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Daimler

E-Auto-Antriebe: Werk unter Strom

In Untertürkheim werden künftig E-Auto-Antriebe gebaut. Mitarbeiter finanzieren das Zugeständnis unter anderem durch ihren flexiblen Einsatz.

13.12.2019

Von Thomas Veitinger (mit dpa)

Das Untertürkheimer Werk gibt es seit 115 Jahren. Künftig werden hier Teile des elektrischen Antriebsstrangs gefertigt und montiert. Die 19?000 Mitarbeiter produzieren derzeit im Werk Motoren, Achsen, Getriebe und Komponenten. Foto: Daimler

Tesla errichtet bei Berlin ein Werk. Schön und gut. Der Plan ist aber nichts gegen die einstige Entscheidung der Daimler-Motoren-Gesellschaft, im „Gewann Kies“ zu bauen. Untertürkheims Schultes Eduard Fiechtner lockte die Autopioniere Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach nach Untertürkheim, nachdem es ihnen in Cannstatt zu klein geworden war. Am 26. Mai 1904 ist der Umzug abgeschlossen. Das Herz des Weltkonzerns schlägt bis heute an diesem Ort.

In jüngster Zeit kam es aber zu Herzrhythmusstörungen auf dem dicht bebauten Gebiet zwischen Neckar und Bahnlinie Stuttgart–Ulm. Der neue Daimler-Chef Ola Källenius hatte Mitte Oktober offen gelassen, wo der Autobauer seinen elektrischen Antriebsstrang (EATS) für E-Autos baut, und brachte damit den Betriebsrat gegen sich auf. Im Gespräch war Rumänien.

Das ist jetzt vom Tisch: Der EATS für die nächste Generation der Modellfamilie EQ soll von den Beschäftigten in Untertürkheim produziert werden. Nach „intensiven Verhandlungen“ haben sich Unternehmensleitung und Betriebsrat des Mercedes-Benz Werks Untertürkheim geeinigt, heißt es am Donnerstag in einer Mitteilung. Die künftige Eigenproduktion der Elektroauto-Antriebe bei Daimler werde unter anderem mit einem flexibleren Einsatz der Beschäftigten finanziert. Die Einigung umfasst ein ganzes Bündel von „Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit“, um die Fertigung ins Mercedes-Stammwerk nach Stuttgart-Untertürkheim zu holen.

Unter anderem soll es künftig einen Transformationspool von Mitarbeitern geben, die ohne langen Vorlauf immer dort eingesetzt werden können, wo sie gerade gebraucht werden, auch an anderen Standorten weltweit. Weitere Details nannten Werksleitung und Betriebsrat auch am Donnerstag nicht.

„Für den Betriebsrat stand die langfristige Zukunftsfähigkeit unseres Werkes von Anfang an im Fokus. Wir haben weder eine reine Zahlendiskussion, noch einen Eingriff in tarifliche Regelungen zugelassen“, teilten Daimler und Betriebsrat mit. In Kombination mit Verbrennungsmotoren, der Batteriefabrik und der Brennstoffzelle sei der Standort breit aufgestellt und habe alle Antriebstechnologien verankert, um Leitwerk und Kompetenzzentrum für Antriebstechnologien zu bleiben, sagte der Betriebsratschef des Werks, Michael Häberle.

Ohne den Elektroantrieb werde die Transformation des Standorts Untertürkheim nicht gelingen, hatte Häberle im Laufe der Verhandlungen gewarnt. Das Unternehmen mache einen großen Fehler, wenn es die Zukunftsfähigkeit des Standorts von der augenblicklichen wirtschaftlichen Situation abhängig mache. Allerdings baut Daimler nicht den Elektromotor, den der Konzern für nicht so entscheidend im Wettbewerb hält – im Gegensatz etwa zu BMW. Das könnte sich aber noch ändern, glaubt der Auto-Experte Stefan Reindl: „Motor und Batterie sind charakteristisch für das Elektrofahrzeug, Tesla hat das erkannt.“ Es sei aber immerhin gut, dass der EATS nach Untertürkheim komme.

Daimler will in den kommenden Jahren allein an Personal 1,4 Mrd. EUR sparen und dafür unter anderem mehr als 10 000 Stellen in der Verwaltung streichen.

Welche Rolle Untertürkheim künftig spielen soll, darüber hatten Konzern und Betriebsrat schon seit 2017 gestritten. Damals einigte man sich am Ende darauf, eine Batterieproduktion aufzubauen und ein „Projekthaus“ für den E-Antrieb einzurichten. Dort wird seither an der Weiterentwicklung des elektrischen Antriebsstrangs gearbeitet.

In Untertürkheim produzieren mehr als 19 000 Mitarbieter Motoren, Achsen, Getriebe und Komponenten. Das Werk besteht aus sechs Werksteilen. Während in Untertürkheim und Bad Cannstatt Motoren gefertigt werden und die Schmiede angesiedelt ist, erfolgt die Getriebeproduktion in Hedelfingen. In Mettingen befinden sich Achsenproduktion und Gießerei. Die Ausbildung hat ihren Sitz in Brühl, die flexible Fertigung in Esslingen.

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Erstellt:
13. Dezember 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Dezember 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2019, 06:00 Uhr

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