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Krankenhäuser · Ravensburg

Wenn die Klinik-IT streikt

Spielen digitale Systeme plötzlich nicht mehr mit, kann es massive Probleme geben. So wie diese Woche in Ravensburg.

12.10.2019

Von ALFRED WIEDEMANN

Pfleger an einem Krankenbett. Wenn die moderne Technik versagt, sind plötzlich wieder Stift und Papier gefragt wie früher. Foto: Sven Hoppe/dpa

Ravensburg/Stuttgart. Der Schreck war groß am Dienstagabend am Ravensburger Elisabethen-Krankenhaus: Das IT-System spielte verrückt, die Telefonleitungen waren fast fünf Stunden tot, der digitale Datenaustausch lahmgelegt. Über die Polizei und die Lokalzeitung gab das 500-Betten-Krankenhaus, die Zentraleinrichtung der Oberschwabenkliniken gGmbH (OSK), die Störung bekannt. Die Notaufnahme wurde bei der Leitstelle abgemeldet, Rettungswagen mussten andere Kliniken anfahren. Die Störungen trafen auch die anderen Krankenhäusern des Klinikverbunds in Wangen im Allgäu und in Bad Waldsee, aber die nur kurz.

Noch in der Nacht zum Mittwoch waren die IT-Störungen behoben. „Es war kein Hackerangriff, sondern ein Defekt in der Netzwerktechnik“, sagt OSK-Pressesprecher Winfried Leiprecht, das sei schnell klar gewesen. Eines von Dutzenden Netzwerkgeräten habe sich selbstständig gemacht. Der defekte Switch störte, das legte IT und Telefone lahm. Das Segment wurde ausgetauscht. Am Mittwoch prüften die Fachleute, wie sie in Zukunft verhindern, dass ein solcher Leitungsfehler nicht mehr das ganze IT-System lahmlegt.

„Patienten waren zu keiner Zeit in Gefahr“, versichert Leiprecht. Es gab keinen Stromausfall, die medizinischen Geräte funktionierten. Nur der Datenaustausch klappte nicht: „Röntgenbilder konnten zum Beispiel gemacht werden, aber nicht wie gewohnt elektronisch weiter genutzt werden“, erklärt Leiprecht.

In die Notaufnahme seien während der IT-Störung einige Patienten selber gekommen, nicht mit Rettungswagen. Deren Daten mussten dann eben von Hand aufgenommen werden, nicht wie sonst am Computer.

Gut ausgegangen also, wie im Sommer am Universitätsklinikum Heidelberg. EDV-Störungen hatten am 30. August zu Verschiebungen von Untersuchungen und geplanten Operationen geführt. Akute Notfälle konnten aber versorgt und Not-Operationen durchgeführt werden, wie die Uniklinik damals mitteilte. „Die Patientensicherheit war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.“

Ursache der IT-Störungen war ein Problem bei Wartungsarbeiten der zentralen Speichersysteme. Soft- und Hardware waren nicht kompatibel, was weder Betreiber noch Hersteller bekannt gewesen sei. Am folgenden Mittag liefen die Systeme wieder.

Nicht interne Probleme, sondern Kriminelle haben Kliniken schon vor massivere Probleme gestellt: In Fürstenfeldbruck legte im November 2018 ein Cyberangriff hunderte Computer lahm. Ursache war ein Trojaner in einer E-Mail. Die Telefone gingen zwar noch, von der Rettungsleitstelle musste sich das Krankenhaus aber mehr als eine Woche abmelden.

Trotz umfangreicher Ermittlungen blieben die Angreifer im Dunkeln: Das Verfahren gegen Unbekannt sei eingestellt worden, sagte ein Sprecher der bayerischen Zentralstelle Cybercrime bei der Bamberger Generalstaatsanwaltschaft.

Im Sommer 2019 traf es elf Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Schadsoftware verschlüsselte Server und Datenbanken des DRK-Klinikverbunds Süd-West. Die Versorgung der Patienten lief weiter.

In Baden-Württemberg wurden zwei Cyberangriffe auf Krankenhäuser angezeigt: im November 2015 und im Mai 2019. Beide seien glimpflich ausgegangen, die Orte nannte das Landeskriminalamt in Stuttgart nicht.

Aber Details: Es waren ebenfalls Ransomware-Angriffe, Teil einer großangelegten Kampagne, nicht gezielt gegen Kliniken gerichtet. Die Masche bedroht immer wieder auch Firmennetzwerke: Mailempfänger werden durch „täuschend echt wirkende und teilweise in einwandfreiem Deutsch verfasste Texte und unter Ausnutzung scheinbar bekannter Kontaktbeziehungen“ dazu bewegt, ein als Anlage beigefügtes Office-Dokument zu öffnen und den Bearbeitungsmodus zu aktivieren So kann Schadsoftware geladen werden.

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Erstellt:
12. Oktober 2019, 00:30 Uhr
Aktualisiert:
12. Oktober 2019, 00:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2019, 00:30 Uhr

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