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Schwebende Baukörper

Wettbewerb für eine neue Augenklinik und ein Forschungsinstitut ist entschieden

Der Zuschlag an das Stuttgarter Architekturbüro Arcass erfolgte einstimmig. Für ihre Entscheidungsfindung hatte sich die Jury fast zwölf Stunden lang Zeit genommen.

16.04.2010

Von Hans-Joachim Lang

Tübingen. Angesichts der Leichtigkeit und der Offenheit der geplanten Gebäude kam Architekt Wolfgang Riehle, der Vorsitzende der Jury, geradezu ins Schwärmen. „Es scheint, als würden die beiden neuen Baukörper über einem Sockel schweben“, umschrieb der Vorsitzende der baden-württembergischen Architektenkammer am Mittwochabend seinen optischen Gesamteindruck. Spätestens Ende 2014, wenn die neue Augenklinik und das Forschungsinstitut für Augenheilkunde auf dem Schnarrenberg bezogen sind, wird man das Modell an der Realität messen können.

Gegenwärtig ist die Universitätsaugenklinik in einem 101 Jahre alten Gebäude neben der Psychiatrischen Klinik untergebracht. Ihr stationärer Bereich hat, wie der Ärztlicher Klinik-Direktor Prof. Karl Ulrich Bartz-Schmidt bei der Bekanntgabe der Preisträger seufzte, „den Charme einer Jugendherberge“. Noch gehören Klinik und das derzeit auf neun Gebäude verteilte Forschungsinstitut zu den wichtigsten Forschungszentren auf diesem Gebiet in Deutschland.

Bedingungen wie in Paris oder London

Die Bedingungen nach dem Neubau, für den 48 Millionen Euro ausgewiesen werden, sind laut Einschätzung von Prof. Eberhart Zrenner, dem Ärztlichen Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde, in Europa lediglich in Paris und London vorhanden. Der Neubau wird nämlich mit der Neuen Hals-Nasen-Ohren-Klinik (HNO) verbunden und ermöglicht die enge Zusammenarbeit von Forschergruppen beider Kliniken auf verwandten Gebieten. Zudem können manche Flächen gemeinsam genutzt werden.

Die Auslobung des Architektenwettbewerbs war europaweit bekanntgegeben worden. 70 Büros hatten durch die Abgabe von Referenzunterlagen bekundet, dass sie gerne teilnehmen wollten. Nach einer Vorprüfung wurden 20 Bewerber ausgewählt und zu Entwürfen aufgefordert. Nur einer ließ diese Chance ungenutzt.

Zu den Herausforderungen für die Architekten zählten nicht nur, dass Klinikbetrieb, Lehre und Forschung nach aktuellstem Kenntnisstand untergebracht werden sollen, sondern auch die schwierige Hanglage. Gewünscht war, dass die Augen- und die HNO-Klinik sowie das Forschungsinstitut nicht auf unterschiedlichem Niveau stehen. Der Gesamtkomplex soll künftig durch einen gemeinsamen Haupteingang von der Elfriede-Aulhorn-Straße her erschlossen werden.

Unter den eingereichten Entwürfen fiel auf, dass eine große Zahl der Architekten mehr oder weniger den bereits vorhandenen HNO-Bau spiegelten. Davon rückten der erste und zweite Preisträger deutlich ab. Die Gewinner beeindruckten die Jury auch dadurch, dass sie die beiden Neubauten mit der HNO zwar zu einem gemeinsamen Ganzen fügten, dennoch die Individualitäten der beiden Kliniken auch äußerlich akzentuierten.

Im Detail mussten die Planer überzeugen, dass sie die Betriebsabläufe optimal in dem Neubaukomplex verorteten. Vom Volumen her entspricht er übrigens 150 Einfamilienhäusern. An der Jury wirkten sieben Architekten und sechs weitere Preisrichter sowie sechs nicht stimmberechtigte Berater mit, darunter drei Tübinger Stadträte.

Aus der Wettbewerbssumme in Höhe von 219 000 Euro erhielten die Sieger 71 000 Euro, das Stuttgarter Büro pbr Rohling AG 58 000 Euro (2. Preis), das Stuttgarter Büro Hammeskrause 48 000 Euro (3. Preis) und das Münchner Büro Henn 42 000 Euro (4. Preis).

Info

Die Modelle aller 19 Teilnehmer werden vom 17. bis 24. April im IBZ (Heuberger-Tor-Weg 17) öffentlich gezeigt: samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr, während der Woche von 12 bis 18 Uhr.

Das Modell des Wettbewerbssiegers (Büro Arcass, Stuttgart) nimmt auf der rechten Hälfte die 2002 bezogene HNO-Klinik auf und verbindet sie, wie in der Ausschreibung gefordert, mit der Augenklinik (oberer Baukörper) und dem Forschungsinstitut für Augenheilkunde. Im Gesamtprojekt entstehen fünf Innenhöfe und dadurch viele helle und luftige Räume für Forscher und Patienten. Die Sockel unter den großen Baukörpern gleichen die Niveau-Unterschiede im Hanggelände aus. Bild: Metz

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Erstellt:
16. April 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. April 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. April 2010, 12:00 Uhr

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