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Wenn die Polizei schon da ist...

Das Land testet ein Programm, das Einbrüche vorhersagt. Besonders effizient arbeitet es bisher nicht.

01.09.2017
  • CHRISTIAN RATH

Freiburg. Im Werbespot der Firma IBM wartet der Polizist lässig vor dem Laden, der überfallen werden soll. Als der Räuber kommt, dreht er resigniert wieder ab. Eine Straftat wurde verhindert.

Ganz so effizient ist „predictive policing“ in der Praxis noch nicht, wie das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht (MPI) herausgefunden hat. Der Einsatz von Prognose-Software bei der Polizei könne zwar sinnvoll sein, sei aber kein Wundermittel, so das Ergebnis der ersten unabhängig-wissenschaftlichen Untersuchung von „vorausschauender Polizeiarbeit“.

Seit Ende 2015 testet Baden-Württemberg die Software „Precobs“ einer Firma aus Oberhausen. Pilotgebiete sind die Polizeipräsidien Stuttgart und Karlsruhe. Evaluiert wurde der Versuch vom Freiburger MPI-Kriminologen Dominik Gerstner.

Die Precobs-Software dient im Versuch ausschließlich der Prognose zukünftiger Wohnungseinbrüche. Sie beruht auf der Annahme, dass professionelle Serien-Einbrecher binnen sieben Tagen im Umkreis von 500 Metern erneut zuschlagen werden. Kriminologen sprechen von „nahen Folgefällen“ („near repeat“). So deutet es auf einen Profi hin, wenn der Täter die Terrassentür ausgehebelt und Schmuck gestohlen hat. Die Prognose beruht ausschließlich auf Daten, die bei der Polizei schon vorliegen. 206 derartige Alarmmeldungen gab es im untersuchten Zeitraum von November 2015 bis April 2016.

Ein Alarm, 48 Einsatzstunden

Im Alarmfall zeigt die Polizei in dieser Gegend nun verstärkt Präsenz, mit Streifenwagen und zu Fuß. Im Schnitt führt ein Alarm zu 48 Einsatzstunden. Dabei werden von den Polizisten durchschnittlich neun Autos und 16 Personen kontrolliert. Außerdem werden Anwohner angesprochen, dass sie zum Beispiel ihre Terrassentür sichern sollen. Was die Polizei konkret macht, steuert nicht mehr Precobs, sondern erfahrene Polizisten. Ziel ist es dabei nicht so sehr, die Täter auf frischer Tat zu ertappen, sondern diese gleich vom Einbruch abzuhalten.

„Die Wirkung des predictive policing ist schwer zu messen“, erklärte MPI-Kriminologe Dominik Gerstner. In Stuttgart ging die Zahl der Einbrüche zwar zurück, aber einen ähnlichen Rückgang gab es im Vorjahr auch, ohne Precobs. In der Stadt Karlsruhe stieg die Zahl der Einbrüche im Versuchszeitraum sogar, trotz Precobs.

Der MPI-Experte kam zum Schluss: Es gibt wohl eine gewisse kriminalitätsmindernde Wirkung, aber der Effekt ist eher schwach. Vielleicht führt die erhöhte Polizeipräsenz in Alarmgebieten auch nur dazu, dass die Einbrecher zeitweise ins Nachbarviertel ausweichen. Dazu kann Gerstner anhand seiner Daten aber keine Aussagen machen.

Neben Baden-Württemberg experimentieren auch schon die Beamten in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin mit der „vorausschauenden Polizeiarbeit“. Christian Rath

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01.09.2017, 06:00 Uhr
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