nach einer Verjüngungskur. Beide Häuser auch mit einem nicht nur aus vorwiegend Uraufführungsstücken bestehendem Spielplan, sondern auch mit immer mehr Buchvorstellungen, politisch brisanten Diskussionsveranstaltungen und anderen Specials ihrer neu hinzugekommenen Schauspielerstars meist aus der nur noch Gastspiele offerierenden Volksbühne. Beim BE ist es der aus Wien heimgekehrte Martin Wuttke, beim Deutschen Theater die unwiderstehliche Sophie Rois, die sich jetzt also nebenher auch mit Solo-Auftritten ihren Fans präsentieren.

Zum Spielzeitbeginn schon mal abendfüllend Sophie Rois. Das heißt, der Abend dauert kaum mehr als eine Stunde, das jüngste Stück vom unermüdlichsten deutschen Serientäter René Pollesch. „Cry Baby“ ist Sophie Rois auf den Leib geschrieben. Und dieser Leib verschwindet in einem wallenden weißen Nachthemd mit etwas überlangen Ärmeln. Sie schleppt sich schlaftrunken zu einem riesigen Doppelbett und beklagt sich bei Gott, wie müde und abgeschlafft sie ist in ihrer Eigenschaft als Laiendarstellerin, die sogar selber dafür bezahlt, dass sie auftreten darf.

Sophie Rois ist auch ein Stimmwunder. Sie kräht, krächzt, kiekst sich in allen Tonhöhen die vom allzu eifrigen Schauspielern erschöpfte Seele aus dem Leib. Ihre gern auch verrucht rauchige Heiserkeits-Stimme kippt dann beängstigend weg. Aber das alles ist ihre Kunst, konkurrenzlos.

Hoffentlich das letzte Wort

Der Abend funktioniert perfekt. Tags darauf wurde es triefend ernst im Deutschen Theater, wenn auch von Jette Steckel nicht ohne unfreiwillig-freiwillige Komik der glänzenden Darsteller ironisch abgefedert. Ewald Palmetshofer hat Gerhart Hauptmanns 1889 entstandenes, recht schwülstiges Sozial- und Ehedrama „Vor Sonnenaufgang“ stark bearbeitet und in eine sogar noch über Ingmar Bergman hinausweisende Gegenwarts-Fassung gepresst.

So ist es jetzt eine fetzige Psycho-Beziehungskiste zum Thema: Wer oder was ist der Mensch, wenn er aus der Vergangenheit heraus sein Leben ändern, also bessern und wie erlöst als Gutmensch solidarisch wirken will? Hört sich interessant an, will und will aber nicht enden, obwohl man schon fünfmal denkt, so, das war jetzt aber hoffentlich das letzte Wort . . . Christoph Müller

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14.09.2018, 06:00 Uhr
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