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Kunst

Werkstatt der Moderne

Nach dem Ersten Weltkrieg , der viele Millionen Tote forderte, und nach dem Zusammenbruch der überkommenen Monarchie herrschte in Deutschland eine radikale Aufbruchstimmung: in die Moderne.

16.01.2019

Von Jürgen Kanold

Ausgerechnet in der Provinz, in Weimar, wo 1919 die Politiker im Nationaltheater eine demokratische Verfassung ausarbeiteten, errichtete Walter Gropius eine „Zukunftskathedrale“, gründete er das Bauhaus: eine Schule, die Kunst und Handwerk nachhaltig miteinander versöhnen sollte, um eine neue Welt für alle zu gestalten.

Diese Werkstatt der Moderne setzte einen Maßstab des guten, einfach schönen Geschmacks – aber es begann mit romantischem Pathos: „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“ So heißt es im Gründungsmanifest. Bezeichnend, dass das Bauhaus, das weltweit zu einem Begriff für visuelle Modernität geworden ist, ausgerechnet romantisch eine mittelalterliche Vergangenheit beschwört. Auch das ist typisch deutsch, in der Tradition des Idealismus.

Weltweit ein Begriff

Das Bauhaus bestand nur 14 Jahre und war wie jede Glaubensgemeinschaft auch von Streit und Abgründen geprägt und wie jede Avantgarde nicht vor Irrtümern gefeit. Und diese Reformschule wurde immer reaktionär angefeindet: 1925 musste das Bauhaus nach Dessau weiterziehen, wo es zur „Hochschule für Gestaltung“ wurde und wo Gropius einen Neubau entwarf, eine bis heute zu bewundernde Ikone der Architektur, ein Welterbe. 1932 kam das Aus in Dessau, dann siedelte man sich in Berlin an, bis die Nationalsozialisten dort den Druck erhöhten und Mies van der Rohe und die Meister im Juli 1933 das Bauhaus auflösten.

Die Akteure zogen in die Welt, wirkten einflussreich. Manche sagen: Das Bauhaus steht für Deutschlands kulturelles Ansehen wie Beethoven und Goethe. Was bleibt 100 Jahre danach? Ein Riesenjubiläum, zunächst mal zahllose Veranstaltungen, die dazu einladen, die historischen Orte und wunderbare Architektur zu erkunden und über die Schönheit und die Funktionalität der Dinge und eine Kunst für alle nachzudenken. Und dieser Optimismus von Gropius und Co.: Er sollte uns heute und immer wieder neu anstecken.

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Erstellt:
16. Januar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Januar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 06:00 Uhr

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